Ominöses Bundesliga-Spiel DFB und DFL wissen nichts von Manipulation

Italienische Ermittler wollen Hinweise auf eine Manipulation des Erstligaspiels zwischen Bochum und Cottbus im Jahre 2009 haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft, der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga haben davon allerdings keine Kenntnis.

Bochumer Jubel gegen Cottbus (2009): Aus Italien kommen Manipulationsvorwürfe
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Bochumer Jubel gegen Cottbus (2009): Aus Italien kommen Manipulationsvorwürfe


Hamburg - Es geht um die angebliche Manipulation der Bundesliga-Begegnung Bochum gegen Cottbus (3:2) am 28. Februar 2009. "Das Spiel ist uns aus den uns vorliegenden Akten nicht bekannt", sagte DFB-Pressechef Ralf Köttker. Auch der DFL lagen bis Dienstagmorgen keine Anhaltspunkte für eine Schiebung durch die Wettmafia vor.

Die ominöse Partie taucht auch nicht in den Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft auf, die in Deutschland für die Ermittlungen im Fußball-Wettskandal zuständig ist. Vor dem Landgericht Bochum wird seit Anfang Oktober verhandelt. Mindestens 53 Spiele sollen allein in Deutschland manipuliert worden sein.

Die neusten Hinweise gehen auf italienische Ermittler in Neapel zurück. Im Verfahren "Golden Gol" werden die Aktivitäten der italienischen Wettmafia untersucht. Ob der DFB in Italien Akteneinsicht beantragen will, ist noch nicht bekannt.

Beide Vereine reagieren zurückhaltend

Ein wegen Wettbetrugs festgenommener Spieler aus Italien soll nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" in einem abgehörten Telefonat damit geprahlt haben, dass er das Endergebnis des Spiels zwischen Bochum und Cottbus "schon eine halbe Stunde vorher gewusst habe".

Laut Ermittlungsakten hätten die Wettbetrüger durch Live-Wetten bei dieser Begegnung nach Angaben des festgenommenen Spielers "in 20 Minuten 1,2 Millionen Euro gewonnen". Der Bochumer Siegtreffer fiel in der 79. Minute durch einen umstrittenen Foul-Elfmeter, Cottbus stieg am Ende der Saison ab.

Energie-Präsident Ulrich Lepsch sprach in der "Bild"-Zeitung von einem "unglaublichen Vorwurf". Man werde sich aber "nicht an Spekulationen beteiligen, sondern konkrete Ergebnisse der weiteren Ermittlungen abwarten". Ein Sprecher des VfL Bochum sagte lediglich: "Wir haben das aus den Medien erfahren und verfolgen das natürlich."

In der entscheidenden Elfmeterszene war der Bochumer Spieler Stanislav Sestak in einem Zweikampf zu Boden gegangen, allerdings augenscheinlich außerhalb des Strafraums. Schiedsrichter Markus Schmidt hatte dennoch auf Strafstoß entschieden.

aha/sid

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