Nachruf auf HSV-Manager Der Direktor im Zirkus Krohn

Elefanten im Training, rosa Trikots auf dem Platz – nur vier Jahre hat Peter Krohn den Hamburger SV als Präsident und Manager geführt, aber es waren Jahre, die man nicht vergisst. Mit 89 Jahren ist er am Donnerstag gestorben.
Peter Krohn, der legendäre Manager des HSV

Peter Krohn, der legendäre Manager des HSV

Foto: imago sportfotodienst

Die Sache mit den Trikots in Rosa und Babyblau. Peter Krohn hat sich oft darüber geärgert, wenn er regelmäßig als Erstes darauf angesprochen wurde . Als ob er als Präsident und Manager des Hamburger SV nicht auch andere Aufsehen erregende Dinge angestellt hätte. Aber die Angelegenheit mit den Trikotfarben war eben so typisch für Krohn. Für den die Bundesliga immer schon Show bedeutet hat, in einer Zeit, als die Trainer noch als Turnlehrer im Trainingsanzug an der Seitenlinie standen und die Mannschaften noch über den Kampf zum Spiel fanden.

Krohn hatte als HSV-Manager damals angeregt, die Profis doch mal in »frauenaffineren« Farben auflaufen zu lassen, es wurde daraufhin eine Modenschau organisiert, wer kam, durfte über die Farbe abstimmen. Mit dem Ergebnis, dass Schorsch Volkert, Manfred Kaltz, Felix Magath und Co. in Rosa aufliefen. Angeblich sei dadurch der Frauenanteil bei HSV-Spielen auf zehn Prozent gestiegen, rühmte sich Krohn später.

Und auf diesen Trikots prangte das Logo »Campari«, denn selbstredend hatte Krohn auch einen Werbepartner für die Trikots aufgetan. Der HSV war nach Eintracht Braunschweig mit dem berühmten Jägermeister-Signet der zweite Erstligaklub mit Trikotwerbung. Alkoholwerbung und Fußball, das gehörte damals noch bruchlos und selbstverständlich zusammen.

In »frauenaffineren« Farben: der HSV-Kader der Saison 1976/1977

In »frauenaffineren« Farben: der HSV-Kader der Saison 1976/1977

Foto: Horstmüller / imago images

Nur vier Jahre war Krohn beim HSV am Ruder, zwei Jahre von 1973 bis 1975 als Präsident, danach zwei Jahre als sogenannter Generalmanager, doch in die vier Jahre steckte der umtriebige Krohn, der eigentlich aus dem Zeitungsmanagement kam und zuvor unter anderem beim Springer-Verlag tätig gewesen war, so vieles hinein, dass es Geschichten für Jahrzehnte hergab. Die Zeitungen hatten bald ihren Titel für das, was sich in Hamburg so Unhanseatisches abspielte: Zirkus Krohn.

Der HSV hat in der Vergangenheit schon mehrfach ungewöhnliche, teilweise charismatische, aber zumindest unkonventionelle Führungsfiguren gehabt, den SPD-Politiker und Innensenator Werner Hackmannn zum Beispiel oder Jürgen Hunke mit seiner riesigen Buddha-Sammlung, mäandernd zwischen Lokalpolitik und Theatermanagement. Nicht zu vergessen, dass sich auch Vereinsikone Uwe Seeler mal als Präsident des Klubs versucht hat, aber Krohn gehört sicher zu den schillerndsten Typen, die beim HSV die Dinge gestaltet haben. Als noch keiner wusste, was PR ist, machte es Krohn schon.

Fußball war für ihn auch immer Rummel, Volksbelustigung, Hauptsache, im Gespräch bleiben. So sorgte er dafür, dass mal Elefanten im Training auftauchten. Trompetet haben ab und an auch bayerische Marschmusikkapellen, die ein HSV-Training untermalten. Oder er engagierte Mike Krüger, der vor den Massen sein »Mein Gott Walther« anstimmte. Als der HSV mal in einem Hotel übernachtete, in dem auch Rockstar Tina Turner residierte, machte er flugs ein Treffen zwischen den Fußballern und ihr klar. Natürlich war die Hamburger Presse mit dabei, als Turner den Profis die Hände schüttelte.

