Bayern-Niederlage gegen Gladbach Durchgefallen!

Es war der Härtetest vor der entscheidenden Saisonphase. Der FC Bayern hat ihn nicht bestanden: Die Niederlage gegen Gladbach zeigt, wie verwundbar der Klub sein kann. Vorne verletzte sich Robben, hinten patzte Neuer. Alles Wichtige zum Top-Spiel.

Bayern-Stars Müller (l.), Schweinsteiger (M.), Lahm: Pleite gegen Gladbach
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Bayern-Stars Müller (l.), Schweinsteiger (M.), Lahm: Pleite gegen Gladbach

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Ausgangslage: Die Partie versprach viel. Nicht nur, weil der Tabellenerste (Bayern) gegen den Dritten (Mönchengladbach) antrat, sondern vor allem aufgrund des Hinspiels. In Gladbach waren zwar keine Tore gefallen, doch die Borussia hatte die Münchner gefordert wie kaum eine andere Mannschaft in dieser Saison.

Ergebnis: 2:0 (1:0) für Gladbach. Doppeltorschütze war Raffael (30. Minute/77.), am Ende hatten die Münchner Glück, nicht noch höher verloren zu haben.

Die erste Hälfte: Verlief fast wie in der Hinrunde. Bayern, zunächst extrem überlegen, entwickelte selten Durchschlagskraft; Gladbach, sehr defensiv ausgerichtet, lauerte auf Konter. Der Unterschied zum Hinspiel: Diesmal fiel ein Tor. Doch dazu später mehr.

Die zweite Hälfte: Wie viel offensiver die Bayern nun spielten, verdeutlichte die Position der Verteidiger Jérôme Boateng und Holger Badstuber. Beide standen phasenweise 35 Meter vor dem Gladbacher Tor, ohne dabei abgesichert zu werden. Viel kam dabei nicht herum, im Gegenteil: Die Gäste entwickelten mit ihren Kontern mehr Gefahr als die Münchner. Neben Raffaels zweitem Treffer verpassten André Hahn (70./Pfosten), Fabian Johnson (86.) und Max Kruse (88.) ein weiteres Tor. Für Bayern vergaben Juan Bernat (75.) und Robert Lewandowski (86.) Chancen auf den Anschluss.

Bayern-Torwart Neuer: "Wollte den Ball festhalten"
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Bayern-Torwart Neuer: "Wollte den Ball festhalten"

Patzer des Spiels: Unterlief Manuel Neuer, und das war beinahe zu erwarten gewesen. Drei Gegentore hatte der Bayern-Keeper in Partien gegen die Borussia verschuldet. Nun folgte das Vierte: Als Raffael nach einer Flanke von Patrick Herrmann den Ball von der Strafraumgrenze aus aufs Tor schoss, hätte Neuer eigentlich nicht viel tun müssen, um zu parieren. Der Ball kam zwar scharf, aber auch flach und mittig. Trotzdem schaffte es Neuer, den Schuss durch die Hände rutschen zu lassen. "Mein Fehler war, dass ich den Ball festhalten wollte", sagte er hinterher.

Verletzung des Spiels: Es läuft die 22. Minute. Von rechts zieht Arjen Robben mit dem Ball am Fuß ins Zentrum, dribbelt um Gladbacher Slalomstangen. Dann kommt Tony Jantschke. Der Verteidiger rammt Robben um, der Niederländer prallt bei der Landung unglücklich auf den Rasen auf, bleibt liegen. Anschließend versucht er, weiterzuspielen, doch zwei Minuten nach dem Foul signalisiert Robben: es geht nicht mehr. Die Diagnose ergab einen Bauchmuskelriss, der 31-Jährige muss mehrere Wochen pausieren.

Ersatzspieler des Spiels: Langweiliger als aktuell kann der Titelkampf in der Bundesliga nicht werden. Sollte man meinen. Die Rückkehr eines Schlüsselspielers könnte die Bayern aber noch viel stärker machen. Gegen Gladbach saß erstmals nach einer gefühlten Ewigkeit Thiago auf der Bank. Der 23-Jährige hatte wegen einer Knieverletztung fast ein Jahr gefehlt.

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Bundesliga: Raffael lässt Gladbach jubeln
Erkenntnis des Spiels: Für die Bundesliga hat das aus Bayern-Sicht kaum Konsequenzen, weil Verfolger Wolfsburg in Mainz unentschieden spielte; der Vorsprung beträgt zehn Punkte. Bemerkenswerter ist, dass die Münchner, wie schon im Hinspiel oder beim 1:4 gegen Wolfsburg mit dem Problem zu kämpfen hatten, gegnerische Konter zu unterbinden. Im Hinblick auf die bevorstehende heiße Saisonphase mit K.o.-Spielen in Champions League und DFB-Pokal bedeutet das Extra-Arbeit für Trainer Josep Guardiola. Ansonsten droht eine Spielzeit, in der "nur" der Meistertitel gewonnen worden ist.

