Pokal-Sensationen Untergang in Überzahl

Vestenbergsgreuth, Eppingen, Trier - im Pokal hat schon so mancher Außenseiter überrascht. Wenn am Sonntag Sechstligist Neckarelz auf den FC Bayern trifft, könnte es den nächsten Favoriten erwischen. SPIEGEL ONLINE hat die größten Pokal-Sensationen zusammengestellt.

Von Christoph Asche und Gereon Detmer


Der Hamburger SV wurde in seiner langen Pokalgeschichte immer wieder Opfer kleiner Mannschaften. Die 1:2-Niederlage am 25. Oktober 1974 beim VfB Eppingen war dabei so etwas wie die Mutter aller Stolpersteine. In der ersten Runde hatte das Team von Trainer Kuno Klötzer noch locker 4:0 bei Preußen Münster gewonnen. Auch in den anderen Wettbewerben lief es für die Hanseaten rund: Nach dem zehnten Bundesliga-Spieltag waren sie Tabellenführer, in der zweiten Runde des Uefa Cups düpierten sie den rumänischen Vertreter Steagul Rosu Brasov zwei Tage vor dem DFB-Pokalspiel 8:0.

Felix Magath (l.): "Tödliche Auswirkungen für das Image"
AP

Felix Magath (l.): "Tödliche Auswirkungen für das Image"

Doch ausgerechnet der VfB Eppingen, ein kleiner Amateurverein aus dem baden-württembergischen Kraichgau, stellte dem HSV ein Bein. Nach zwei Toren des Eppinger Spielers Gerd Störzer innerhalb von zehn Minuten gelang dem Favoriten im Zweitrundenspiel nur noch der Anschlusstreffer durch Horst Bertl. 15.000 Zuschauer im Kraichgaustadion freuten sich über den Sieg, nur den wenigen mitgereisten Hamburgern war nicht zum Feiern zumute. "Herr Klötzer, das war eine Frechheit. Da fahren wir 1400 Kilometer, um die Mannschaft zu unterstützen, und dann kämpfen einige Spieler noch weniger als wir", haderte ein HSV-Fan, der sich den Hamburger Trainer nach dem Spiel zur Brust nahm.

Für Eppingen ging das Pokalglück weiter. Nach einem 2:1-Sieg beim SV Sandhausen bekam man mit Werder Bremen im Achtelfinale wieder einen Bundesligisten aus dem Norden zugelost. Hier war jedoch Endstation, die Bremer siegten nach Toren von Jürgen Röber und Karl-Heinz Kamp 2:0.

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Zehn Jahre später scheiterte der HSV übrigens ein weiteres Mal an einem Drittligisten aus dem Südwesten der Republik. Am 31. August 1984 verlor die prominent besetzte Mannschaft von Trainer Ernst Happel in der ersten Runde 0:2 beim SC Geislingen, dem Heimatverein Jürgen Klinsmanns.

Die international erfahrenen Felix Magath, Manfred Kaltz und Co. blamierten sich ein Jahr nach dem Gewinn des Landesmeister-Cups gegen Juventus Turin (1:0) bis auf die Knochen. Magath fürchtete nach dem Spiel "tödliche Auswirkungen für das Image des HSV". Ganz so schlimm kam es nicht, die Hamburger konnten den Pokal schon in der Saison 1986/1987 wieder gewinnen. Geislingen hingegen stieg in den folgenden Jahren mehrere Male ab. Heute spielt die erste Mannschaft in der Bezirksliga.



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
ray05, 28.07.2009
1.
Zitat von sysopDie berühmten eigenen Gesetze: Immer wieder scheitern vermeintlich große Clubs im DFB-Pokal an sogenannten Underdogs. Was war für Sie die größte Sensation in der Geschichte des Pokal-Wettbewerbs?
Nun, der HSV scheiterte vor recht langer Zeit sowohl in Eppingen, als auch ein paar Jahre später in Geislingen. Ich glaube, die Amateurclubs spielten barfuß und hatten nichtmal einheitliche Trikots ... :) Und dann: VfB Stuttgart Amateure vs Eintracht Frankfurt (unter Magath) 6:1 Und dann der Klassiker schlechthin: Vestenbergsgreuth vs Bayern 1:0.
fjodorgarrincha 29.07.2009
2. Geehrter Ray,
Zitat von ray05Nun, der HSV scheiterte vor recht langer Zeit sowohl in Eppingen, als auch ein paar Jahre später in Geislingen. Ich glaube, die Amateurclubs spielten barfuß und hatten nichtmal einheitliche Trikots ... :) Und dann: VfB Stuttgart Amateure vs Eintracht Frankfurt (unter Magath) 6:1 Und dann der Klassiker schlechthin: Vestenbergsgreuth vs Bayern 1:0.
Ich glaube mit Ihrem Beitrag haben Sie eigentlich schon alles gesagt und den Thread somit im Grunde beendet. Hinzuzufügen wären eigentlich nur noch der Parcours von Union Berlin 2000/2001 und der von den Hertha-Amateuren 1992/1993.
Toradac 29.07.2009
3. Oder auch der...
Zitat von fjodorgarrinchaIch glaube mit Ihrem Beitrag haben Sie eigentlich schon alles gesagt und den Thread somit im Grunde beendet. Hinzuzufügen wären eigentlich nur noch der Parcours von Union Berlin 2000/2001 und der von den Hertha-Amateuren 1992/1993.
...von Energie Cottbus 1996/97, als Regionalligist bis ins Finale von Berlin marschiert und dort dem VfB Stuttgart nach zwei Elber-Toren 0:2 unterlegen; in der gleichen Saison den Aufstieg in die 2. Bundesliga bewerkstelligt.
Christian W., 29.07.2009
4.
Mir fallen noch ein: - Die Finalteilnahme der Berliner Amateure irgendwann in den 90ern - Ein Sieg von den Bayern Amateuren über Stuttgart - Ein sensationalles 6:0 von Frankfurt über Schalke, vor wenigen Jahren Und wenn ich so genauer über den Pokal nachdenke, frage ich mich, warum bekommt Oxxenbach immer so einen geilen Gegner zugelost, und Frankfurt den letzten Müll?
ddorfer 30.07.2009
5.
Zitat von sysopDie berühmten eigenen Gesetze: Immer wieder scheitern vermeintlich große Clubs im DFB-Pokal an sogenannten Underdogs. Was war für Sie die größte Sensation in der Geschichte des Pokal-Wettbewerbs?
Fortuna Düsseldorf gg. Bayern München 3-1 irgendwann in den Neunzigern.
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