Governance-Studie Skandalverband Fifa? Da lachen die Schützen!

Der Fußball-Weltverband Fifa gilt als Synonym für einen skandalumwitterten Sportverband. Die Studie einer belgischen Universität legt nun den Verdacht nahe: Anderswo könnte es noch viel schlimmer sein. Zum Beispiel im Internationalen Schießsport.

Suspendierter Fifa-Boss Blatter: "Mangelhafte Vergabeverfahren"
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Suspendierter Fifa-Boss Blatter: "Mangelhafte Vergabeverfahren"


Die strukturellen Probleme bei der Fifa sind im internationalen Sport offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Einer Studie der Katholischen Universität im belgischen Löwen zu Leitungs- und Lenkungsformen bei 35 olympischen Fachverbänden zufolge ist der Fußball-Weltverband aufgrund seiner zuletzt auch verstärkt angewandten Reformen im Governance-Bereich trotz vieler ungeklärter Korruptionsaffären noch eine der führenden Organisationen. (Hier finden Sie die Studie im Original)

Laut den Ergebnissen der von der dänischen Ethikorganisation Play the game in Auftrag gegebenen Untersuchung zu Kriterien wie Transparenz, Kontrolle, demokratische Abläufe, Kommunikation und Solidarität kommt die Fifa auf einen Indexwert von 67,8 Prozent. Besser aufgestellt ist nur die Internationale Reiterliche Vereinigung FEI mit 75,6 Prozent. Der Ski-Weltverband FIS erreichte mit 61,4 Prozent Rang drei.

Bevor jetzt aber der Eindruck entsteht, die Fifa sei ein Hort der Sauberkeit: Der Teilwert der Fifa im Bereich demokratische Abläufe fällt mit 52,5 Prozent sehr schwach aus. Die Studie benennt als Schwächen des Fußballverbandes "mangelhafte Vergabeverfahren für Weltmeisterschaften" und "schwache Nachhaltigkeitsanforderungen" für die Turniere. Neben der Tatsache, dass es immer noch keine Amtszeitbegrenzung in der Fifa gebe. Aber damit steht der Fußball nicht allein da.

  • In keinem der befragten Verbände existiert eine Amtszeitbegrenzung für Präsidenten und andere Vorstände von zwei Wahlperioden zu jeweils vier Jahren. In elf Verbänden sind immerhin andere Regularien zu den Amtszeiten von Funktionsträgern vorhanden.
  • Große Schwierigkeiten bereitet den Verbänden laut Studie des Autors Arnout Geeraert auch der offene Umgang mit Finanzfragen. Kein Verband veröffentlicht Details zur finanziellen Entschädigung oder Honorierung von Führungspersonen. Nur sechs Organisationen legen jährlich elementare Auskünfte zu ihren Vermögen, Konten, Einnahmen, Sponsorenverträgen und Bilanzen von Großereignissen offen.
  • Gut ein Drittel der untersuchten Verbände (zwölf) verfügt über kein Ethikkomitee. Allerdings haben in den übrigen 23 Organisationen lediglich fünf Ethikkommissionen auch die Befugnis zur unabhängigen Initiierung von Untersuchungen gegen Amtsträger ihrer Verbände. Auch nur in acht Verbänden können Entscheidungen von Gremien angefochten werden.

Insgesamt liegen den Forschungsresultaten zufolge lediglich neun Verbände über der 50-Prozent-Marke, durchschnittlich werden 45,4 Prozent erreicht. Die größten Defizite bescheinigen die Wissenschaftler der Internationalen Schießsport-Föderation (27,3 Prozent), dem Golf-Weltverband (27,8) und der Internationalen Triathlon-Union (30,4).

goe/sid

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
markzwanzig 24.11.2015
1. Also
diesen Golf Weltverband möchte ich sehen!
marcw 24.11.2015
2.
"Könnte", weil "score". Dass beim Fußball Millionen fließen aber bei anderen Sportarten sich die Funktionärstätigkeit evtl. überhaupt nicht lohnt beachten die Autoren (von SPON, nicht der Studie). nicht.
bloub 24.11.2015
3.
Zitat von markzwanzigdiesen Golf Weltverband möchte ich sehen!
damit wird wahrscheinlich die international golf federation gemeint sein.
hinschauen 24.11.2015
4. Albern
Was sagen denn offizielle Regularien aus, die hier in angeblich prozentzahlengenaue Werte zerlegt werden? Entscheidend sind doch die tatsächlichen Abläufe. Wenn ein Verband total korrupt ist, ist ziemlich egal, welche Regel gelten würden, wenn er nicht korrupt wäre.
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