Diskussion über Impfstatus des Bayern-Stars Breitner hat »null Verständnis« für Kimmich

Die Debatte über Joshua Kimmichs Impfstatus bleibt hitzig: Paul Breitner findet deutliche Worte, Lukas Podolski nimmt den Bayern-Spieler nicht minder scharf in Schutz.
Bayern-München-Spieler Kimmich am vergangenen Mittwoch beim DFB-Pokal-Match gegen Borussia Mönchengladbach

Bayern-München-Spieler Kimmich am vergangenen Mittwoch beim DFB-Pokal-Match gegen Borussia Mönchengladbach

Foto: SASCHA STEINBACH / EPA

Während seiner aktiven Zeit galt Paul Breitner als Revoluzzer, und auch nach seinem Karriereende gab sich der Ex-Nationalspieler gern meinungsfreudig. Nun hat er sich in die Impfdebatte über Joshua Kimmich eingemischt. Im »Sonntags-Stammtisch« des Bayerischen Rundfunks kritisierte er die Haltung des Bayern-Profis scharf: »Ich brauche mit niemandem darüber zu diskutieren, ob er sich impfen lassen soll oder nicht. Für mich gibt es nur die Richtung, sich impfen zu lassen. Und da geht es nicht um eine Vorbildfunktion, sondern es geht um den Einzelnen. Wenn er sich dagegen entscheidet, dann habe ich null Verständnis dafür«, sagte Breitner.

Die Debatte habe mit einer Vorbildfunktion »grundsätzlich überhaupt nichts zu tun, sondern es geht um ihn«, betonte Breitner und sagte, er halte es in diesem Fall mit einer Aussage von Jürgen Klopp. Der Trainer des FC Liverpool hatte Anfang Oktober über ungeimpfte Profis sinngemäß gesagt, dass die Verweigerung einer Coronaimpfung wie Alkohol am Steuer sei. »Er meinte damit und hätte vielleicht auch sagen können: Sich nicht impfen zu lassen, ist potenzielle, vorsätzliche Körperverletzung«, so Breitner.

Ex-Nationalspieler Lukas Podolski hingegen nahm Kimmich in Schutz – und brachte einen gewagten Vergleich an: »Jeder kann selber entscheiden, was er macht, und da verstehe ich nicht, warum man den Joshua Kimmich da so als Schwerverbrecher hinstellt«, zitierte die »Bild«-Zeitung den 36-Jährigen. Für ihn habe die aufgeheizte Diskussion über den Bayern-Star einen bitteren Beigeschmack: »Man zwingt einen ja fast schon, sich da was reinspritzen zu lassen, das ist ja das Absurde. Der Druck wird ja jeden Tag erhöht.«

Die Diskussion über Kimmichs Impfstatus geht inzwischen weit über den Fußball hinaus. Zuletzt äußerten sich die frisch gewählte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und die inzwischen nur noch geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel zur Causa.

Auch abseits von München hat man starke Meinungen zu dem Fall, der auf die gesamte Branche abstrahlt: Für Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann ist Kimmichs Begründung, sich bisher nicht impfen zu lassen, wenig plausibel. »Aktuell ist es so, dass wir in Joshua Kimmich jemand haben, der an der Impfkampagne teilnimmt, aber selbst nicht geimpft ist«, sagte der Funktionär bei »Bild«-TV – und spielte auf die Spendeninitiative »We Kick Corona« an, die Kimmich zusammen mit seinem Spielerkollegen Leon Goretzka ins Leben gerufen hatte. »Da müssen wir aufpassen, dass das, was wir vorleben wollen, nicht hinterher auf eine fehlende Glaubwürdigkeit zurückfällt«, so Hellmann. Er würde sich von jedem Bundesligaprofi wünschen, dass er sich impfen lasse: »Das ist eine besondere Vorbildgruppe.«

Kimmich hatte vor rund einer Woche eingeräumt, bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein. Das hatte Verständnis, vor allem aber heftige Kritik ausgelöst. Er habe »persönlich noch ein paar Bedenken, gerade was fehlende Langzeitstudien angeht«, hatte Kimmich erklärt. Daraufhin war eine heftige Debatte auch über seine mögliche Vorbildfunktion als Sportler entbrannt.

bor/dpa/sid
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