Platzverweise Abbruch wegen Spielermangels

Erstmals seit 1977 musste ein Schiedsrichter ein Fußball-Länderspiel vorzeitig beenden, weil nicht mehr genügend Spieler auf dem Platz standen.


Schiedsrichter Pascal Garibian hatte viel zu tun
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Schiedsrichter Pascal Garibian hatte viel zu tun

Lissabon - Das Freundschaftsspiel zwischen Portugal und Angola musste vom französischen Schiedsrichter Pascal Garibian in der 68. Minute abgebrochen werden, weil die Afrikaner nur noch sechs Spieler zur Verfügung hatten. Mindestens sieben Kicker sind nötig, um eine Begegnung fortzuführen.

Vier Akteure der ehemaligen portugiesischen Kolonie (Yamba Asha/16., Wilson Estrela/25., Franklin Manuel/26. und Antonio Neto/65.) waren bereits vom Platz geflogen, als in der 68. Minute Helder Vicente verletzt vom Platz gebracht werden musste. Daraufhin blieb dem Referee keine andere Möglichkeit als abzubrechen, da nur noch sechs spielfähige Akteure auf Seiten Angolas aufgeboten werden konnten. Zum Zeitpunkt des Abbruchs führten die Gastgeber im Testspiel vor 10.000 Zuschauern mit 5:1 (3:1).

Randale der angolanischen Fans

Erstmals seit dem 4. Januar 1977 musste damit ein Länderspiel abgebrochen werden, weil zu wenige Spieler bei einer Mannschaft auf dem Feld standen. Ecuador hatte den letzten Abbruch beim Länderspiel in Montevideo gegen Uruguay herbeigeführt, weil fünf Ecuadorianer vom Platz flogen. Auch ein "Uru" musste damals vorzeitig gehen. Nach 78 Minuten stand es 1:1.

Nach dem frühzeitigen Schlusspfiff kam es Tumulten unter den zahlreichen Fußballfans aus Angola. In der ersten Minute noch waren die Afrikaner in Führung gegangen, ehe die Stimmung umschlug. Plastiksitze wurden aus den Verankerungen gerissen und über den Zaun geschleudert, der Schiedsrichter mit Flüchen beleidigt und vereinzelt wurde sogar der Rasen gestürmt.

"Nicht das, was wir erwartet haben"


Angolas Trainer Mario Calado schimpfte anschließend über den Schiedsrichter: "Der Referee hatte einen Komplex, denn er wollte offensichtlich nicht, dass ein afrikanisches Team ein portugiesisches schlägt, das zur absoluten Weltklasse gehört. Er war unerhört, dass er das Spiel ruiniert hat. Aber leider hat er es getan."

Die angolanischen Fans waren empört
EPA/DPA

Die angolanischen Fans waren empört

Portugals Verbands-Vizepräsident Antonio Boronha war wenig erfreut über den Verlauf des ersten Länderspiels der Portugiesen gegen Angola seit 1989. "Das war nicht das, was wir von ihnen erwartet haben, als wir sie zu einem Länderspiel eingeladen haben", sagte Boronha.

Die Tore für Portugal erzielten Luis Figo (26., Elfmeter), Nuno Gomes (36./63.), Jorge Andrade (39.) und Luis Boa Morte (47.). Für die Gäste traf Antonio Mendonca bereits in der ersten Spielminute.



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