Pokalsensation Köln entzaubert Schalke

Die Ausgangsposition war klar: Der Bundesliga-Zweite wollte und musste beim Zweitliga-Vierten gewinnen. Doch wie oft im Pokal kam alles anders. Köln besiegte den FC Schalke in einem begeisternden Spiel, profitierte aber von einer Roten Karte des Gegners und einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters.

Hamburg - Wie sich die Bilder ähneln: Schalke 04 hat wie im Vorjahr kein Glück im DFB-Pokal und kassiert in der zweiten Runde eine 2:4 (2:2, 0:2)-Niederlage nach Verlängerung beim Zweitligisten 1. FC Köln. Schon 2005 waren die "Königsblauen" nach einem blamablen 0:6 in Frankfurt in der zweiten Runde gescheitert. Nach dem Erstrunden-Aus im Uefa-Cup mussten sich die Schalker von einem weiteren Saisonziel verabschieden.

Durch ein Eigentor von Dario Rodriguez (34.) sowie einen Treffer von Milivoje Novakovic (36.) lag Köln zur Pause 2:0 vorn, die Fans schienen versöhnt für die zuletzt schwachen Leistungen in der Zweiten Liga. Doch die Gäste kamen zurück, Peter Lövenkrands (55.) und Rodriguez (75., diesmal ins richtige Tor) ermöglichten den Schalkern die Verlängerung, in der der überragende Kölner Spielmacher Thomas Broich (99.) sowie Adil Chihi (111.) die konditionellen Schwächen der Schalker ausnutzten und für die Entscheidung sorgten.

"Der Gegner hat viel zu einem guten Fußballspiel beigetragen. Schalke spielte mit, wir haben ein hohes Tempo angeschlagen. Im richtigen Moment fielen die Tore", sagte Kölns Trainer Hanspeter Latour. Das Lob des gegnerischen Coaches war durchaus berechtigt, denn Schalke versteckte sich nicht und versuchte, spielerische Akzente zu setzen. Zu loben war jedoch vor allem die Moral des Teams von Trainer Mirko Slomka, das ab der 69. Minute in Unterzahl spielen musste. Zlatan Bajramovic hatte nach einer Tätlichkeit gegen den Kölner Ricardo Cabanas die Rote Karte gesehen. "Wir haben sehr gut zurückgefunden", sagte Torwart Frank Rost, der aber eingestand, dass die Mannschaft in der Schlussphase dem Kräfteverlust Tribut zollen musste. "In der Verlängerung ist es mit zehn Mann auf so einem tiefen Boden schwer", so Rost.

Vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften Kölner WM-Stadion war von einem Klassenunterschied aber nie etwas zu sehen. Vielmehr war es der FC, der über weite Strecken das Spiel bestimmte, früh attackierte und so die technische Überlegenheit der Schalker wettmachte. Die Gäste machten es den Kölnern leicht, weil zu viele Bälle auch ohne Druck leichtfertig vergeben wurden. Pech hatten die Königsblauen, als ihnen durch Schiedsrichter Fandel ein Kuranyi Tor zu Unrecht nicht anerkannt wurde. "Wir haben durch Kuranyi das 1:0 erzielt, das war kein Abseits", sagte Slomka, der aber einräumte, dass man "verdient verloren" habe. "Wir sind extrem enttäuscht", erklärte der Trainer, der sich nun "auf die Meisterschaft konzentrieren" will.

Sichtlich zufrieden war hingegen der Kölner Spielmacher Broich, laut Latour mit einem "unheimlichen Einfluss" auf die Partie. Der Druck habe bei den Schalkern gelegen, sagte Broich, "wir waren vor heimischer Kulisse nur Außenseiter, diese Konstellation war sehr gut. Es trafen zwei spielstarke Mannschaften aufeinander, das haben wir in der 2. Liga nicht immer." Die nächste Aufgabe wird deshalb vielleicht sogar schwerer als der Pokalauftritt. Am kommenden Spieltag trifft Köln auf Zweitliga-Spitzenreiter Hansa Rostock.

Zu den weiteren Spielen der zweiten Hauptrunde

goe/sid

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.