Pannen-Goalie Green Torwart am Tiefpunkt

"God save our Green": Wegen seines Fehlers im Spiel gegen die USA wird Englands Torwart Robert Green in Englands Medien mit Hohn überschüttet. Doch der Keeper gibt sich selbstbewusst - muss aber möglicherweise seinen Posten im kommenden Spiel räumen.

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In der 40. Minute kam der US-Amerikaner Clint Dempsey etwa 25 Meter vor dem englischen Tor an den Ball. Zweimal drehte er sich um die eigene Achse, dann hatte er seinen Gegenspieler abgeschüttelt. Eine schöne Szene. Sein folgender Schuss war jedoch schwach geschossen, zudem unplatziert. Für einen international erfahrenen Torwart eigentlich kein Problem. Für Englands Keeper Robert Green schon. Er ließ den Ball über seine Handschuhe rutschen, und auch sein beherzter Hechtsprung konnte nicht mehr verhindern, dass der Ball ins Tor kullerte.

Green wurde zur komischen Figur in der WM-Vorrundenpartie zwischen England und den USA, sein Fehlgriff führte zum 1:1-Ausgleich. Von den Medien musste er sich dafür zynische Worte gefallen lassen. "Rob ist immer noch zu grün für England", schreibt die Zeitung "News of the World". Und der "Sunday Mirror" machte aus der Nationalhymne "God save the Queen" prompt "God save our Green".

Die "Sunday Times" wiederum formulierte in Anspielung auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko: "Über dieses fürchterliche Leck werden die Yankees sich nicht beschweren." Weniger Worte verlor man beim "Daily Star on Sunday" über das Remis. In der Zeitung heißt es schlicht: "Der Punkte beraubt."

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Englands Remis gegen die USA: Ein grünes Häufchen Elend
"Ich bin mir sicher, dass 50 Millionen Menschen gerade sehr enttäuscht von mir sind", sagte Green anschließend dem "Guardian" und ahnte schon, was auf ihn zukommen würde: "Ich war schon häufiger in so einer Situation und muss nun denen standhalten, die mich nun zwangsläufig kritisieren werden."

Über die entscheidende Situation sagte der Torwart: "Dempsey hat einen Ball getroffen - und das war der eine, den ich hätte halten müssen, Punkt. Es ist sehr enttäuschend, was passiert ist, aber das Wichtigste ist, dass ich mich davon nicht beeinflussen lasse."

Unterstützung erhielt Green von seinem Kapitän Steven Gerrard, der ihm anschließend ein fragwürdiges Alibi verschaffen wollte: "Die Leute haben sich schon vorher über den Ball unterhalten, und er ist auch schwierig." Doch Green wollte den WM-Ball nicht als Ausrede gelten lassen. "Vielleicht ist er ein klein wenig geflattert, aber ich suche nicht nach Entschuldigungen für das, was passiert ist und übernehme die Verantwortung."

"Wir müssen nun hinter Robert stehen und ihn unterstützen"

Gerrard versuchte dennoch alles, seinen Keeper vor der öffentlichen Kritik zu bewahren: "Wir müssen nun hinter Robert stehen und ihn unterstützen. Und ich bin mir sicher, dass Robert noch eine wichtige Parade für uns machen wird", so Gerrard weiter. So sicher kann er sich da allerdings nicht sein.

Denn ob Green am Freitag im zweiten Gruppenspiel gegen Algerien (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Chance zur Wiedergutmachung erhält, ist offen. "Wir haben Zeit, mit ihm zu sprechen. Dann werde ich entscheiden", sagte Trainer Fabio Capello über einen möglichen Torwartwechsel.

Sollte Green wieder im Tor der Engländer stehen, wird ihn der Fehler nach eigenen Angaben nicht nachhaltig beeinflussen: "Ich bin 30. Ich bin ein Mann, und es gibt immer schwierige Situationen im Leben, auf die man vorbereitet sein muss. Ich bin stark genug, um weiterzumachen", so Green.

Um sich durch Fehler nicht negativ beeinflussen zu lassen, hat er eine spezielle Technik: "Man geht am Abend vor einem Spiel mental alles noch einmal durch und bereitet sich auch darauf vor, dass solche traumatischen Momente im Spiel geschehen können."

Kurioses Detail am Rande: Beim 1:0-Führungstor der englischen Auswahl hatte der übertragende Sender ITV in seinem HD-Kanal einen Bildausfall. Statt des WM-Spiels wurde plötzlich eine Werbung eingeblendet, danach blieb der Bildschirm einige Sekunden dunkel. Dann wurden wieder Bilder aus Rustenburg gezeigt, aber zu diesem Zeitpunkt war der Treffer bereits gefallen.

Green, der für West Ham United das Tor hütet, wurde erst zwei Stunden vor dem Spiel mitgeteilt, dass er den Vorzug vor seinen Konkurrenten David James und Joe Hart erhalten würde. Doch auch wenn Capello sich anders entschieden hätte, für den früheren England-Kapitän Alan Shearer spielt dies keine Rolle: "Es ist inzwischen ein Glücksspiel, egal welcher unserer drei Keeper spielt", so Shearer.

Mit seinem Fehler reihte er sich in die unrühmliche Geschichte englischer Torhüter ein, die immer wieder für Fehler gut waren (siehe Fotostrecke oben). Egal, ob Peter Shilton, David Seaman, Paul Robinson oder David James. Allen unterliefen in wichtigen Partien teils eklatante Fehler.

Greens gravierender Patzer - ein Stück englischer Normalität.

jar/mti/dpa



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Seite 1
Brieli 01.06.2010
1.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
Ja. England und USA.
klumpenhund 01.06.2010
2.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
Keine Überraschungen: 1.) England, trotz der mageren Vorbereitungsspiele 2.) USA 3.) Slowenien 4.) Algerien
BeckerC1972, 01.06.2010
3.
England Slowenien Algerien USA
Polar, 01.06.2010
4.
Zitat von sysopEngland fühlt sich reif für den Titel. Doch erst gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Setzen sich die Briten gegen die USA, Algerien und Slowenien durch?
1. Slowenien ist eines meiner Lieblingsurlaubsländer 2. Algerien...war da nicht mal was? 3. und 4. ...und Tschüss. Na okay, gezz ma im Ernst: 1. England 2. USA 3. Algerien 4. Slowenien
ray05, 02.06.2010
5.
Zitat von Polar1. Slowenien ist eines meiner Lieblingsurlaubsländer 2. Algerien...war da nicht mal was? 3. und 4. ...und Tschüss. Na okay, gezz ma im Ernst: 1. England 2. USA 3. Algerien 4. Slowenien
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