Podolskis Ausfälle Prinz Provo

Was ist mit Lukas Podolski los? Trotz Formkrise seines Clubs glaubt der Nationalspieler, sich in Köln wie ein Spätpubertierender benehmen zu können - er provoziert gegnerische Fans, Spieler und sogar den eigenen Verein. Doch beim FC scheint der Publikumsliebling eine Art Jeckenfreiheit zu genießen.
Stürmer Podolski: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild"

Stürmer Podolski: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild"

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Hamburg - Bei Lukas Podolski hatten mal die Füße mehr Aufmerksamkeit als die Finger. Gerade ist es andersherum.

Der Stürmer des 1. FC Köln setzte beim 3:0-Sieg der Kölner in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen 1860 München erst seine Füße zum letzten FC-Treffer des Abends ein, dann bemühte er umgehend die Hände, um einmal mehr den Gegner zu provozieren.

Einen seiner Zeigefinger ließ er langsam zum Mund fahren, der andere war zielstrebig Richtung Gästekurve gerichtet. So als wolle er sagen: "Haltet den Mund, wenn Podolski in Ruhe jubeln will."

Beim Gegner kam diese Geste gar nicht gut an. "Er ist nicht mehr 18 und sollte auch mal seinen Kopf einschalten. Er muss die Stimmung nicht aufheizen", sagte 1860-Angreifer Benjamin Lauth über die überflüssige Podolski-Provokation. Einmal in Fahrt, legte Lauth gleich noch einen nach: "Wenn dann Feuerzeuge fliegen, braucht er sich nicht zu wundern. Erst vor einer Woche hat er ähnlich provoziert. Irgendwann muss er mal dazulernen. Aber das ist nicht mein, sondern sein Problem."

Der Münchner spielte mit seiner Bemerkung auf eine Szene an, in der Podolski ebenfalls mit unflätigen Fingerspielen provoziert hatte. Beim 1:2 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund legte sich der Kölner Führungsspieler mit BVB-Torhüter Roman Weidenfeller und Nuri Sahin an. Podolski erinnerte Sahin nach seinem Auftritt per Fingeranzeigentafel daran, dass der Türke mit seiner Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Deutschland 0:3 verloren hatte. Dieser rächte sich in der 90. Minute durch den Siegtreffer für die Dortmunder - und rutschte anschließend beim Jubeln hämisch vor Podolski über den Rasen.

Jeckenfreiheit für Podolski

Angesprochen auf seinen Aussetzer beim 3:0 gegen den Zweitligisten 1860, schnauzte Podolski nun einen TV-Reporter an: "Wir sollten der Mannschaft heute ein Lob zollen. Alles andere ist egal." Später äußerte er sich dann doch noch zu dem Vorfall: "Keine Ahnung. Ich denke, das war halb so wild."

Wild ist das richtige Wort zu Podolskis Verhalten in den vergangenen Wochen. Schon vor seinen Provokationen auf dem Rasen hatte er in einem Interview seinen eigenen Club scharf angegriffen. "Ich denke, uns fehlt die klare Strategie", sagte der 25-Jährige zu "Sport Bild". "Es gibt Clubs, die finanziell ähnlich aufgestellt sind wie Köln oder sogar noch schlechtere Voraussetzungen haben - und es dennoch besser machen."

Kölns umstrittener Manager Michael Meier versäumte es damals durchzugreifen. Stattdessen gab es eine Art Jeckenfreiheit für Podolski. "Wir haben der Mannschaft bildlich empfohlen: Vergesst die ersten Spiele, geht gedanklich durch die Waschstraße, stellt die Reset-Taste auf Null und vergesst alles Negative", sagte Meier. "Das Interview würde ich in die Waschstraße mit einbeziehen."

Die Reset-Taste drückte der Manager dann letztlich am Sonntag selbst, als er Trainer Zvonimir Soldo entließ - dem er vorher noch attestierte, "leider kein Medienfuchs" zu sein.

Dies trifft momentan allerdings auf einige Protagonisten des Vereins zu. Auch nach den eigenmächtigen Entscheidungen von Torhüter Faryd Mondragon, der erst das Mannschaftshotel mitten in der Nacht verließ und sich dann vom Spielbetrieb mehr oder weniger selbst abmeldete, versäumten es die Verantwortlichen, ein klares Zeichen zu setzen.

Und was passiert nun, nach dem neuerlichen Fall Podolski? Er könne dazu noch nicht viel sagen, teilte ein Sprecher des 1. FC Köln SPIEGEL ONLINE mit.

Mit Material der dpa
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