Perfekter WM-Start Rosicky setzt Maßstäbe

Bei Borussia Dortmund kam Tomas Rosicky als wankelmütiges Genie zu zweifelhaftem Ruhm. Bei der WM hat er im ersten Spiel für Tschechien allerdings groß aufgespielt. Der Mittelfeldspieler macht dafür auch seinen Abschied aus der Bundesliga verantwortlich.


Hamburg - Spätestens seit dem WM-Auftakt mit der tschechischen Nationalmannschaft ist Tomas Rosicky angekommen auf der großen Bühne des Weltfußballs. Beim 3:0 gegen die USA war er Antreiber und Spielgestalter im Mittelfeld, zweifacher Torschütze und kongenialer Partner von Pavel Nedved, dem Star von Juventus Turin. "Dieser Mann ist einfach gut, der ist begabt, der macht den Unterschied aus", sagte selbst Superstar Pelé, Weltfußballer des vergangenen Jahrhunderts.

Gefeierter Spielmacher Rosicky: "Dieser Mann ist einfach gut"
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Gefeierter Spielmacher Rosicky: "Dieser Mann ist einfach gut"

Nach der Verletzung seines Teamkollegen Jan Koller, der zum 1:0 getroffen hatte, rückte Rosicky in den Blickpunkt und sprang als Torschütze ein. Mit seinen Treffern in der 36. und 76. Minute war er maßgeblich an dem guten Start seines Teams beteiligt. "Ich bin normalerweise kein großer Stürmer. Aber ich habe es versucht, und es hat geklappt", sagte er nach dem Spiel.

Der Leidtragende von Rosickys Ausnahme-Leistung war Kasey Keller. Der Torwart der USA war bei den Gegentoren machtlos und musste die Qualität des Matchwinners anerkennen: "Er ist ein fantastischer Spieler, absolute Weltklasse."

Bei Borussia Dortmund wo er sechs Jahre lang spielte, blitzten die spielerischen Fertigkeiten nur mitunter auf. Besonders erstrahlte sein Talent aber zumeist dann, wenn er das Trikot seines Heimatlandes überziehen durfte. In 149 Bundesligaspielen für Dortmund erzielte der 1,75 Meter kleine Techniker lediglich 20 Tore. Seine Quote in der Nationalelf spricht dagegen schon eher für seinen Ruf als torgefährlicher Mittelfeldspieler. 13 Treffer in 54 Spielen hatte er vor seinem Gala-Auftritt in Gelsenkirchen gegen die USA vorzuweisen.

Als Rosicky öffentlich bekannte, den BVB und die Bundesliga verlassen zu wollen, bemühte sich auch Pavel Nedved um seinen Kollegen im tschechischen Mittelfeld. Nedved, der mit einem klugen Pass Rosickys zweiten Treffer zum 3:0-Endstand vorbereitet hatte, wollte auch bei seinem Verein Juventus Turin von dessen Fertigkeiten profitieren und warb bei den Verantwortlichen mit den Qualitäten seines Landsmannes.

Nach langem Hin und Her erhielt allerdings der FC Arsenal den Zuschlag. Mehr als elf Millionen Euro waren dem englischen Champions-League-Finalisten seine Dienste wert. Für US-Keeper Keller nicht verwunderlich: "Da sieht man, wieso Arsenal so viele Millionen für ihn bezahlt. Er hätte auch locker einen Hattrick schaffen können."

Dass endlich eine Entscheidung über seine Zukunft gefallen ist, nannte er auch als Grund für seine beeindruckende Auftaktleistung. "Der Wechsel zu Arsenal hat mir sehr gut getan. Ich konnte ganz entspannt ins Turnier gehen und hatte eine tolle Vorbereitung", sagte Rosicky. Im nächsten Spiel trifft seine Mannschaft am Sonntag auf Ghana (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die dürften gewarnt sein vor den Tschechen und stehen nach der Auftaktniederlage gegen Italien (0:2) unter Zugzwang.

guv/sid



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