Lahm über Pokal und Bayern-Zukunft "Guardiola kann das Team noch besser machen"

Bayern München hat die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte gespielt, dreimal hat Philipp Lahm eine Trophäe in den Himmel gereckt. In einem Gastbeitrag blickt der FCB-Kapitän auf das einmalige Triple zurück - und zeichnet sein Bild der Zukunft unter dem neuen Trainer Pep Guardiola.

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Von Philipp Lahm


Es fühlt sich alles immer noch unwirklich an, die Rekordsaison, der Champions-League-Sieg und jetzt der Pokal. Drei Wochen, drei Titel. Das Triple. Unsere Mannschaft hat Fußballgeschichte geschrieben - und die bitteren Niederlagen der Vorsaison können jetzt endgültig als notwendige Schritte auf dem Weg zu diesem historischen Erfolg verbucht werden.

Noch heute muss ich beim Gedanken an die Feier gestern auf dem Rathausbalkon grinsen. Ein Stichwort ins Mikrofon reicht und ein Chor von Tausenden Fans antwortet dir. Das ist Gänsehaut pur. Für die Freude, die du in dem Moment empfindest, gibt es einfach keine Worte.

Diese Saison war für den FC Bayern eine besondere und in Berlin hat sie ein sensationelles Ende gefunden. Berlin ist immer ein sehr schönes Erlebnis. Es ist ein besonderes Bild, wenn das halbe Olympiastadion mit den Farben des eigenen Clubs gefüllt ist. In diesem Jahr war die Atmosphäre einmalig. Dabei spielt der Pokal bis zur Winterpause eigentlich keine Rolle, er läuft so mit.

Zunächst zählt nur die Bundesliga und das Überwintern in der Champions League. Vor allem in den ersten Pokalrunden steht, um ehrlich zu sein, meist weniger die sportliche Herausforderung im Mittelpunkt. Als Fußballprofi freut man sich da mehr, wenn die Anreise zu einem Auswärtsspiel nicht so weit ist. Man kommt am Abend noch nach Hause und muss nicht woanders übernachten. Gerade in einer Saison, in der du in allen drei Wettbewerben spielst, hat diese Zeit zu Hause einen nicht zu unterschätzenden Wert.

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Erst im Februar wird der Pokal plötzlich wichtig. Weil es nur noch zwei Spiele bis zum Finale sind. Weil der Titel realistisch wird. Und weil man dann mit größter Wahrscheinlichkeit auf einen Gegner aus der Bundesliga trifft - in dieser Saison sogar direkt auf den großen Rivalen Borussia Dortmund.

Natürlich wurde vor diesem Viertelfinale viel über das 2:5 im letzten Pokalendspiel geschrieben, an das sich auch bei uns noch jeder "bestens" erinnert hat. Das war ein enormer Ansporn. Aber wir wollten das Duell noch aus einem anderen Grund unbedingt gewinnen. Wir wussten: Wenn wir Dortmund aus dem Weg räumen, haben wir beste Chancen auf den Titel. Es war, wie oft geschrieben, das vorgezogene Endspiel.

Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller

Das tatsächliche Finale am Samstag wollte sich keiner mehr nehmen lassen und ich denke, mit dem abschließenden Auftritt und einem 3:2 gegen den VfB hat diese besondere Saison einen würdigen Abschluss gefunden. Das steht für den aktuellen FC Bayern, dass ein Mario Gomez im Pokal-Finale von Beginn an auf dem Platz steht und zwei Tore schießt. Symbolisch für diese Spielzeit.

Ich bin oft gefragt worden, wie es nach einem möglichen Triple, dem größtmöglichen Erfolg, weitergehen soll. Und was er für unseren neuen Trainer Pep Guardiola bedeutet. Was kann er uns noch geben?

Meine Gegenfrage lautet: Was ist der größtmögliche Erfolg? Ich kann alle Bayern-Fans beruhigen, für uns ist es nicht eine Saison, in der wir das Triple geholt haben. Wir werden auch in der neuen Saison hungrig sein. Jetzt wollen wir es der Mannschaft um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller nachmachen. Auch 1975 gab es nach dem ersten internationalen Erfolg einen Trainerwechsel von Udo Lattek zu Dettmar Cramer, und die Mannschaft konnte in der Folge den Landesmeister-Titel zweimal verteidigen.

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Mit Pep Guardiola haben wir erneut die Chance, um den Champions-League-Titel zu spielen. Mit Barcelona hat er zweimal die Königsklasse gewonnen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Jahre mit ihm.

Ich bin überzeugt, dass er die Mannschaft noch besser machen kann. Und er kann eine Ära prägen, wie er es schon in Barcelona geschafft hat. Wir waren jetzt in den vergangenen vier Jahren dreimal im Champions-League-Finale, da geht noch was.

An unserer Spielweise wird sich nicht viel ändern, das System steht jetzt. Ob wir nun mit einer richtigen Spitze oder einer verkappten spielen, macht keinen großen Unterschied. Der Verein hat sich nach dieser Spielphilosophie ausgerichtet, auch in der Transferpolitik. Es passt alles.

Das Spanien der vergangenen fünf Jahre

Insgesamt bin ich für die Zukunft deshalb sehr, sehr optimistisch. Wir werden auch in den kommenden Jahren versuchen, uns in der europäischen Spitze zu behaupten. Wir sind jetzt die Gejagten. Und wir bekommen einen herausragenden Trainer, dem der Ruf vorauseilt, dass er sehr gut mit den Spielern umgeht.

Unser Ziel muss es jetzt sein, das Spanien der vergangenen fünf Jahre zu werden, das aktuelle Niveau beizubehalten, uns individuell weiterzuentwickeln und Jahr um Jahr versuchen, die Bundesliga und im europäischen Fußball zu dominieren.

Der Weg wird nicht leicht, aber in der Herausforderung liegt der Reiz. Und je größer diese ist, umso schöner ist es, wenn man am Ende seine Ziele erreicht. Der FC Bayern hat die Voraussetzungen und das Potential, zur maßgebenden Größe im europäischen Fußball zu werden.

insgesamt 159 Beiträge
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LarsLondon 04.06.2013
1. Pulitzer
Mit seiner Online Serie greift Philipp Lahm nach dem Triple jetzt auch noch nach dem Pulitzer Prize ;-)
El Polyglota 04.06.2013
2. optional
"und Jahr um Jahr versuchen, die Bundesliga und im europäischen Fußball zu dominieren." Das wäre absolut beeindruckend und würde jeden nur möglichen Respekt verdienen. Andererseits wäre es auch unfassbar langweilig. Wen würde außerhalb Münchens der 24. Meistertitel noch wirklich interessieren? Man nähme es mehr hin als alles andere.
ovit 04.06.2013
3. die bundesliga dominieren
das wird den bayern nicht schwer fallen, nachdem sie ihren ärgsten konkurrenten deutlich geschwächt haben.
malan 04.06.2013
4. heynckes
ohne den dank an den trainer heynckes, dem die bayern alles zu verdanken haben, ist dieser beitrag unvollständig.
SN 1987A 04.06.2013
5. Dachte ich doch...
Zitat von ovitdas wird den bayern nicht schwer fallen, nachdem sie ihren ärgsten konkurrenten deutlich geschwächt haben.
... schon der kleinste, harmloseste Bericht in SPON über den FCB und schon stehen die neidischen FCB-Basher aus Dortmund auf der Matte. Krieg doch mal die Kurve und heult doch nicht immer gleich.
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