Pokalderby in Offenbach Commerz schlägt Herz

Einen großen Pokalabend wollten die Offenbacher Kickers ihren Fans gegen Erzrivale Eintracht Frankfurt bieten. Doch heraus kam ein völlig hilfloser Versuch, den großen Nachbarn zu ärgern. In ähnlich schlechter Verfassung zeigten sich die Spürhunde der Polizei nach der Partie.
Von Marco Plein

"Mit Leidenschaft und Herz gegen Arroganz und Commerz." Ein riesiges Spruchband mit diesem Motto hatten die Fans der Offenbacher Kickers entrollt, noch bevor das Pokal- und Hessenderby gegen Eintracht Frankfurt angepfiffen wurde. Es war ein weiterer Ausdruck für das Duell Klein gegen Groß, Bieberer Berg gegen Commerzbank-Arena, triste Vorstadt gegen glitzernde Metropole, bissiger Underdog gegen launische Diva - was alles natürlich einen packenden Kampf und Dramatik pur versprach. Es blieb ein frommer und naiver Wunsch.

Nach elf Minuten war eigentlich schon alles vorbei. Da drückte Frankfurts Michael Fink einen von Markus Weissenberger getretenen Eckball dermaßen freistehend mit dem Fuß über die Torlinie, als hätten die Offenbacher zum ersten Mal davon gehört, dass Abwehrspieler bei Standardsitationen mitunter auch den gegnerischen Strafraum betreten. Von dieser Erkenntnis wirkten die Spieler des Zweitligisten vor 24.000 Zuschauern derart geschockt, dass sie in den restlichen achtzig Minuten bis auf zwei Möglichkeiten, die Stürmer Dino Toppmöller beide vergab, nichts mehr zustandebrachten.

"In dieser Form werden wir auch in der Liga kaum bestehen können", fasste Offenbachs Vizepräsident Thomas Kalt die Leistung seiner Mannschaft zusammen. "Ich hatte mir einen Imagegewinn von dieser Partie versprochen", sagte Kalt, "aber das Gegenteil ist leider eingetroffen". In der zweiten Halbzeit, als der OFC Druck ausüben wollte und nach vorne rückte, zeigten die Frankfurter ihre Klasse beim Kontern. Zweimal überbrückten sie das Spielfeld in einem solch hohen Tempo, dass bei den Offenbachern Schwindelgefühle aufkamen. Beide Male schloss der Japaner Naohiro Takahara erfolgreich ab. 2:0 stand es nach 61 und 3:0 nach 72 Minuten für den Vorletzten der Ersten Bundesliga. Das Spiel war entschieden.

Pokal-Viertelfinale

Paarung Ergebnis
1. FC Nürnberg - Hannover 96 4:2 i.E. (0:0)
VfL Wolfsburg - Alem. Aachen 2:0 (2:0)
K. Offenbach - E. Frankfurt 0:3 (0:1)
VfB Stuttgart - Hertha BSC 2:0 (1:0)

Bis zum Doppelschlag durch den Japaner überwog auf Seiten der Offenbacher die Hoffnung, mit einem Glückstreffer zurück ins Spiel zu finden. Die spielerischen Mittel des Zweitligisten, die durch den klitschnassen Rasen nicht gerade gefördert wurden, reichten schließlich nicht aus, um ein Tor herauszuspielen, das war frühzeitig zu erkennen. Also versuchte der OFC meist, seinen wendigen aber glücklosen Stürmer Suat Türker mit langen Bällen zu bedienen. Auf den 30-Jährigen, der in der laufenden Zweitligasaison schon elfmal traf, hatte sich die Frankfurter Abwehr jedoch schnell eingestellt.

Die Offenbacher Angriffe verpufften daher frühzeitig, die Eintracht hatte leichtes Spiel und nutzte ihre technische Überlegenheit aus. Dass die Elf von Trainer Wolfgang Frank der Eintracht spielerisch nicht das Wasser reichen würde, war ihren Fans schon vor dem Spiel klar. Dass sie aber noch nicht einmal den Versuch unternahm, mangelnde Klasse mit kämpferischem Einsatz wettzumachen, damit war kaum zu rechnen. Leidenschaft und Herz konnte man bei den Kickers an diesem Abend nicht entdecken.

Bombenstimmung nach dem Spiel

Ähnlich indisponiert wie die Spieler auf dem Rasen zeigten sich die Spürhunde der Polizei nach der Partie. Einer hatte laut Aussage der Beamten "mit dem Schwanz gewedelt", als er ein an OFC-Ehrenpräsident Waldemar Klein adressiertes Päckchen beschnupperte. Der Bombenalarm stellte sich aber als unbegründet heraus. In dem Paket befand sich wenig Explosives - das nachträglich als Geburtstagsgeschenk für Klein abgegebene Päckchen enthielt nur Wurst.

Frust bei der Polizei, Frust auch bei OFC-Coach Frank, der erklärte, das Spiel "hätte für uns kaum schlechter verlaufen können. Das frühe Tor hat den Frankfurtern in die Karten gespielt". Das klang ein bisschen so, als wolle er sich für die Vorstellung seiner Mannschaft entschuldigen. "Das zweite Tor war traumhaft. Naohiro hat eine perfekte Schusstechnik, die hat er demonstriert", lobte Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel hingegen. "Das Dritte war sehr schön herausgespielt und daher einfach zu erzielen. Das hätte ich wohl auch selbst noch hinbekommen."

"Wir waren viel zu verkrampft", kritisierte Offenbach-Coach Frank, gab aber vor, die Niederlage gar nicht so schlimm zu finden. "Jetzt können wir uns wenigstens auf die Liga konzentrieren", sagte der 56-Jährige. Den Offenbacher Fans aber stieß die Pleite deutlich bitterer auf als dem Trainer. Den Anhängern blieb nichts anderes übrig, als ihren Wunsch – "Wir sehen uns wieder, in der Zweiten Bundesliga" – minutenlang lautstark kundzutun. Dabei aber wirkten sie aber fast so hilflos wie ihre Idole zuvor auf dem Rasen. Das riesige Spruchband hatten sie schon lange eingerollt.

Kickers Offenbach - Eintracht Frankfurt 0:3 (0:1)
0:1 Fink (11.)
0:2 Takahara (61.)
0:3 Takahara (72.)
Offenbach: Thier - Weißenfeldt, Miljatovic, Happe, Rehm (64. Kreuz) - Reich (51. Müller), Wörle, Sieger (77. Agritis), Judt - Türker, Toppmöller. - Trainer: Frank
Frankfurt: Nikolov - Ochs, Kyrgiakos (46. Vasoski), Russ, Spycher - Fink - Streit (85. Preuß), Meier, Weissenberger (77. Köhler) - Takahara, Thurk. - Trainer: Funkel
Schiedrichter: Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Wörle, Happe, Müller / Russ, Takahara

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