Dortmunds Remis bei S04 Maske, wem Maske gebührt

Der BVB enttäuscht in dieser Saison auswärts. Beim 1:1 auf Schalke verpasste Dortmund den Sieg, weil sich sein Superheld zu früh feiern ließ. Und doch ist Pierre-Emerick Aubameyang für den Klub unersetzlich.

Aus Gelsenkirchen berichtet


Das erste Spiel im März: Borussia Dortmund gewinnt 6:2 gegen Bayer Leverkusen, Pierre-Emerick Aubameyang schießt zwei Tore. Alles gut für ihn und den Klub also, nur das Logo seines privaten Sponsors, das er sich in die Haare färben ließ, störte ein bisschen. "Das werden wir besprechen", kündigte Sportdirektor Michael Zorc damals an. Sollte es tatsächlich einen Rüffel gegeben haben, verfehlte er die erhoffte Wirkung. Beim Remis im Revierderby im ersten Spiel des Aprils machte Aubameyang wieder Schleichwerbung für seinen Sponsor, der in harter Konkurrenz zum Ausrüster des BVB steht.

Die Aktion jetzt war allerdings deutlich subtiler inszeniert, denn die Maske, die sich Aubameyang nach seinem Führungstreffer über das Gesicht zog, rief zunächst Erstaunen bei den meisten Zuschauern hervor. Sie machte neugierig, und als die Nachforschungen ergeben hatten, dass sie in einem Werbedreh für ebenjenen privaten Sponsor zu sehen war, kam Hans-Joachim Watzke in Wallung. Er habe zwar selbst "noch nicht verifizieren können", ob es sich tatsächlich um einen speziellen Fall von Marketing gehandelt habe, "aber wenn das so sein sollte, wird das möglicherweise ein bisschen schwieriger für ihn", sagte der Geschäftsführer.

Dem BVB droht die Champions-League-Qualifikation

Aubameyang meldete sich noch am Abend zu Wort. Allerdings entgegnete er nur dem Vorwurf, sein Maskenjubel sei ein Zeichen von Arroganz gewesen, weil sein Treffer doch gerade mal das 1:0 bedeutet habe. "Ich arrogant?", fragte der Gabuner bei Twitter und antwortete brüskiert: "So bin ich halt. Ich bin wie ein Kind, das Spaß am Fußball hat."

Und diesen Spaß wird er sich in Zukunft wohl kaum von Watzke und einer möglichen Geldstrafe nehmen lassen. Die Borussia ist auf Aubameyang angewiesen, denn selbst dessen nun 24 Saisontore reichen derzeit nur zum vierten Tabellenplatz. Sollte es dabei bleiben, müsste der BVB in die Playoffs, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Das wäre ein riskantes Spiel um viel Geld, in dem sich die geplante Asienreise des Klubs in der Vorbereitung als zusätzliche Belastung darstellen würde.

Ein zentrales Problem der Dortmunder ist in dieser Saison, dass sie auswärts deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Der BVB hat in fremden Stadien nur einen Punkt mehr geholt als Werder Bremen, nur zwei mehr als der FC Augsburg. Vier Siegen stehen fünf Niederlagen bei fünf Unentschieden gegenüber. Mit 21 Toren kassierten die Dortmunder auswärts dreimal so viele Treffer wie zu Hause. Aber dass es in Gelsenkirchen nur zu einem Punkt reichte, lag in erster Linie an der Offensive. "Wir hätten mehr Chancen haben müssen, wenn wir die Angriffe gut durchgespielt hätten", kritisierte Torwart Roman Bürki. Trainer Thomas Tuchel hatte "das Gefühl, dass uns der absolute Wille gefehlt" habe, ein Tor zu schießen.

Dortmund schwächelt in der Fremde

Es ging dabei vor allem um eine Szene aus der 58. Minute. Aubameyang lief auf Schalkes Torwart Ralf Fährmann zu und versuchte einen Querpass auf Ousmane Dembélé. Die Entscheidung war richtig, die Ausführung schlampig. Aus dem Superhelden mit der albernen Maske war die Figur geworden, die sich zu früh feiern ließ, wie sich nach dem Ausgleich durch Thilo Kehrer zeigte.