Trainer Rudi Gutendorf und Peter Krohn, das ging nicht lange gut

Trainer Rudi Gutendorf und Peter Krohn, das ging nicht lange gut

Foto: imago sportfotodienst / imago/WEREK

Krohn kümmerte sich nicht nur darum, dass der Verein auf den bunten Seiten auftauchte, er hatte auch sportliche Ambitionen. Gern mischte er sich in die Aufstellung des von ihm ohnehin wenig geschätzten Trainers Kuno Klötzer ein, sein häufig zu hörender Satz – »Ist ja nur eine Anregung« – war dabei durchaus sehr anders gemeint. Klötzer war irgendwann so genervt, dass er das Weite suchte und beim Ligarivalen Hertha BSC unterschrieb.

So falsch kann Krohn mit seinen Anregungen zur Mannschaftsaufstellung aber auch nicht gelegen haben. In den Krohn-Jahren schwang sich der HSV nach zuvor mittelmäßigen Spielzeiten wieder zu einer Spitzenmannschaft auf, auch aufgrund von Krohns Personalpolitik: Mit Willi Reimann, Ferdi Keller und Arno Steffenhagen verpflichtete er in seiner Zeit drei Offensivkräfte, die mithalfen, den größten Triumph des HSV in diesem Jahrzehnt feiern zu können: den Triumph vom 11. Mai 1977, als der HSV den Europapokal der Pokalsieger mit einem 2:0 über den RSC Anderlecht gewann. Selbstverständlich im rosa Trikot.

Im Jahr zuvor hatte der HSV mit einem 2:0 über den 1. FC Kaiserslautern bereits den deutschen Pokal nach Hamburg geholt. Es begannen die guten Jahre des HSV, die unter Krohns Nachfolger Günter Netzer und Trainer Ernst Happel zu den großen Jahren des HSV wurden.

Peter Krohn mit seinem Startransfer Kevin Keegan

Peter Krohn mit seinem Startransfer Kevin Keegan

Foto: imago sportfotodienst

Krohn legte dafür den Grundstein, denn sein größter Coup gelang ihm in seinem letzten Managerjahr. Elefanten und Marschmusik, schön und gut, aber ein echter Weltstar aus England beim Hamburger SV, das war die Krönung. Krohn fädelte den Transfer von Kevin Keegan ein, der mit dem FC Liverpool in jenen Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte. Keegan war Ende der Siebzigerjahre vielleicht die größte Attraktion in der Bundesliga, er war in jedem Fall die größte Nummer im Zirkus Krohn.

Ausflug in die ARD-Show

Die großen Erfolge der Keegan-Elf mit der Meisterschaft 1979 erlebte Krohn nicht mehr in Amt und Würden. Ein Jahr zuvor hatte er sich mit dem als Klötzer-Nachfolger verpflichteten Trainer Rudi Gutendorf so sehr verkracht, dass erst der Trainer und dann der Manager gehen mussten.

Die Lust auf Show war Krohn damit aber nicht ausgetrieben. Bei der ARD versuchte er sich als Showmaster in der Sendung »Der Superschuss«, bei der Fußballprofis kleine Spielchen gegen die Uhr machen mussten und anschließend mit einer Ballkanone aufs Tor geschossen wurde. Das war so, wie es klingt, und so wurde die Sendung auch schnell wieder eingestampft. Es bleibt das legendäre Kommando Krohns an seine Assistentin, wenn er ein Spiel ansagte: »Sissi, bitte Pfiff.«

Beim Hamburger SV feierte er 1998 als Aufsichtsrat ein Comeback, auch später kommentierte er aus der Kulisse gern und häufig seine Sicht auf den HSV, nicht immer zur Begeisterung seiner Nachfolger.

Am Donnerstag ist Krohn im Alter von 89 Jahren gestorben. Und er hatte schon recht: Er war wirklich viel mehr als der Mann, der die rosa Trikots in die Bundesliga brachte.

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