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16. Mai 2014, 09:06 Uhr

Lahm über Guardiolas Fußball

"Ein traumhaftes System"

Kritik an Pep Guardiola? Nicht von ihm: Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm verteidigt vor dem DFB-Pokalfinale gegen Dortmund seinen Trainer. Er liebe den Fußball des Spaniers.

Hamburg - Es ist kein Geheimnis, dass Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm und dessen Trainer Josep Guardiola einander wohlgesinnt sind. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" verteidigte Lahm den Spanier und dessen Auffassung von Fußball nun vehement. Vor dem Finale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky) sagte der 30-Jährige: "Wenn wir uns hinten reinstellen und auf Konter spielen wollen, wäre Guardiola nicht der richtige Trainer. Aber ich finde, dass seine Spielidee super zur Mannschaft und zu einem Verein wie Bayern passt."

Im Gegensatz dazu eigne sich ein aufgezwungenes - und zuletzt von vielen Kritikern gefordertes - Gegenpressing- und Konterspiel nicht für die Münchner. "Das sind wir nicht. Im Gegenteil: Wir müssen mit aller Konsequenz zurück zu unserem Spiel", sagte der Mittelfeld- und Abwehrspieler.

Lahm, auch Kapitän der Nationalmannschafts, fühlt sich im Zirkulations- und Kurzpassspiel des deutschen Rekordmeisters zudem sehr wohl. "Hundert Pässe spielen, hundert Ballkontakte haben, dem Gegner keinen Ball und keine Luft geben - so macht Fußball Spaß", sagte er.

Real hatte den größeren Erfolgshunger

Allerdings müsse jeder Bayern-Akteur in dem offensiven System vor allem mental immer auf der Höhe sein. "Gerade weil wir so hoch verteidigen, reicht es, wenn irgendjemand gedanklich in einem Moment nur ein bisschen langsamer ist." Lahm gab zu, dass er selbst und einige seiner Mitspieler nach der frühen Deutschen Meisterschaft im März nicht mehr alles gegeben hätten, sowohl im Training als auch bei den Spielen. Im Anschluss hätten sie den "Punkt verpasst, um die Spannung wieder aufzubauen".

Nun gelte es, wieder alles für das von Guardiola gewünschte System zu geben, denn über drei viertel der Saison sei das Team für eben jene Dominanz gefeiert worden, sagte Lahm: "Es ist ein traumhaftes System, ich liebe es sehr, aber man muss es zu hundert Prozent spielen."

Die Niederlage gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League erklärte Lahm unter anderem mit dem großen Erfolgshunger der Spanier: "Real Madrid hat dieses Jahr genau mit der Energie gespielt, die wir letztes Jahr hatten. Dieser Verein war seit zwölf Jahren nicht mehr im Finale, die Mannschaft will diesen zehnten Titel jetzt unbedingt! Die Spieler sind brutal heiß auf das Ganze, das merkt man auf dem Platz." Dieses Verlangen hätten die Bayern im Vorjahr gehabt - es habe sie zum Triple geführt.

psk/sid

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