Bayern-Starzugang Coutinho Erfolg erst im Endspurt

Mit den späten Neuverpflichtungen um Philippe Coutinho nimmt der zähe Transfersommer für den FC Bayern doch noch ein glückliches Ende. Jetzt muss der Star allerdings noch ins Team eingebaut werden.

Wie die Honigkuchenpferde: Rummenigge, Coutinho, Salihamidzic
Christof Stache/AFP

Wie die Honigkuchenpferde: Rummenigge, Coutinho, Salihamidzic

Von Florian Kinast, München


Natürlich hörte man den bei diesen Anlässen üblichen Austausch von Höflichkeiten, am frühen Montagnachmittag im Medienraum der Allianz Arena, bei der Präsentation von Philippe Coutinho. Was für ein großer Klub der FC Bayern sei, sagte der Neuzugang, während Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic den 27-Jährigen mit vielen schönen Adjektiven umschrieben. Exzellent. Spektakulär. Flexibel. Wörter, die man in dieser halben Stunde oft hörte.

Aber auch interessante Details am Rande erfuhr man. Dass sich Coutinho bei aktuellen und ehemaligen Bayern-Spielern über den Klub informiert haben will. Bei Thiago, Rafinha, Lucio. Dass Sportdirektor Salihamidzic für die finalen Gespräche vergangenen Mittwoch in Barcelona Coutinho schmeichelnd ein extra angefertigtes Bayern-Trikot mit der berühmten Nummer 10 und Coutinhos Namen unter die Nase hielt, um ihm seine Bedeutung zu veranschaulichen. Und dass Arjen Robben in einem Telefonat am Montagmorgen mit Salihamidzic erklärte, er sei einverstanden, wenn Coutinho seine berühmte Rückennummer erben würde, die in dieser Saison ihm zu Ehren nicht mehr vergeben werden sollte.

Dass diese Pressekonferenz letztlich doch ganz anders war als etwa die Vorstellung von Lucas Hernández im Juli oder anderen Neuverpflichtungen, belegte nicht nur der gemeinsame Auftritt von Rummenigge und Salihamidzic, sondern auch die Anwesenheit von Präsident Uli Hoeneß, der der Präsentation unten auf den Presseplätzen in der ersten Reihe vor dem Podium beiwohnte.

Der Präsident Uli Hoeneß ließ sich diese Pressekonferenz nicht entgehen
Michael Dalder REUTERS

Der Präsident Uli Hoeneß ließ sich diese Pressekonferenz nicht entgehen

Gemeinsam vermittelten die drei Klub-Granden dabei das Gefühl von Stolz und Erleichterung, sich in der Endphase der Transferperiode nicht nur einen Superstar gesichert zu haben, sondern mit weiteren Einkäufen nun einen quantitativ wie qualitativ starken Kader beisammen zu haben.

Namensliste liest sich nicht so schlecht

Lucas Hernández. Benjamin Pavard. Ivan Perisic. Philippe Coutinho. Michaël Cuisance. Zwei amtierende Weltmeister, ein Vizeweltmeister, ein frisch gekürter Copa-América-Sieger und eine große Nachwuchshoffnung, eine gesunde Mischung aus Weltstars, Routiniers und Talenten. Die Namensliste der Neuzugänge liest sich in der Tat gar nicht so schlecht.

Warum es aber so lange dauerte, bis die Bayern in diesem über drei Monate so zähen Transfersommer erst pünktlich zum Saisonstart dreifachen Vollzug um ihren Königstransfer Coutinho vermelden konnten, lag natürlich auch an der Personalie Leroy Sané. Das ewige Hin und Her um den Nationalspieler von Manchester City, die Unklarheit, wie viel er am Ende kosten würde, die Zuversicht, ihn sicher zu bekommen, und letztlich die Ernüchterung nach seinem Kreuzbandriss vor gut zwei Wochen: All das schien die Bayern zu lähmen in ihrer Planung, bei ihrer Suche nach weiteren Neuverpflichtungen.

Erst als die Bayern den Sané-Transfer für diesen Sommer endgültig abgeschrieben hatten, wurden sie bei Coutinho wieder richtig aktiv. Dass der beim FC Barcelona unzufriedene Brasilianer da überhaupt noch zu haben war, war wiederum ein großes Glück der Bayern. Da konnte Rummenigge wie schon am Freitag nach dem Liga-Auftakt gegen die Hertha auch am Montag die hilfreichen guten Beziehungen zu den Barcelona-Bossen betonen und die 8,5 Millionen Euro Leihgebühr als "Freundschaftspreis" bezeichnen (ein endgültiger Kauf im Sommer 2020 würde dann festgeschriebene 120 Millionen kosten).

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Bayern-Zugang Coutinho: Hohe Summen und hohe Erwartungen

Hätte ein anderer Klub etwa aus der Premier League ernsthaft Interesse bekundet und Coutinho früher haben wollen, hätten ihn die Katalanen schon eher abgegeben und nicht in der Warteschleife einer endgültigen Zu- oder Absage aus München geharrt. Ein bisschen Bayern-Dusel gehört eben doch immer dazu.

Auf dem Papier nahm der Transfersommer somit doch noch ein gutes Ende für den deutschen Meister.