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Remis im Revier: Ein Dauerknipser und ein Derby-Debütant

Zorc, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht über den billigen PR-Gag informiert war, sagte zum Maskenjubel: "Das soll er alle drei Jahre machen, das ist mir egal. Schöner wäre es gewesen, wenn er den zweiten macht."

0:1 in Leipzig, 0:2 in Leverkusen, 2:2 in Hoffenheim, 1:1 in Köln, 1:2 in Berlin, nun 1:1 beim Rivalen aus dem Ruhrpott - dem BVB fehlt in dieser Saison noch ein Auswärtssieg bei einer Mannschaft, die in der Tabelle oben steht oder es nach ihren Möglichkeiten sollte. Die Ausnahme bildet ein 5:1 in Wolfsburg, bei dem der BVB so effizient war wie in keinem anderen Spiel in dieser Saison.

Der April bietet allerdings zahlreiche Chancen, diese Bilanz aufzupolieren: In der Bundesliga spielen die Dortmunder bei Bayern München und Borussia Mönchengladbach, in der Champions League beim AS Monaco und zum Abschluss im DFB-Pokal noch mal beim FC Bayern. Da wird es sich der BVB kaum erlauben können, seinen Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang zu vergraulen.



insgesamt 116 Beiträge
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micheleyquem 02.04.2017
1. Die Maske...
Was soll man auch machen wens mit dem Fussball Spielen nicht mehr so richtig hinhaut... Erfreulich waren die EInsichten Tuchels, der die Realität recht treffend beschrieben hat.... Schaun mer mal... in den nächsten vier Woche zweimal bei den Bayern? Jetzt muss ich in die Küche gehen und in eine Zitrone beissen, sonst bekomm ich das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.
fdb 02.04.2017
2. lächerlich
Dembele und Kagawa geben die entscheidenden Pässe. Auba staubt nur ab und lässt sich mit Maske feiern. Nicht mein Verständnis von Mannschaftssport.
PeterPaulPius 02.04.2017
3. Auba
Es geht auf keine Kuhhaut, wie viel Chancen der Maskenmann versemmelt. Dagegen sind seine Tore ein Resultat des Kollektivs. Insofern ist die vermeintliche Abhängigkeit Quatsch. Denn seine Tore hätten ein Schürrle, Götze oder Isak auch gemacht. Aber was ist mit den circa 4-5 Chancen pro Spiel, die er vergibt? Vielleicht würden andere diese Treffer machen. Bei 100 Mio würde ich diesen Selbstdarsteller abgeben. Und vor diesem Hintergrund muss man auch mal seine PR-Gags während des Spiels sehen. Besprechung und Vorbereitung solcher Aktionen lenken von seinem Job ab. Und die Jubelaktion mit der Maske während des Spiels hat ihn sicherlich Konzentration gekostet und abgelenkt. Anschließend hat er dann nicht mehr getroffen. Insofern hat der Wettbewerber des Ausrüsters möglicherweise Einfluß auf das Spielgeschehen genommen. So etwas muss unterbunden werden. Ich gehe mal davon aus, dass auch der DFB tätig wird. Mal davon abgesehen, dass Puma eine empfindliche interne Strafe vom BVB fordern wird. Sonst meint jeder Spinner, künftig für seinen Privatsponsor auf dem Platz werben zu müssen.
stoffi 02.04.2017
4. Spiel ok, Maske kindisch
Dieser Quatsch mit der Maske, sollte untersagt werden. Das gehört nicht auf den Platz. Wer weiss, was sich sonst noch andere einfallen lassen, wenn das Schule macht. Ebenso wie man nach dem Spiel keine Kleinkinder der Spieler auf dem Rasen sehen will und das bemängelt hat. Der Spielverlauf und das Ergebnis sind für beide Seiten ok.
silesius 02.04.2017
5. Revierderby?
Wo sind denn die fußballernden Ruris? Eine wahre Exotenschau ohne Bodenständigkeit. Ob da die eingefleischten Blau-Weißen oder Schwarz-Gelben nur noch wegen der Curry-Wurst kommen? Was bei den beiden städtischen Bühnen sicher ein Gewinn ist, wenn auch berühmte Solisten anreisen, um mit dem gewachsen regionalen Stammpersonal zu den Sternen zu streben, ist im Fußball recht fehl am Platze.
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