Bayern-Trainer Guardiola Profi bis zum Ende

Er geht - aber erst im Sommer. Bis dahin müssen Josep Guardiola und Bayern München einen Weg finden, die bestehenden Probleme kleinzuhalten.

Josep Guardiola: Motiviert seit dem ersten Tag
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Josep Guardiola: Motiviert seit dem ersten Tag

Von Christoph Leischwitz, München


Wenn Josep Guardiola erstmals zu den Gründen befragt werden kann, warum er seinen Vertrag beim FC Bayern nicht verlängert hat, wird er weit entfernt von München sein - in Katar nämlich, wo der Klub vom 6. bis 12. Januar sein Wintertrainingslager abhält. Es ist kein Zufall, dass die Verlautbarung in eine Zeit fällt, in der Guardiola nicht greifbar ist für die Journalisten.

Auch als die karge Pressemitteilung veröffentlicht wurde, war der Trainer schon unterwegs nach Spanien. Es ist ein Zugeständnis des Vereins an Guardiola, dass er sich jetzt den quengelnden Nachfragen entziehen darf. Er soll sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren, in der Mitteilung hieß es, "Pep und unsere Mannschaft werden jetzt noch intensiver daran arbeiten, die großen sportlichen Ziele zu erreichen".

Man kann das als normale PR-Floskel lesen. Man kann das aber auch als eine Aufforderung verstehen, im Sinne von: Wir haben dir den Rücken freigehalten, jetzt bist du dran. Eine Art "lame duck"-Präventionsprogramm.

Bisher funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Klub und Guardiola, mehr aber auch nicht. Besonders zwischen Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und dem Spanier ist der Austausch auf das Nötigste heruntergefahren. Man arbeitet zusammen als Profis, die dieselben Ziele verfolgen. Nach dem 1:0-Erfolg in Hannover und einer Hinrunde mit nur zwei Niederlagen in 26 Pflichtspielen formulierte Thomas Müller diese Ziele so: "Wir wollen in diesem Jahr eh alles holen." Der Aufwand der vergangenen Monate wäre sonst ad absurdum geführt.

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Bayern-Trainer Josep Guardiola: Hinhaltetaktikexperte
Das sieht auch Guardiola so. Er hätte den Verein schon im vergangenen Sommer verlassen können, man hatte sich bereits entfremdet. "Ich bin nicht komplett überzeugt, ob es das Richtige ist für diesen Verein. Ich will kein Problem werden", hatte er damals gesagt. Doch genauso, wie er seinen Dreijahresvertrag erfüllen will, will er alles tun, um so viele Titel wie möglich zu gewinnen. Sein Antrieb wird nicht nachlassen, dessen konnte man sich eigentlich sicher sein.

Das allererste Training unter Guardiola am 26. Juni 2013 vor 10.000 Zuschauern war ein reines Showtraining gewesen. Und trotzdem hatte der Neue Stars wie Franck Ribéry zur Seite genommen und mit ernster Miene und großer Gestik Laufwege erklärt. Es gab seitdem wohl keinen Moment, in dem Guardiola von seiner Workaholic-Attitüde abgewichen wäre. Er ist Geschäftsmann genug, um die Mission Triple durchzuziehen.

Das Verfolgen der sportlichen Ziele steht schon lange im Kontrast zu Guardiolas geringem Interesse, mit dem Verein identifiziert zu werden. Sein generelles Nein zu Exklusiv-Interviews hat nichts mit Schüchternheit zu tun. Schließlich las er mit Wonne im Münchner Literaturhaus katalanische Gedichte vor und beantwortete Fragen der Zuhörer. Er war bisweilen schon greifbar, der Herr Guardiola, aber nicht, wenn er im Namen des FC Bayern auftrat.

