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Bayern-Pleite in Hannover: Zurück in der Wirklichkeit

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Pleite in Hannover Die Bayern stolpern, die Liga lacht

Über diese Niederlage freut sich die ganze Bundesliga: Die Bayern haben in Hannover nicht nur ein Spiel verloren, sondern auch etwas von ihrem Schrecken. Die Rekordjäger von Jupp Heynckes offenbaren Schwächen - wird der Titelkampf jetzt doch spannend?

Niederlagen des FC Bayern sind besonders, schon allein, weil sie so selten sind. Einzigartig sind vor allem die Reaktionen abseits des Fanlagers der Münchner. Hamburg, Sonntagabend, 19:28 Uhr. Der Hamburger SV spielt gar nicht, der HSV-Fan von nebenan jubelt trotzdem ekstatisch. Die Bayern, für viele Fußballanhänger noch immer das große Feindbild, haben verloren. Die 1:2 (0:1)-Pleite des Rekordmeisters in Hannover war die erste Niederlage der Münchner nach acht ungeschlagenen Partien in Folge. Und die Liga freut sich.

Denn die Angst vor einem Durchmarsch des Rekordmeisters war groß. Nach dem 0:1 gegen Mönchengladbach am ersten Spieltag hatte der FC Bayern unbarmherzig jeden Gegner aus dem Weg geräumt, kein weiteres Gegentor mehr kassiert und 25 Tore geschossen. Es hätten auch 40 sein können - obwohl Superstar Arjen Robben meist verletzt ausfiel. Nach nicht einmal einem Drittel der Saison lag der Club unangefochten an der Tabellenspitze. Vorsprung auf den ersten Verfolger: sechs Punkte. Langeweile drohte.

Jetzt wirken die Bayern plötzlich etwas irdischer. Die Niederlage in Hannover hat den Abstand zum Rest der Liga schrumpfen lassen, sie war ein Signal an die Konkurrenz: Bayern ist bezwingbar. Was deren Verantwortliche aber viel mehr ärgern dürfte, ist die Art und Weise der Pleite. Hannover hatte das Spiel mit jenem Fußball gewonnen, der den Münchnern bereits seit langem große Probleme bereitet.

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Grafische Analyse: Überragender Zieler, ungeschickter Lahm

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96 siegte gegen die Bayern wie schon beim 3:1 im März oder Borussia Dortmund beim 3:1 im Februar in München: mit einer sicheren Abwehr und herausragendem, schnellen Konterfußball, der München zu oft vor zu große Probleme stellte. Vor dem glücklichen, weil abgefälschten Schuss von Christian Pander zum 0:2 klafften große Lücken in der Bayern-Abwehr, ein schon vergessen geglaubtes Relikt aus der Ära Louis van Gaal. Dazu gesellten sich individuelle Aussetzer wie jener von Philipp Lahm, der den Elfmeter zum 0:1 verschuldete. Bayern-Coach Jupp Heynckes ("Das wirft uns nicht um") hat noch nicht alle Schwächen des Vorjahres ausgemerzt.

Nimmt man das 1:1 aus der Champions League am Dienstag in Neapel hinzu, dann hat der FC Bayern nun zwei Spiele in Folge nicht gewonnen. Reicht diese Bilanz für eine Krise? Wohl kaum, auch wenn manch ein Reporter am Sonntag genau das herbeizureden versuchte ("Doppelt so viele Tore wie in der gesamten bisherigen Saison kassiert"). Die Bayern wirken trotz der Punktverluste stabiler als in der Vorsaison. "Die Niederlage war unglücklich und unnötig. Wir kommen deshalb nicht von unserer Spur ab", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Er wusste schließlich auch, dass die mangelnde Chancenverwertung der Bayern ein Unentschieden verhindert hatte. Allein Top-Torjäger Mario Gomez (zehn Treffer) scheiterte mehrmals aus guter Position an Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler.

"Die angeblich unbezwingbaren Bayern"

Die verbalen Stiche von 96-Profi Christian Schulz, der nach der Partie im Fernsehen von den "angeblich unbezwingbaren Bayern" sprach, wirken auch deshalb arg bemüht. Schließlich wissen die Münchner eine Konkurrenz ohne Konstanz hinter sich. Werder Bremen, schon voreilig zu alter Form geschrieben, patzte bei Aufsteiger Augsburg erneut. Borussia Mönchengladbach leitete mit dem 0:1 gegen Hoffenheim den Sinkflug ein, Bayer Leverkusen steckt nach der Niederlage gegen Schalke im Mittelfeld fest. Einzig Meister Borussia Dortmund scheint sich in der Liga mit nun vier Siegen in Serie gefangen zu haben.

Der BVB zählt neben Bremen und Stuttgart zu den schweren Gegnern, die der FC Bayern bis zur Winterpause noch vor der Brust hat. Duelle mit dem FC Augsburg, Mainz 05 oder dem 1. FC Nürnberg werden nicht viel Spielraum für Gerede über neue Spannung in der Liga lassen.

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