Podolskis Ausfälle Prinz Provo

Was ist mit Lukas Podolski los? Trotz Formkrise seines Clubs glaubt der Nationalspieler, sich in Köln wie ein Spätpubertierender benehmen zu können - er provoziert gegnerische Fans, Spieler und sogar den eigenen Verein. Doch beim FC scheint der Publikumsliebling eine Art Jeckenfreiheit zu genießen.

Stürmer Podolski: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild"
dpa

Stürmer Podolski: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild"

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Hamburg - Bei Lukas Podolski hatten mal die Füße mehr Aufmerksamkeit als die Finger. Gerade ist es andersherum.

Der Stürmer des 1. FC Köln setzte beim 3:0-Sieg der Kölner in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen 1860 München erst seine Füße zum letzten FC-Treffer des Abends ein, dann bemühte er umgehend die Hände, um einmal mehr den Gegner zu provozieren.

Einen seiner Zeigefinger ließ er langsam zum Mund fahren, der andere war zielstrebig Richtung Gästekurve gerichtet. So als wolle er sagen: "Haltet den Mund, wenn Podolski in Ruhe jubeln will."

Beim Gegner kam diese Geste gar nicht gut an. "Er ist nicht mehr 18 und sollte auch mal seinen Kopf einschalten. Er muss die Stimmung nicht aufheizen", sagte 1860-Angreifer Benjamin Lauth über die überflüssige Podolski-Provokation. Einmal in Fahrt, legte Lauth gleich noch einen nach: "Wenn dann Feuerzeuge fliegen, braucht er sich nicht zu wundern. Erst vor einer Woche hat er ähnlich provoziert. Irgendwann muss er mal dazulernen. Aber das ist nicht mein, sondern sein Problem."

Der Münchner spielte mit seiner Bemerkung auf eine Szene an, in der Podolski ebenfalls mit unflätigen Fingerspielen provoziert hatte. Beim 1:2 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund legte sich der Kölner Führungsspieler mit BVB-Torhüter Roman Weidenfeller und Nuri Sahin an. Podolski erinnerte Sahin nach seinem Auftritt per Fingeranzeigentafel daran, dass der Türke mit seiner Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Deutschland 0:3 verloren hatte. Dieser rächte sich in der 90. Minute durch den Siegtreffer für die Dortmunder - und rutschte anschließend beim Jubeln hämisch vor Podolski über den Rasen.

Jeckenfreiheit für Podolski

Angesprochen auf seinen Aussetzer beim 3:0 gegen den Zweitligisten 1860, schnauzte Podolski nun einen TV-Reporter an: "Wir sollten der Mannschaft heute ein Lob zollen. Alles andere ist egal." Später äußerte er sich dann doch noch zu dem Vorfall: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild."

Wild ist das richtige Wort zu Podolskis Verhalten in den vergangenen Wochen. Schon vor seinen Provokationen auf dem Rasen hatte er in einem Interview seinen eigenen Club scharf angegriffen. "Ich denke, uns fehlt die klare Strategie", sagte der 25-Jährige zu "Sport Bild". "Es gibt Clubs, die finanziell ähnlich aufgestellt sind wie Köln oder sogar noch schlechtere Voraussetzungen haben - und es dennoch besser machen."

Kölns umstrittener Manager Michael Meier versäumte es damals durchzugreifen. Stattdessen gab es eine Art Jeckenfreiheit für Podolski. "Wir haben der Mannschaft bildlich empfohlen: Vergesst die ersten Spiele, geht gedanklich durch die Waschstraße, stellt die Reset-Taste auf Null und vergesst alles Negative", sagte Meier. "Das Interview würde ich in die Waschstraße mit einbeziehen."

Die Reset-Taste drückte der Manager dann letztlich am Sonntag selbst, als er Trainer Zvonimir Soldo entließ - dem er vorher noch attestierte, "leider kein Medienfuchs" zu sein.

Dies trifft momentan allerdings auf einige Protagonisten des Vereins zu. Auch nach den eigenmächtigen Entscheidungen von Torhüter Faryd Mondragon, der erst das Mannschaftshotel mitten in der Nacht verließ und sich dann vom Spielbetrieb mehr oder weniger selbst abmeldete, versäumten es die Verantwortlichen, ein klares Zeichen zu setzen.

Und was passiert nun, nach dem neuerlichen Fall Podolski? Er könne dazu noch nicht viel sagen, teilte ein Sprecher des 1. FC Köln SPIEGEL ONLINE mit.

