Patrik Andersson Schwarzer Tag für "Mr. Zuverlässig"

Eigentlich gilt Patrik Andersson als Zuverlässigkeit in Person. Aber bei der Niederlage gegen Belgien ging für den schwedischen Bayern-Star alles schief, was schief gehen konnte: Schlecht gespielt - und dann auch noch ein Platzverweis.


Das Aus für Patrik Andersson
REUTERS

Das Aus für Patrik Andersson

Brüssel - Er war ja schon fast für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen - und dann das: Platzverweis. Kein Wunder also, dass Patrik Andersson nach dem EM-Eröffnungsspiel gegen Belgien so angefressen wie selten wirkte. Die Dunkelheit der Nacht hatte sich am Samstagabend schon lange über das König-Baudouin-Stadion in Brüssel gelegt, doch der sonst eher stille und für seine Fairness bekannte Schwede von Bayern München fand keine Ruhe. Zu tief saß die Enttäuschung nach der möglicherweise schon vorentscheidenen 1:2-Niederlage in der Begegnung der Gruppe B.

"Das war eine Frechheit. Ich bin mit der Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden", schimpfte Andersson über den deutschen Referee Dr. Markus Merk aus Kaiserslautern - und hatte Mühe, die Kontrolle über sich selbst zu behalten. Die Euro 2000 sollte noch einmal ein Höhepunkt in der Karriere des 28 Jahre alten Abwehrspielers werden, nach den dritten Plätzen bei der WM 1994 und EM 1992. Nun ist Andersson erst einmal für ein Spiel gesperrt - und das Turnier in Belgien und den Niederlanden bei einer weiteren schwedischen Niederlage vielleicht schon gelaufen.

Es war um 22.23 Uhr: Die Schweden drängten auf den Ausgleich, plötzlich tauchte neun Minuten vor Spielende Belgiens Bart Goor gefährlich auf der rechten Abwehrseite der Schweden auf - Patrik Andersson, bereits Gelb-belastet und nicht einer der Schnellsten, sah keine andere Möglichkeit, als den Angreifer von hinten in die Beine zu grätschen. Schiedsrichter Merk, zum ersten Mal bei einer EM im Einsatz, zögerte mit seiner Entscheidung keine Sekunde und zeigte Gelb-Rot. Andersson nickte und verließ das Spielfeld.

Ausgerechnet Andersson - in 190 Bundesliga-Spielen hat der Kapitän des Drei-Kronen-Teams, der vor seiner Zeit in München sechs Jahre bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stand, lediglich zweimal `Rot" gesehen und 18 Gelbe Karten hinnehmen müssen. `Gelb-Rot" gab es noch nie. Und auch abseits des Rasens gibt sich Andersson normalerweise so, wie man sich in Deutschland gemeinhin einen Schweden vorstellt: höflich, ruhig, gelassen.

Ein bisschen ärgerte er sich daher wohl auch über sich selbst - dass er sich nämlich als erfahrener Haudegen in einem wichtigen Spiel nicht im Griff hatte und die Nerven verlor. Später nahm sich Andersson nach der ersten Aufregung dann auch schnell zurück und beschwichtigte: "Eigentlich habe ich ja ein gutes Verhältnis zu Schiedsrichter Merk. Der Frust ist zwar groß, aber wir haben noch Chancen, ins Viertelfinale zu kommen."

Da war es dann schon weit nach Mitternacht, und auch Andersson wollte ins Bett. Geschlafen hat er aber wohl kaum.



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