Oliver Kahn über Juve-Torwart Buffon Numero Uno

Wir waren jahrelang Konkurrenten, aber ich habe ihn immer auch bewundert. Warum Juventus-Schlussmann Gianluigi Buffon der beste Torhüter seiner Generation ist - und was ich ihm raten würde.

Juventus-Torwartdenkmal Gianluigi Buffon
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Juventus-Torwartdenkmal Gianluigi Buffon


Zur Person
  • Oliver Kahn, 47, war in seiner aktiven Zeit einer der besten Torhüter der Welt. 14 Jahre lang war er der Torwart des FC Bayern, gewann mit dem Klub die Champions League, acht deutsche Meisterschaften und sechs Mal den DFB-Pokal. An die direkten Duelle mit Gianluigi Buffon erinnert er sich nicht so gerne: In fünf Partien ging Kahn vier Mal als Verlierer vom Feld.

Dass aus Gianluigi Buffon mal etwas würde, habe ich schon früh geahnt. Ich bin auf ihn schon aufmerksam geworden, als er noch als Teenager bei Parma gespielt hat. Welche Anlagen die jungen Leute haben, erkennt man ja schon relativ früh. Und bei Buffon war damals bereits sichtbar: Wenn der nicht abhebt, dann wird das mal ein Großer. Und was für ein Großer er geworden ist.

Mittlerweile ist Buffon fast 40 Jahre alt und steht in diesem Alter noch einmal mit Juventus im Champions-League-Finale. Das ist schon phänomenal. Wir waren jahrelang Konkurrenten, obwohl wir gar nicht so oft gegeneinander gespielt haben.

Ein paar Mal in der Champions League gegen Juventus - ich weiß noch, wir haben meistens schlecht ausgesehen, damals auch noch in dem alten Stadion in Turin. Und gegen die italienische Nationalmannschaft sind wir schon vor Anpfiff angetreten mit der Frage: Wie sollen wir die eigentlich schlagen? Es war die Zeit, in der die Italiener uns taktisch und von der Raffinesse noch sehr weit voraus waren. Das hat sich zum Glück geändert.

Durch nichts mehr zu beeindrucken

Buffon war zu diesem Zeitpunkt in Italien und bei Juventus schon unumstritten - weil er die nötige mentale Stärke mitbringt, die die ganz großen Torleute auszeichnet. Torwarte wie Gianluigi Buffon oder auch Manuel Neuer lassen sich von der Verantwortung in den wichtigen Spielen, wenn es um alles geht, nicht beeindrucken und man kann sich zu 100 Prozent auf sie verlassen. Fehler machen solche Torleute ohnehin sehr wenige.

Er ist technisch sicher nicht so beschlagen mit dem Ball am Fuß wie die heutige Torwartgeneration, wie zum Beispiel ein Neuer oder Marc-André ter Stegen, aber auch in diesem Bereich ist er solide und besitzt in seinem Alter noch exzellente Reaktionen und Reflexe.

Mittlerweile hat er sich natürlich längst den Respekt der Gegner erarbeitet. Wenn die Stürmer wissen, da steht ein Buffon im Tor, dann hat das schon eine Wirkung.

Sicherlich, wenn man auf die 40 zugeht wie er, dann ist man ein anderer Spieler als mit 20. Aber bei Buffon merkt man das kaum. Weil er mittlerweile auch so erfahren ist, dass er sich gar nicht mehr in hochriskante Situationen hineinbegibt, weil er ein Auge dafür hat, Spielsituationen zu lesen und genau weiß, wann man die Torlinie verlassen muss und wann nicht.

Entspannter, lässiger

Was nicht heißt, dass man sich nicht auch in diesem Alter noch verbessern kann. Ich habe damals noch im Alter von 34 Jahren gemeinsam mit Sepp Maier immer weiter daran gefeilt, noch besser zu werden. Buffon wirkt in seinem Spiel etwas entspannter und lässiger als ich es war. Was nicht bedeutet, dass er nicht genauso ehrgeizig ist, wie ich zu meiner aktiven Zeit.

Er hat den großen Vorteil, auch mit 39 Jahren noch so extrem fit zu sein. Ich habe damals auch bis zum Alter von 38 Jahren gespielt. Irgendwann kennst du deinen Körper so gut, dass du auch im Training exakt weißt, was zu tun ist. Statt 75 Minuten Torwarttraining sind es in diesem Alter eher nur noch 45 Minuten, aber die sind dann auch effektiver.

Ich habe mit 38 Jahren aufgehört, weil ich gefühlt habe, dass es einfach gereicht hat. Ich hatte alles erlebt - sportlich, emotional. Ich denke, diesen Punkt hat Buffon noch nicht ganz erreicht, denn er möchte unbedingt ja noch die Champions League gewinnen. Das motiviert ihn extrem und zeigt, wie wichtig es ist, auch in diesem Alter noch große Ziele zu haben.

Erst einmal Abstand

Ich habe keine Ahnung, wie lange Buffon noch spielen will und spielen wird. Es gibt immer auch eine gewisse Angst vor dem Aufhören, ein Unbehagen vor der Frage, was danach kommt.

Wenn er seine einzigartige Laufbahn aber beendet, dann würde ich ihm das sagen, was ich auch Philipp Lahm geraten habe: Das Wichtigste am Anfang ist Abstand. Am besten sechs, sieben Monate gar nichts machen - Golf spielen, am Strand liegen. Das wird dann aber auch ganz schnell langweilig und es gibt einem die Zeit, darüber nachzudenken: Wer bin ich eigentlich und wer will ich werden, wenn ich nicht mehr der große aktive Torwart Gigi Buffon bin? Darauf eine Antwort zu finden, ist alles andere als leicht.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
gag67 03.06.2017
1. große Torhüter
Beide gehörten/gehören zu den Besten der Welt. An Buffon hat mir immer sein Humor und sein Respekt vor dem Gegner gefallen. Er ist zu keinem Zeitpunkt abgehoben.
Rassek 03.06.2017
2. Symphatischer
Kommentar. Euch Beiden alles Gute.
stefan_hahn 03.06.2017
3. Das schätze ich an beiden...
Hr. Kahn als auch Buffon haben eine Sicht die über das Fussballerische hinausgeht! Diese Awareness im Allgemeinen, aber auch der Blick fürs Wesentliche (zahlreiche Kommentare von Buffon belegen das, Neuer übrigens auch) sind vielleicht auch Teil des Mentaltrainings als Torwart. Alexander von Humboldt sprach mal ungefähr davon, dass nur der eine gute Weltanschauung hat, der sich die Welt angeschaut hat. Fussballer sind im Gegensatz zum Stereotyp früher, oft alles andere als dumm...
frendo54 03.06.2017
4. Seit 1970
verfolge ich die deutsch-italienischen Scharmützel, die im Wesentlichen zu Gunsten der Blauen endeten. Ich vermute, bei der Summe dieser Anlässe habe ich gelernt, dass man ungern verlieren und den Sieger dennoch schätzen und respektieren kann. Buffon ist nur einer aus der schier endlosen Reihe von "Typen" in der squadra azzurra, die mit technischem Können, spielerischer Klasse, taktischer Disziplin und - manchmal grenzwertiger - Schlitzohrigkeit ein Fußballspiel zum Ereignis machen konnten/können. (Roberto Boninsegna lasse ich jetzt mal außen vor...) Den Sieg heute Abend gönne ich ihm!
Marzus1 03.06.2017
5. Peinlich peinlich...
Kahn gibt vor, über Buffon zu schreiben und schreibt doch nur über sich selbst...
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