Phantomtorschütze Kießling "Es war grenzwertig"

Das Urteil im Phantomtor-Fall ist gesprochen - und Torschütze Stefan Kießling hofft, dass sich die Situation nun wieder beruhigen wird. Der Angreifer von Bayer Leverkusen berichtet zudem von unangenehmen Briefen, die er von Fans erhalten habe.

Bayer-Angreifer Kießling: "Hoffe, dass sich die Situation beruhigt"
DPA

Bayer-Angreifer Kießling: "Hoffe, dass sich die Situation beruhigt"


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Stefan Kießling hat wegen seines Phantomtors einige unangenehme Tage hinter sich. "Es war schon nicht sehr einfach" sagte der 29-Jährige dem Kölner Express, er habe viele Zuschriften von Fans bekommen. Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Morddrohungen gehandelt habe, antwortete Kießling ausweichend: "Sagen wir es einmal so: Es war grenzwertig." In jedem Fall sei er "heilfroh", dass es zu Ende ist. "Ich hoffe, dass sich die Situation jetzt beruhigt."

Kießling hatte beim 2:1-Auswärtssieg am 18. Oktober gegen 1899 Hoffenheim in Sinsheim den Ball neben das Tor geköpft, von wo er durch ein Loch im Netz ins Tor flog. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte am Montag entschieden, dass das Spiel nicht wiederholt wird. Hoffenheim hat noch nicht über einen möglichen Einspruch gegen das Urteil entschieden.

Kießling hatte nach dem Spiel betont, dass er nicht genau gesehen habe, was passiert ist. "Im Stadion haben es 30.000 Leute nicht gesehen. Ich gehöre dazu. Ich habe den Ball Richtung Außennetz fliegen sehen, aber den Einschlag habe ich nicht gesehen", sagte der 29-Jährige. Das habe er Schiedsrichter Felix Brych auch so mitgeteilt: "Ich habe ihm gesagt, ich weiß nicht, wie er rein ist."

"Damit muss ich leben"

Der Bundesliga-Torschützenkönig hofft nun auf das Verständnis der Fans: "Ich kann von mir aus behaupten: Ich habe mich überhaupt nicht verändert. Ich war, bin und werde immer fair und sportlich sein." Sein Phantomtor, bald in jedem Bundesliga-Jahresrückblick zu sehen, "wird kein gutes Gefühl sein", sagte Kießling: "Aber damit muss ich leben."

Bereits vor einer Woche hatte sich Kießling gegen die Vorwürfe gewehrt, unfair gehandelt zu haben: "Die ganze Kritik, die da auf mich zukam, ist ziemlich hart. Jeder unterstellt mir, dass ich das gesehen habe und hätte sagen müssen." Wegen Fan-Anfeindungen hatte Kießling bereits am vergangenen Freitag seine Facebook-Seite geschlossen.

bka/sid



insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kauzboi 29.10.2013
1. Lern was draus, Stefan!
In Zukunft dürfte man also von Kießling erwarten, dass er auf Nachfrage gleich die ungeschönte Wahrheit sagt. Wenn ihm die Situation wirklich so unangenehm ist...
mundi 29.10.2013
2. Fußballprofis unter einem enormen Druck
Helmer und Kießling sind als unfaire Sportler in die Geschichte eingegangen. Beide sahen genau, dass der Ball nicht regulär im Tor war. Fernsehbilder belegen es ja deutlich. Schade, denn dann sind die Ansprachen und Spruchbänder über "Fair play" ja nur eine Farce. Vermutlich stehen die Fußballprofis unter einem enormen Druck ihrer Vereine. Da wäre das Geständnis: "Schiri, es war kein Tor, es war kein Foul oder ich habe mit der Hand gespielt", fast eine Straftat.
Andr.e 29.10.2013
3.
Zitat von KauzboiIn Zukunft dürfte man also von Kießling erwarten, dass er auf Nachfrage gleich die ungeschönte Wahrheit sagt. Wenn ihm die Situation wirklich so unangenehm ist...
Ich habe Kießling auch erst kritisiert, mir die Szenen dann aber noch mal angeschaut. Natürlich hat er gedacht, der Ball sei vorbeigeflogen, er hat es sogar gesehen. Er hat sich aber sofort abgedreht und danach fing die ganze Kuriosität erst an. Er konnte sich deshalb nicht richtig freuen, weil es für ihn keinen Sinn ergeben hat, warum der Ball plötzlich im Tor lag. Die ganze Situation war ja auch vollkommen abwägig - keiner von uns hat an ein Loch im Netz gedacht. Insofern ist seine Reaktion nach dem Tor und auch seine Aussage gegenüber dem Schiedsrichter absolut nachvollziehbar. Und wenn Sie sich die Szene noch einmal so weit wie möglich unvoreingenommen anschauen, werden Sie erkennen, dass Sie in der ersten "Echtzeit-Einstellung" gar nicht sehen, dass der Ball vorbeifliegt. Das wird erst aus der Zeitlupe deutlich. Vorwürfe kann man also maximal ein paar anderen Spielern machen, die aber ebenfalls nicht gegenüber dem Pfosten standen (aus meiner Sicht die einzige Position, aus der man - in Echtzeit(!) - sehen konnte, das der Ball vorbeiging ohne nachträglich an eine Sinnestäuschung glauben zu müssen).
deefens 29.10.2013
4.
Die ganze Welt hat mitterweile gesehen, dass das Tor kein Tor war. Warum ist dann keiner der Bayer-Verantwortlichen Manns genug um zu sagen: hört zu Freunde, das Tor war irregulär, zieht es einfach vom Ergebnis ab. Damit steht's dann halt 1:1 und fertig ist die Laube. Stattdessen nimmt man ein (grundfalsches) Urteil freudestrahlend an und lamentiert noch über all die Kritiker der letzten Wochen- Mir war Bayer ja noch nie besonders sympathisch, aber seit der Entscheidung gestern sind sie richtig unten durch.
muellerthomas 29.10.2013
5.
Zitat von KauzboiIn Zukunft dürfte man also von Kießling erwarten, dass er auf Nachfrage gleich die ungeschönte Wahrheit sagt. Wenn ihm die Situation wirklich so unangenehm ist...
Was hätte er denn Ihrer Meinung nach sagen sollen? Dass er gesehen hat, wie der Ball durch das Außennetz ins Tor gegangen ist, wäre gelogen, das hat er offenkundig nicht gesehen. Er sagt m.E. die Wahrheit: Er sieht, dass er Ball Richtugn Außennetz geht, wendet sich ab, schaut wieder hin und sieht den Ball im Tor. Was soll er dazu sagen, außer dass er nicht weiß, wie der Ball dahingekommen ist?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.