Bayern München - Borussia Mönchengladbach 0:2 (0:1)
0:1 Raffael (30.)
0:2 Raffael (77.)
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Bernat - Alaba, Alonso (61. Rode), Schweinsteiger - Robben (24. Thomas Müller), Lewandowski, Götze (70. Lahm)
Mönchengladbach: Sommer - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann (89. Nordtveit), Johnson - Hahn (72. Max Kruse), Raffael (81. Hazard)
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Jantschke (4), Hahn (3)



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
Karbonator 22.03.2015
1.
Die Bayern haben grottig gespielt. Gladbach hat mit Mann und Maus verteidigt. Neuer hat einen Fehler gemacht. Das ist alles und mehr sollte man da nicht hineininterpretieren.
neighbourofthebeast 22.03.2015
2. So langsam fange ich an zu glauben...
...Manuel Neuer ist heimlicher Gladbach-Fan. Was wir dem schon an Punkten zu verdanken haben, Wahnsinn! Danke, Manuel!
Gottloser 22.03.2015
3.
Den Bayern macht diese Niederlage nichts aus. Die haben andere Ziele. Warum können Sportjournalisten die Relevanz von Spielen nicht mehr richtig beurteilen? Es ging für die Bayern gegen Gladbach um nichts. Die CL-Aufgaben sind wichtiger. Der potentielle Alarmismus in diesem Artikel it absolut nicht angebracht. Aber anscheinend glauben die Journalisten nur noch mit Negativberichterstattung punkten zu können. Vielleicht wollen sie damit auch Porto täuschen.
bcpt8 22.03.2015
4.
---Zitat von SPON--- [...]Bemerkenswerter ist, dass die Münchner, wie schon im Hinspiel oder beim 1:4 gegen Wolfsburg mit dem Problem zu kämpfen hatten, gegnerische Konter zu unterbinden. Im Hinblick auf die bevorstehende heiße Saisonphase mit K.o.-Spielen in Champions League und DFB-Pokal bedeutet das Extra-Arbeit für Trainer Josep Guardiola.[...] ---Zitatende--- Schon erstaunllich, diese Lernresistenz (mindestens bei der Umsetzung auf dem Platz, wenn's nicht am Trainer liegen sollte) spätestens seit dem CL-Ausscheiden 2014 gegen ebenfalls konterstarke Madrilenen... Mir scheint auch unter Guardiola die Spielweise viel zu ausrechenbar, denn eine Konstante bleibt trotz aller Systemvariabilität: Läuft der Gegner insbesondere die hoch stehenden FCB-Defensivleute ein bißchen schärfer an, wird von diesen der Rückwärtsgang eingelegt und sicherheitshalber umgehend hintenrum gespielt. Wenig scmeichelhaft für eine hochmögende Mannschaft, wie häufig die Boatengs, Badstubers, Bernats, Rafinhas, Dantes in ihrer Not dann Keeper Neuer als rettenden Anker suchen. Da ist bei Barcelona und Real bereits in den Abwehrreihen im Grundsatz ein individuell anderes Selbstverständnis im Vertrauen auf die eigene (auch technische) Stärke erkennbar. Die zunächst hoch auf außen spielenden Bernat und Rafinha (obwohl beide mit Ballfertigkeit ausgestattet) sind deshalb auch in der Offensivausrichtung kein gleichwertiger Ersatz für Ribéry und Robben. Auch Alonso wirkt schon seit längerem uninspiriert und spielt m. E. zu selten seine schnellen, präzisen Diagonalbälle hinter die gegnerischen Reihen. Wird dann mit Lahm auch noch der Prototyp des zweikampfscheuen Sicherheitsfußballers (trotz Chefabzeichen) eingewechselt, ist die Verlahmung im Spielaufbau (jedenfalls ohne 'RibRob') zementiert - wo stattdessen wie heute eigtl. Courage, Dynamik und Kreativität mit Blickrichtung Offensive gefragt gewesen wäre (zumal bei Rückstand zuhause). Lewandowski ist bei aller Taktik verschenkt auf außen (findet aber auch zentral im Sturm noch nicht zu alter Wendig- und Kaltschnäzigkeit im Abschluß); Götzes halbherzige Dribblings verkommen wiederum zu häufig zu unproduktiven Alibiaktionen und leichter Beute für den Gegner - nun als jüngster Spitzenverdiener in seinem Wunschverein scheint er sich auf überschaubare Quartalskostproben seines nachgesagten Genies und ansonsten mit Schongang als Arbeitsnachweis zu begnügen. Die Gladbacher waren in ihrem souveränen Abwehrverhalten zudem clever genug, die ratlosen Münchner nicht wenigstens über viele gefährliche Standards wie Freistöße zu Torchancen einzuladen. Die "wahre" Borussia will wahrlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sondern Punkte - und die gehen heute komplett und verdient an Favre: Guardiola hat in ihm ein weiteres Mal in der BuLi seinen Meister gefunden.
tobo5824-09 22.03.2015
5. Überspielt?
Es erinnert ein wenig an das vergangene Jahr. Da patzten die Bayern in der Liga nacheinander gegen Hoffenheim, den FCA und den BVB und bekamen dann gegen Real so richtig was auf die Mütze. Das begann kalendarisch eine Woche nach dem heutigen Spieltag (am 29.März 2014 beim 3:3 gegen Hoffenheim daoam). Schon damals entstand der Eindruck: Die Mannschaft wirkt im Saisonfinale überspielt. Auch heute gegen Gladbach gab es ein paar Indizien, die man in dieser Hinsicht interpretieren kann. Vieles wirkte lustlos und uninspiriert, ohne Saft und Kraft. Kein Plan, und weit und breit kein Denker und Lenker. Schweinsteiger? Ach was. Der hat sich allenfalls die Schläfen grau färben lassen (oder ist es Natur?). Alonso? Ein schwacher Schatten seiner starken Auftritte in der Hinrunde. Götze? Fehlanzeige. Und Lewandowski vorne ein dunkler Schatten im Vergleich zu der Torgefahr, die er in schwarz-gelb verkörperte. Er muss in einem System spielen, das nicht auf ihn zugeschnitten ist. Ich lege mich fest: Die Meisterschaft werden sie sicher holen, aber fürs Double oder gar Triple wird es nicht reichen.
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