Panini-Sammelbilder "Deutschland liegt auf Platz drei"

Nach der WM-Qualifikation der deutschen Fußball-Nationalelf jubelt auch Sammelbilder-Vertreiber Panini Deutschland. Marketing-Managerin Birgit Barner, 34, erzählt im SPIEGEL-ONLINE-Interview, warum Harry Potter ein Konkurrent für Oliver Bierhoff ist, und welche Bedeutung die Weltmeisterschaft 1986 hat.


Rudolf Völler im Trikot des AS Rom in einem italienischen Panini-Album

Rudolf Völler im Trikot des AS Rom in einem italienischen Panini-Album

SPIEGEL ONLINE:

Frau Barner, Sie haben das entscheidende WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalelf von der Tribüne des Westfalenstadions aus verfolgt. Wie war Ihre Stimmung?

Birgit Barner: Vor dem Anpfiff war ich schon nervös. Als das erste Tor für Deutschland fiel, war ich ganz positiv gestimmt, und bis zum Ende wurde es immer besser...

SPIEGEL ONLINE: ..weil Sie an den Panini-Umsatz gedacht haben.

Barner: Logisch habe ich daran gedacht. Aber jetzt ist alles in Ordnung. Deutschland wird bei der WM dabei sein. Da sieht die Welt für Panini auch wieder besser aus.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet die WM-Teilnahme Deutschlands für den Verkauf Ihrer WM-Alben und Bilder?

Barner: Ein Sticker-Album zur WM wäre auf jeden Fall auf den Markt gekommen, egal ob mit oder ohne der deutschen Nationalelf. Aber mit Deutschland werden wir auf jeden Fall mehr verkaufen. Je länger die Deutschen dabei sind, umso besser für Panini Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: 1998 haben Sie 150 Millionen Bilder verkauft. Wenn Völlers Team Weltmeister wird, fahren Sie ein Rekordergebnis ein?

Barner: Das erfolgreichste WM-Album auf dem deutschen Markt war das von 1986, als die Weltmeisterschaft in Mexiko stattfand und Argentinien Weltmeister wurde. Da hat Panini Deutschland ungefähr 252 Millionen Sticker verkauft. Das war absoluter Rekord.

SPIEGEL ONLINE: Wir hätten vermutet, dass 1990 das Sticker-Geschäft am besten gelaufen wäre, als die DFB-Elf den WM-Titel holte.

Barner: Die Verkaufszahlen sind nicht ausschließlich vom sportlichen Abschneiden abhängig. Der Umsatz hängt auch von der allgemeinen Stimmung ab und der Situation im Markt. Wir bewegen uns da immer in Wellen, mal oben, mal unten. Momentan befinden wir uns wieder unten.

SPIEGEL ONLINE: Sind Deutschlands Jugendliche sammelmüde?

Barner: Sticker sind immer noch ein Thema in unserer Kernzielgruppe der 6- bis 16-Jährigen. Aber andere Motive sind momentan interessanter: Pokemon oder Harry Potter werden von den Medien ganz stark beworben und verdrängen den Fußball. Wenn die Deutschen so schlecht spielen, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, kann ich das sogar verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Das WM-Album wird im April erscheinen, bereits zwei Monate vor dem Eröffnungsspiel. Warum gehen Sie so früh an den Start?

Oliver Bierhoff strahlt im Trikot von Ascoli

Oliver Bierhoff strahlt im Trikot von Ascoli

Barner: Wir müssen schon vor der Weltmeisterschaft im Markt sein. Stellen Sie sich vor, dass die Deutschen nicht gut anfangen und es schlecht weitergeht. Dann hat auch unsere Sticker-Kollektion keine besonders guten Chancen. 0,50 Euro ist der geplante Preis für die Tüte mit sechs Stickern. Das Album soll 1,50 Euro kosten.

SPIEGEL ONLINE: Früher gab es die Alben kostenlos.

Barner: Damals waren die Alben auch nur einfarbig bedruckt. Heutzutage gibt es einen Speziallack auf dem Cover, die Album sind umfangreicher mit zusätzlichen Informationen wie statistischen Daten und Storys. Das können wir nicht mehr kostenlos auf den Markt bringen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch wieder die Hochglanz-Nationalwappen?

Barner: Die Wappen gibt es auf jeden Fall. Dazu Stadionfotos, Porträts von 18 Spielern pro Mannschaft - mehr passen nicht auf eine Doppelseite. Das sind dann nur die Stammspieler und Heroes. Außerdem Mannschaftsfotos, die aus zwei Stickern bestehen und Action Shots. Das ist die optimale Mischung und damit decken wir die Wünsche der Fans ab.

SPIEGEL ONLINE: Panini verkauft Fußball-Sticker in 60 Ländern. Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab?

Barner: Italien und Brasilien sind ganz klar vornweg. Wir liegen auf Platz drei.

Die Fragen stellte Till Schwertfeger



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