Mit Material der dpa



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Seite 1
frubi 27.10.2010
1. .
Zitat von sysopWas ist mit Lukas Podolski los? Trotz Formkrise glaubt der Nationalspieler, sich*in Köln wie ein Spätpubertierender benehmen zu können - er provoziert gegnerische Fans, Spieler und sogar den eigenen Club. Doch beim FC scheint der Publikumsliebling eine Art Jeckenfreiheit zu genießen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,725650,00.html
Als ob der Fußball zu einem sterilen Saubermannsport verkommen sollte. Das Nebenspiel zwischen Poldi und Sahin fand ich richtig unterhaltsam. Sollte natürlich nicht die Regel werden aber ab und zu finde ich sowas ziemlich amüsant. Früher waren noch mehr Typen unterwegs. Deswegen finde ich auch den Müller so erfrischend. Der nimmt das alles ziemlich locker. Poldi lässt ja wenigstens seinen Frust nicht in Form von Blutgrätschen ab.
un-Diplomat 27.10.2010
2. Waschstraße, Artikel, Interviews, Podolski
Zitat von sysopWas ist mit Lukas Podolski los? Trotz Formkrise glaubt der Nationalspieler, sich*in Köln wie ein Spätpubertierender benehmen zu können - er provoziert gegnerische Fans, Spieler und sogar den eigenen Club. Doch beim FC scheint der Publikumsliebling eine Art Jeckenfreiheit zu genießen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,725650,00.html
Der Rüpelbolzer ist keine Zeile wert. So unrecht hat Meier mit den Äußerungen im angeführten Interview gar nicht, obwohl Köln sowieso nicht zu helfen ist. Und Soldo hat einen besseren Verein verdient und wird diesen auch finden, wenn er nicht gerade nach Bielefeld wechselt.
JDragon 27.10.2010
3. Billige Stimmungsmache
Dem Autor stünde es gut zu Gesicht, anstatt polemischer Stimmungsmache einfach mal die Fakten zu betrachten. Der Spieler mit der "Formkrise", die Glindmeier herbeischreiben will, hat gestern zwei Tore vorbereitet und eines selbst gemacht.
Schinkenfisch 27.10.2010
4. soso
Zitat von frubiAls ob der Fußball zu einem sterilen Saubermannsport verkommen sollte. Das Nebenspiel zwischen Poldi und Sahin fand ich richtig unterhaltsam. Sollte natürlich nicht die Regel werden aber ab und zu finde ich sowas ziemlich amüsant. Früher waren noch mehr Typen unterwegs. Deswegen finde ich auch den Müller so erfrischend. Der nimmt das alles ziemlich locker. Poldi lässt ja wenigstens seinen Frust nicht in Form von Blutgrätschen ab.
Eben, dadurch kam ein bisschen Pfeffer ins Spiel. Auf Poldis große Klappe kam ja dann auch gleich die entsprechende, sportliche Antwort durch den BVB. Wer zuletzt lacht, lacht schließlich noch am besten... und dieses mal war es nicht Poldi. Vielleicht lernt er was daraus. Zu der Aktion gestern: Meine Güte, Poldi ist weißgott nicht der erste Fussballspieler, der die Gästefans per Fingerzeig auffordert gaaanz ruhig zu sein. Darum wird gerade mehr Wind gemacht als um den Effe-Finger. Und was das Anschnauzen des Reporters angeht: Fand ich völlig richtig von Poldi. Einmal nachfragen ist ja in Ordnung, aber wenn man dann merkt, dass der betroffene Spieler sich nicht dazu äußern will, braucht man sich nicht nach erneutem Nachfragen wundern, wenn Poldi einfach den Abflug in die Kabine macht. Statt die ganze Zeit auf dem selben Thema herumzureiten, hätte er wenigstens mal ein paar Fragen zur Vereinssituation, dem Sieg und dem neuen Trainer stellen können (was für den Zuschauer deutlich interessanter gewesen wäre).
sozialminister 27.10.2010
5. Presse ist natürlich nie etwas vorzuwerfen
Bei denen ist Jeckenfreiheit gang und gebe. Wer hätte es schon gewagt die Bild zu kritisieren, für ihre hetzerische Berichterstattung über Hannover96 kurz nach Enkes Tod, obwohl man doch hoch und heilig Besserung gelobt hat. Ihr Journalisten seid euch zumindest in eurer Heuchelei einig. Wenn es um Verantwortungsbewusstsein geht seit ihr alle Duisburger Bürgermeister. Podolski hat in den letzten Monaten und Jahren sehr viel negative Presse erfahren. Vieles davon war unbegründet, aber hauptsache man hat ihn schlecht geredet. Wenn er in der Nationalmannschaft mal ein schlechtes Spiel hatte, habt ihr direkt seinen Rücktritt verlangt. Hat er ein gutes Spiel gemacht war der Gegner nur zweitklassig. Wechselt er zu Bayern leidet er an Selbstüberschätzung und neigt zur Gier, wechselt er in seine Heimat zurück, ist er ein Muttersöhnchen. Wenn man soviel geistigen Schwachsinn jeden Tag von euch ertragen muss ist doch klar, daß man schnell frustiert. Poldi darf kein Provokateur im Kleinen sein, aber euch Heuchlern sei es gestattet im Großen zu provozieren? Ihr könnt von Glück reden, daß Podolski so dumm ist, sonst wäre er jetzt auch depressiv. Wahrscheinlich ist seine Dummheit bei euch sogar einkalkuliert, damit ihr morallosen Karriersten keinen zweiten Enke zu verantworten braucht. Trotzdem solltet ihr Unmenschen euch doch mal fragen, was ihr mit eurem Verhalten mal wieder anrichtet. So merkbefreit könnt ihr doch auch nicht sein. Der größte Wahnsinn dabei ist, daß ich diese Predigt sogar bei einem relativ seriösem Magazin wie den Spiegel halten muss.
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