Ein Trio der Unzufriedenen

Coutinho, Perisic, Cuisance - das ist natürlich aber auch ein Trio der Ausgemusterten, der Unzufriedenen, die bei ihren Klubs keine Zukunft mehr hatten. Bei Barcelona, Inter, Gladbach. Offen ist auch, wie gut sich die Neuen in der Mannschaft integrieren, wie schnell sie mit dem System zurechtkommen, ein früherer Zeitpunkt in der Sommerpause, um in München und im Verein anzukommen, hätte dafür sicher geholfen.

Abzuwarten bleibt vor allem, wie sich Coutinho eingliedert. Auch den einst bei Real Madrid ausrangierten James Rodríguez überhäuften die Bayern-Bosse vor zwei Jahren mit großen Vorschusslorbeeren, richtig glücklich wurde der Kolumbianer in München nie - vor allem weil er unter Niko Kovac nicht den Respekt verspürte, den er für sich selbst als angemessen empfand.

Nun ist Kovac gefordert, der als Integrationsbeauftragter die richtige Position für Coutinho finden muss - und auch die richtige Balance, den neuen Superstar pfleglich zu behandeln, ohne damit die Laune beim alten Stammpersonal zu trüben. Erste Eindrücke davon gibt es kommenden Samstag um 18.30 Uhr beim Gastspiel auf Schalke.

insgesamt 90 Beiträge
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Nonvaio01 19.08.2019
1. glueckliches ende?
soweit ich die aussagen vom FCB gelesen habe sagte man immer das das Transfer fenster erst ende august schliesst. Von daher sehe ich da kein glueckliches ende im endspurt, sondern es ist so eingetreten wie es das FCB Management angekuendigt hat.
elwoodblues1969 19.08.2019
2. Kovac
Wird gar nichts anderes übrig bleiben als Coutinho zu integrieren und spielen zu lassen. Solch ein Desaster wie mit James sollte sich nicht wiederholen. Der wäre mit 42 Millionen günstiger gewesen. Warum die Transfers jetzt abgeschlossen sind, erschließt sich mir nicht ganz. Oder man spart jetzt schon das Geld für 2 der 3: Coutinho, Havertz, Sane. Eine Bitte, Herr Rummenigge machen sie die Transfers klar.
Mister Stone 19.08.2019
3.
Er ist kein typischer 10er alter Prägung, sondern ein eher linkslastiger Offensivspieler. Ich bin gespannt, wie Kovac ihn einsetzt und wie die Mitspieler (!) ihn annehmen. Der FC Bayern hat derzeit genügend sehr gute Spieler, um die Meisterschaft zu gewinnen und die Vorrunde der CL zu überstehen. Das größte Problem dürfte jetzt der Trainer haben. Ich bin auf das neue System gespannt... Kovac braucht Phantasie, Visionen und Begeisterungsfähigkeit, was ich bei ihm so noch nicht erkenne. Nach 5 Spieltagen wird man sehen.
der_ba_be 19.08.2019
4.
Ich sehe durch die Transfers viele Möglichkeiten für verschieden angelegte Systeme. Aus einer 4-2-3-1 Grundordnung, die je nach Situation und Gegner bzw. Matchplan abgewandelt wird. die Pärchen Coman/Perisic, Coutinho/Tolisso, Müller/Gnabry, Goretzka/Sanches und Thiago/Martinez. Jede Kombination mit unterschiedlichen stärken und Schwächen. Perisic auf links und Müller auf rechts mit goretzka als nachrückender 8er wären gefährlich mit Flanken von links (perisic) und rechts (Kimmich) und Coutinho der auf die zweiten Bälle lauert um schnell aus der Distanz abzuschließen. Sanches mit gnabry und coman die gut ins tempodribbling gehen können; Thiago und tolisso für einen eher tiki-taka lästigen Ansatz, mit Martinez als Absicherung dahinter. Die Frage ist nur, ob das Duo kovac/flick so variabel sein will/kann. Beide sind in ihrer Karriere bisher nicht unbedingt für enorme taktische Variabilität bekannt gewesen. Kovac hat dafür letzte Saison Lehrgeld bezahlt und selbst die deutsche N11 war auf dem Höhepunkt ihres zenits eher dadurch stark, das man dem Gegner das eigene system aufgedrückt hat, aber es gut verstand in der Analyse aufgedeckte Schwachstellen beim Gegner schonungslos zu bespielen. Was mir aber noch fehlt ist der Backup für Lewandowski. Da hoffe ich ja immer noch auf Mandzukic. Dann wäre ich mit dem Kader für diese Saison mehr als glücklich.
srbler 19.08.2019
5. genau
haben sie doch bis jetzt gut hinbekommen, und ob kh oder brazzo oder oder, ist doch pupegal, es gab foristen die haben es geschrieben- leute abwarten und? recht gehabt! interessant und vom potenzial gut verstärkt und an den autor, jeder aber auch jeder zugang, muß in ein team eingefügt werden, wenn der hr. kienast die redaktion mal wechselt wird das nicht anders sein, vlt.kennt er das aber nicht mehr, weil er nach der schule nur noch einzelkämpfer war
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