Platzverweis für Podolski "Die Rote Karte war Wahnsinn"

1:0 gegen Hertha - doch der Sieg des 1. FC Köln geriet zur Nebensache. Aufreger war der Platzverweis für Lukas Podolski. Der Nationalspieler soll einen Gegner gewürgt haben, beteuert aber seine Unschuld. Auch FC-Trainer Stale Solbakken spricht von einer Fehlentscheidung.  

Trainer Solbakken, Rot-Sünder Podolski: Dem Stürmer wird Würgen vorgeworfen
dapd

Trainer Solbakken, Rot-Sünder Podolski: Dem Stürmer wird Würgen vorgeworfen


Hamburg - So hitzig die Partie zwischen Köln und Hertha BSC auf dem Platz geführt wurde, so hitzig ging es auch nach Abpfiff in den Katakomben der Kölner Arena weiter.

Rotsünder Lukas Podolski suchte vor den wartenden Journalisten nach einer Begründung für seinen fragwürdigen Platzverweis, wenige Meter weiter erhob Gegenspieler Christian Lell heftige Vorwürfe gegen den Nationalspieler. "Das war richtig link von Poldi", sagte Lell nach der 0:1 (0:1)-Niederlage der Berliner. "Aber jeder weiß ja, dass er gerne mal nachschlägt und einem auf die Füße tritt. Ich würde mir wünschen, dass er das mal endlich in den Griff kriegt."

Lell spielte damit auf die Vorgeschichte der Rudelbildung an, die die Rote Karte für Podolski und die Gelb-Rote gegen den Berliner Lewan Kobiaschwili zur Folge hatte (76.). Kölns Trainer Stale Solbakken war nach Spielende wütend über die Entscheidung: "Die Rote Karte war Wahnsinn, das war nicht einmal Gelb", sagte Solbakken und äußerte Hoffnungen auf einen Freispruch: "Ich weiß nicht, wie man in Deutschland mit so etwas umgeht, aber es war eine große Fehlentscheidung, und deshalb hoffe ich, dass Lukas nicht gesperrt wird."

Die Partie war nach einer harten Roten Karte gegen den neun Minuten zuvor eingewechselten Mato Jajalo (66.) sehr hektisch geworden. Solbakken gab Schiedsrichter Guido Winkmann daran zumindest eine Teilschuld: "Vielleicht kannst du Mato Rot geben. Aber der Schiedsrichter hatte bis dahin eine Linie und sehr lange gewartet mit Gelb, und plötzlich zieht er direkt Rot."

"Die Meinung muss der Schiedsrichter exklusiv haben"

So auch gegen Podolski, der mit Berlins Lewan Kobiaschwili aneinander geraten war. Der Stürmer war sich keiner Schuld bewusst. "Ich hoffe, dass ich gar nix bekomme", sagte Podolski: "Nach Rudelbildungen gibts immer Rote Karten, aber man muss aufhören, die Spieler an den Pranger zu stellen. Das war absolut keine Rote Karte. Ich bin ganz ruhig geblieben, habe mich nur vom Gegenspieler weggerissen." Die Meinung, dass er den Berliner Lewan Kobiaschwili gewürgt habe, "muss der Schiedsrichter exklusiv haben".

Winkmann jedoch hatte überhaupt keine Meinung. "Ich habe die Szene gar nicht wahrgenommen", sagte er nach der Analyse diverser TV-Bilder. Assistent Christian Bandurski habe ihm signalisiert, dass "die Hand Richtung Hals" gegangen sei.

Dem schwebenden Verfahren wollte der Unparteiische mit einer Beurteilung der Szene nach dem Spiel nicht zuvorkommen, ein Freispruch für Podolski scheint aufgrund der Sportgesetze aber ausgeschlossen.

Der FC wird sich also in den kommenden Wochen auf die nächste Saison einspielen können, denn ein Wechsel von Podolski scheint beschlossene Sache. Der Nationalspieler allerdings sagte nach dem Sieg zu seiner Zukunft: "Es ist nichts klar und nichts unterschrieben. Wenn es so wäre, hätte ich es auch gesagt." Nachdem mehrere Medien berichtet hatten, Köln habe sich mit dem englischen Club FC Arsenal bereits auf eine Ablöse von rund 13 Millionen Euro für einen Transfer des 26-Jährigen am Saisonende geeinigt, hatte bereits am Freitag Arsenal-Coach Arséne Wenger widersprochen: "Wir werden Sie informieren, wenn wir einen Spieler verpflichten. Im Moment haben wir keinen verpflichtet."

luk/sid/dpa



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