"Ich kaufe und verkaufe keine Spieler, auch keine Trainer"

Als Trainer kann er jetzt sogar ein wenig mehr Risiko eingehen und Spieler einsetzen, die er sonst vielleicht geschont hätte. Theoretisch muss er sich nicht mehr darum scheren, wie fit diese Spieler zur nächsten Saisonvorbereitung sein werden. Dass die Mannschaft zum Saisonende extrem erschöpft sein wird, ist wahrscheinlicher, als dass der Schlendrian einkehrt.

Es gibt natürlich noch Konfliktpotenzial: All jene Gründe, die Guardiola zu seiner Entscheidung veranlasst haben, werden nicht verschwinden, sie könnten sogar jederzeit wieder hochkochen: Das unterkühlte Verhältnis zu Rummenigge, die immer wiederkehrenden Zwistigkeiten mit den Mannschaftsärzten, die für Guardiola fremde Kompetenzverteilung im Klub.

Letzteres machte er am vergangenen Freitag in der Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel auf seine eigene, dezente Art deutlich. Mit einem Satz, der im Gerüchtetrubel der vergangenen Tage fast unterging. Als er vor dem Hannover-Spiel nach seinem nun bestätigten Nachfolger Carlo Ancelotti gefragt wurde, sagte Guardiola: "Ich kaufe und verkaufe keine Spieler, auch keine Trainer." Wenn dieser Satz nicht als versteckte Kritik gemeint war, dann war er unnötig.

Wünsche nach neuen Spielern wird und muss Guardiola in der Winterpause nicht mehr äußern, wenn sich die Verletztenliste nur etwas lichtet, ist der Kader ist gut aufgestellt für multiple Titelgewinne. Sollte die Mannschaft allerdings im Achtelfinale der Champions League an Juventus Turin scheitern, aus welchen Gründen auch immer, dann könnte Guardiola zu einer historischen "lame duck" des Sports werden, zu einem Startrainer, der sein Scheitern auch noch monatelang aussitzen muss. Er wird versuchen, das mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern.

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Seite 1
trus 21.12.2015
1.
Ich bin zwar FCB-Fan, aber man kann ein Thema auch ausschlachten. Da ist ja nun wirklich erst mal alles zu gesagt, und der Artikel stellt nur wieder neue Vermutungen an.
cm1 21.12.2015
2. Kein FCB Fan, aber ...
der Trainer ist/ war super, hatte Unterhaltungswert! Darum geht es schließlich auch in der Unterhaltungsbranche
imernst2015 21.12.2015
3. Der grosse Fall
Bayern wird Deutscher Meister und Pokalsieger, in der Champions League könnte schon im Achtelfinale schluß sein, spätestens aber im Halbfinale wenn es gegen ultra offensiv starke Mannschaften geht. Alonso, Benatia, Badstuber, Rafinha sind solchen Aufgaben nicht oder nicht mehr gewachsenen. Und dafür braucht man keinen Trainer der vielleicht 15 Mille per anno verdient. Ancelotti macht einen Riesenfehler, er wird eine überwiegend alternde und verletzungsgeile Mannschaft übernehmen, sich aber an den hiesigen Erfolgserlebnisse messen müssen. Die werden im kommenden Jahr deutlich reduziert werden.
les2005 21.12.2015
4. es paßt nicht...
...und hat noch nie gepaßt. Nicht das fußballerische, wer da nicht sieht wie Guardiola den Verein vorangebracht hat, der will es nicht sehen. Aber das atmosphärische, das hat noch nie gepaßt. Vom ersten Moment an war Guardiola distanziert, und diese Distanz ist nie aufgebrochen. Muß sie vielleicht auch nicht um ein paar Jahre erfolgreich zu sein. Aber schon lange war klar, daß FCB und Pep keine Herzensangelegenheit sind, jedenfalls nie von Pep's Seit und nicht mehr von FCB-Seite. Und wenn man sich nicht als Team begreift ist es nur logisch, daß irgendwann die Trennung ansteht.
uhrentoaster 21.12.2015
5. Erfolge
Wenn ich mir die Erfolge ansehe, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das ist doch kein Verdienst des Trainers. Mit diesem Bayern-Kader würde wohl jeder Trainer Deutscher Meister werden.
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