Bayern-Boss Kahn über umstrittenes Sponsoring »Katar boykottieren? Dort keine WM spielen? Und dann?«

Beim Thema Katar eskalierte die Jahreshauptversammlung des FC Bayern, nun hat Vorstandschef Oliver Kahn den Deal mit dem Emirat in einem Interview erneut verteidigt – und Gehaltsobergrenzen für Spieler gefordert.
Vorstandschef Kahn: Dauerthema Katar-Sponsoring

Vorstandschef Kahn: Dauerthema Katar-Sponsoring

Foto: Sven Hoppe / dpa

Ende November eskalierte in denkwürdiger Art und Weise die Mitgliederversammlung des FC Bayern München beim Thema Katar, die neuen Klubbosse gaben ein desaströses Bild ab. Einer davon: Oliver Kahn.

Nun hat der Vorstandschef das umstrittene Sponsoring durch das Staatsunternehmen Qatar Airways erneut verteidigt. »Sicher ist in Katar vieles nicht so, wie sich das die Menschen nach unseren Maßstäben vorstellen, aber meine Überzeugung ist: Es kann auch keine Lösung sein, auszugrenzen oder einen Dialog nicht zu führen«, sagte Kahn im Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« .

Katar wird seit vielen Jahren von Menschenrechtsorganisationen unter anderem wegen des Kafala-Vormundschaftssystems und dem Umgang mit Gastarbeitern scharf kritisiert. Seit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in das Land vor zehn Jahren sind nach Informationen des »Guardian« aus dem vergangenen Februar mehr als 6500 Gastarbeiter gestorben. Katar selbst bestreitet die Zahl nicht, sagt aber, sie beziehe sich auf alle Todesfälle der vergangenen zehn Jahre, also auch natürliche Tode. Wie viele Menschen auf den Baustellen umkamen, lässt sich kaum überprüfen.

Laut Human Rights Watch wird Arbeitern zudem der Lohn nicht gezahlt, es werden Pässe eingezogen, um sie an der Ausreise zu hindern. Unterkünfte und Arbeitsbedingungen sind prekär. Amnesty International kritisierte zuletzt in einem neuen Bericht, dass Katar angekündigte Reformen im Land nur lückenhaft umsetze und menschenrechtswidrige Praktiken wieder aufgetaucht seien.

Keine Geschäfte mit dem Emirat zu machen, bezeichnete Kahn in der »SZ« dennoch als nicht zielführend. »Katar boykottieren? Dort keine WM zu spielen? Und dann? Entwickelt sich dort dann etwas zum Besseren?«, fragte der ehemalige Bayern-Torhüter.

»Natürlich ist der Vertrag mit Qatar Airways lukrativ«

Das Sponsoring spült den Münchnern pro Jahr rund 17 Millionen Euro in die Kassen. »Wir müssen dieses Sponsoring immer auch nach wirtschaftlichen Kriterien bewerten, und natürlich ist der Vertrag mit Qatar Airways lukrativ«, so Kahn.

Wie der Klub künftig mit dem Katar-Deal umgehen werde, ließ Kahn offen. »Wir werden ihn erfüllen und in der Zwischenzeit genau beobachten, wie sich die Dinge entwickeln. Und dann werden wir entscheiden, wie es weitergeht«, sagte er. Zuletzt hatte Kahn in der TV-Sendung »Sky90« auch eine Verlängerung mit Qatar Airways über das Vertragsende 2023 hinaus nicht ausgeschlossen.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung des FC Bayern hatte das Bayern-Mitglied Michael Ott einen Antrag eingereicht, in dem er die Bayern-Führung aufforderte, den Vertrag mit Qatar Airways nicht fortzuführen. Ott durfte bei der Versammlung nicht sprechen, andere Klubmitglieder hatten sich aber ebenfalls zu dem Thema geäußert und unter anderem Änderungen in der Vereinssatzung gefordert, wonach sich der FC Bayern künftig für die Achtung der Menschenrechte einsetzen und sich zugleich zur Umsetzung der Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verpflichten müsse.

Bayern-Trio Nagelsmann, Salihamidžić und Hoeneß bei der Mitgliederversammlung: »Schlimmste Veranstaltung«

Bayern-Trio Nagelsmann, Salihamidžić und Hoeneß bei der Mitgliederversammlung: »Schlimmste Veranstaltung«

Foto: via www.imago-images.de / imago images/MIS

Kahn und Präsident Herbert Hainer entglitt der Abend, Uli Hoeneß sprach anschließend von der »schlimmsten Veranstaltung«, die er je bei seinem Klub erlebt habe.

Im »SZ«-Interview erläuterte Kahn zudem seine Vorstellung vom Financial Fair Play. »Wir wollen, dass es zu einer Eindämmung der Gehälter kommt, und wünschenswert wäre auch, wenn die Preise auf dem Transfermarkt sinken«, sagte er: »Wir wollen einen Salary Cap, eine Gehaltsobergrenze.« Auch eine harte Grenze, also eine »Summe X, die maximal von einem Klub für Gehälter aufgewendet werden darf«, sei im Sinne der Bayern, ebenso eine »Soft Cap« als relative Größe, die den Maximalanteil der Gehälter an den Einnahmen eines Vereins bestimme.

Darüber hinaus wünscht sich Kahn »klare Grenzen für Investoren« und Strafen, »die wehtun und wirklich vollzogen werden, auch bei den großen Klubs«, sollten die Regelungen zur »Kostenkontrolle im Fußball« nicht eingehalten werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes fehlte die Stellungnahme der Regierung Katars. Wir haben sie entsprechend ergänzt.

luk/sid
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