Oxford-Wissenschaftlerin über Stress bei Fans Macht Fußballgucken krank?

Martha Newson von der University of Oxford hat durch Speichelproben herausgefunden, wie sich die 1:7-Niederlage Brasiliens gegen Deutschland auf die Gesundheit von Zuschauern ausgewirkt hat.
Ein Interview von Hendrik Buchheister
Brasilianischer Fußballfan während des WM-Halbfinals 2014 gegen Deutschland

Brasilianischer Fußballfan während des WM-Halbfinals 2014 gegen Deutschland

Foto: Laurence Griffiths/ Getty Images

SPIEGEL: Dr. Newson, ist es ungesund, Fußballfan zu sein?

Newson: Unsere Untersuchungen haben einen starken Anstieg des Stresshormons Cortisol bei Fans während eines Spiels gezeigt, insbesondere bei Niederlagen. Normalerweise kann unser Körper damit außergewöhnlich gut umgehen. Aber unter bestimmten Voraussetzungen kann das ein Problem werden. Wenn man anfällig für chronischen Stress ist oder Schwierigkeiten mit dem Herzen hat, geht das Stresslevel möglicherweise nicht zurück auf ein Normalmaß. Das könnte problematisch sein. 

SPIEGEL: Sie haben untersucht, welchen Stress Fans während eines Spiels erleben. Wie haben Sie das gemacht?

Newson: Wir haben brasilianische Fans bei der Weltmeisterschaft 2014 getestet. Die Spiele, die wir uns angeschaut haben, waren die Siege gegen Chile und Kolumbien und die Niederlage gegen Deutschland …

SPIEGEL: … das berühmte 1:7 im Halbfinale. 

Newson: Genau. Wir wollten auch ein dysphorisches Spiel sehen – im Gegensatz zu euphorischen Spielen. Wir wollten ein Spiel sehen, das wirklich traumatisch und schmerzhaft für die Fans ist. Wir haben in Natal im Nordosten Brasiliens unsere Labore in Wohngegenden, in Community-Zentren und Hostels aufgebaut, wo die Menschen die Spiele geschaut haben. Es sollte so natürlich wie möglich sein. Vor dem Spiel, in der Halbzeitpause und nach Schlusspfiff haben wir Speichelproben genommen. Das war schwere Arbeit nach dem 1:7. Erwachsenen Männern hinterherzulaufen, die weinen und Stühle durch die Gegend treten, nur um ein paar Tropfen Speichel zu bekommen – das ist methodisch anspruchsvoll. Aber aus wissenschaftlicher Sicht hatten wir natürlich Glück mit dem Spiel. Wir haben herausgefunden, dass der Cortisol-Spiegel besonders stark gestiegen ist.

SPIEGEL: Was genau macht Cortisol im menschlichen Körper?

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