Bayern München Zuerst die gute Nachricht...

Alle Welt spricht über Josep Guardiola: Bleibt er oder geht er? Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel nutzte der FC Bayern aber lieber für anderes.

Bayern-Trainer Guardiola: "Übermorgen werden wir wissen"
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Bayern-Trainer Guardiola: "Übermorgen werden wir wissen"

Von Christoph Leischwitz, München


Josep Guardiolas Deutschkenntnisse wären mittlerweile gut genug, um noch länger in München zu bleiben. Am Freitagmittag jedenfalls genoss der Trainer des FC Bayern München das Ping-Pong-Fragespiel mit den Journalisten. In den vergangenen Wochen hatte er bezüglich seiner Zukunft in München meist schnippische oder gar keine Antworten gegeben. Diesmal aber, während der Pressekonferenz vor dem letzten Spiel des Jahres bei Hannover 96, wirkte der Katalane gelöst und souverän. Er weiß ja: Die ganze Spielerei hat bald ein Ende.

Während des 13-minütigen Kreuzverhörs an der Säbener Straße legte Guardiola bisweilen ein Gesicht auf, als ob er sagen wollte: Versucht doch, mich mit euren Fangfragen zu erwischen, ihr kriegt mich nicht. Am deutlichsten wurde das, als er gefragt wurde, ob Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Entscheidung des Trainers denn schon kenne. Guardiola überlegte kurz, grinste und betonte dann jedes Wort einzeln: "Rummenigge. Weiß. Alles. Alles! Er ist top."

Mal war er sarkastisch, mal holte er demonstrativ tief Luft, mal wartete er lange mit der Antwort - für Zweideutigkeiten hat Guardiola ein großes Repertoire parat. Der Plan, nichts zu sagen, wird durchgezogen, basta. Im November hatte der allwissende Rummenigge klargemacht, dass die Entscheidung erst nach dem Hannover-Spiel verkündet wird. Und Guardiola als Angestellter des Vereins will sich einfach nur akribisch an diese Abmachung halten. Sinn ergibt sie allerdings nicht mehr. Eigentlich hatte man mit dem auserwählten Zeitpunkt geplant, Sportliches und Geschäftliches zu trennen. Doch nun rückt die Partie in Hannover komplett in den Hintergrund.

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Spanische Zeitungen berichten schon, sein Abschied aus München zum Saisonende sei beschlossene Sache, deutsche Medien legen nach und schreiben, Nachfolger werde der 56-jährige Italiener Carlo Ancelotti. Guardiola sagt, das störe ihn nicht, er habe den Kopf frei für die Frage, wie er mit gerade einmal 13 verfügbaren Feldspielern in Hannover gewinnen könne. Auf den italienischen Kollegen und möglichen Nachfolger angesprochen, lobte er diesen als "super Trainer". Er machte sich einen Spaß daraus, die Gerüchte weiter zu befeuern.

Diesen Gerüchten muss man nicht einmal Glauben schenken, um den Verbleib Guardiolas anzuzweifeln. Zu viele gute Zeitpunkte sind bereits verstrichen, um die Verlängerung zu vermelden, wie etwa die Jahreshauptversammlung am 27. November. Und es gibt jetzt keinen Grund mehr zu warten. Außer natürlich, die Geheimniskrämerei ist ein akribisch geplanter, groß angelegter Bluff. Immerhin, den Zeitpunkt der Veröffentlichung engte Guardiola ein. Mit einem Blick, der fragte: 'Warum seid ihr denn so ungeduldig?' sagte er: "Übermorgen werden wir wissen." Denn am Montag fliege er nach Barcelona zu seiner Familie, die "ihren lieben Sohn" sehen wolle.

Der FC Bayern hatte Guardiolas Pressekonferenz am Freitag hintenan gestellt, er kam letztlich 45 Minuten zu spät. Davor war überraschend erst einmal Xabi Alonso durch die Tür getreten. Seine Vertragsverlängerung bis 2017 wurde bekannt gegeben, der Spanier erklärte mit einem auswendig gelernten deutschen Satz dann noch, dass er sich in München sehr wohl fühle. Es folgte die Bekanntgabe der Verlängerungen mit Thomas Müller, Javi Martínez und Jérôme Boateng bis 2021. Quasi zeitgleich erschienen auf Twitter erste offizielle Fotos, wie etwa ein "Verlängerungs-Selfie". Die Verbreitung der guten Nachrichten war auffällig gut geplant.

Die auf fast sechs Jahre aufgeblähten Verträge standen dann aber auch in krassem Kontrast zur Ungewissheit bezüglich des Trainers, der nicht einmal sagen kann, darf oder will, wo er in sechs Monaten sein wird.



insgesamt 36 Beiträge
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swandue 18.12.2015
1. Alle Welt spricht über Josep Guardiola?
Nein, alle Medien sprechen oder schreiben über Josep Guardiola! Die Worte in der Überschrift erinnern an die Bild-Zeitung: Erst irgendeinen Unsinn auf Seite 1 heben und am nächsten Tag dann an gleicher Stelle "ganz Deutschland diskutiert . . .", dazu Bilder von einigen C-Promies, die angeblich oder tatsächlich etwas zum Thema gesagt haben.
pb-sonntag 18.12.2015
2.
Mit diesem Artikel ist wohl so eine Art Heiligsprechung von Herren Guardiolas vorgesehen? Ich persönlich finde so etwas peinlich. Aber das gehört wohl zur Spiegel-Hofberichterstattung.
hcbruns 18.12.2015
3. Affentheater!
Na, so langsam wird es wirklich ein Affentheater! Wie der Herr sich ziert!
leafs 18.12.2015
4. Ist doch auch egal
3 Jahre sind wahrscheinlich genug, eine neue Herausforderung muss her. Was solls.
braamsery 18.12.2015
5. Langsam nervst
klar, was Quote bringt, bringt eben Quote und das ist nunmal ein sehr gewichtiger Grund. Allerdings finde ich es echt nervig. Man muss sich doch nur an vor 3 Jahren erinnern. Zu ungefähr diesen Zeitpunkt vor drei Jahren unterschrieb Pep bei Bayern. Veröffentlicht wurde das aber erst deutlich später. In der Zeit wurde eigentlich nur gemunkelt ob er denn nun Man City geht oder vielleicht doch wo anders hin. Bayern hatten nicht so viele auf der Rechnung. Lassen wir uns doch überraschen, statt es wieder ewig in die Länge zu ziehen...
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