Pokaltriumph gegen Bremen Bayern bejubelt das Double

Erst die Meisterschale, jetzt der DFB-Pokal: Der FC Bayern hat mit einem überlegenen 4:0-Sieg im Finale gegen Bremen das Double perfekt gemacht. Dem Dauerdruck der Münchner im Berliner Olympiastadion hielt Werder nicht stand.

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Hamburg - Bastian Schweinsteiger rannte zur Eckfahne, wagte ein kurzes Tänzchen an der Plastikstange und schrie seine Freude heraus, indem er sie als imaginäres Mikrofon gebrauchte. Schweinsteiger, 25, Mittelfeldstratege beim FC Bayern München, hatte soeben den Schlusspunkt unter eine Demonstration Münchner Stärke gesetzt - den vierten Treffer (83. Minute) beim 4:0 (1:0)-Erfolg im Finale des DFB-Pokals gegen Werder Bremen.

Der Triumph der Bayern, der 15. Pokalsieg in ihrem 17. Finale, stand zu diesem Zeitpunkt schon lange fest. Zu überlegen, zu dominant hatte die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal die Partie vor 75.420 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion gestaltet. Die Treffer von Arjen Robben (35./Handelfmeter), Ivica Olic (51.) und Franck Ribéry (63.) machten das achte Double der Vereinsgeschichte aus Meisterschaft und Pokalsieg früh perfekt. "Es ist schon ein besonderer Pokalsieg, weil ich auf meiner Lieblingsposition spiele", sagte Schweinsteiger nach seinem fünften Pokaltriumph.

Bayern gegen Werder, der Meister gegen den Dritten - der Klassiker war auch das Duell der beiden besten Angriffsreihen der Bundesliga. Dementsprechend schwungvoll begann die Partie: Keine drei Minuten waren absolviert, da zog Bayern-Superstar Robben von der rechten Seite in die Mitte und prüfte Tim Wiese mit einem Linksschuss aus knapp 25 Metern. Der Bremer Schlussmann lenkte den Ball über die Torlatte.

Bayern mit viel Ballbesitz und Spielkontrolle

Werder erarbeitete sich nur fünf Minuten später seine ersten Torchancen. Mittelstürmer Claudio Pizarro ließ im Bayern-Strafraum zwei Gegenspieler stehen, scheiterte dann aber aus kurzer Distanz an Hans-Jörg Butt. Münchens Keeper parierte auch den Nachschuss von Torsten Frings von der Strafraumgrenze, ehe Linksverteidiger Holger Badstuber Aaron Hunts Versuch abblockte - und so die Dreifach-Möglichkeit der Bremer endgültig zunichte machte.

Den Bayern war anzumerken, dass sie die taktischen Vorgaben ihres Trainers van Gaal konsequent umsetzen wollten - möglichst viel Ballbesitz und damit Spielkontrolle. Bremens Coach Thomas Schaaf setzte auf eine verstärkte Defensive. Mittelfeldmann Tim Borowski stand in der Startelf, Dribbelkünstler Marko Marin saß zunächst auf der Bank. Werder zog sich häufig komplett in die eigene Hälfte zurück und setzte auf schnelle, überfallartige Angriffe.

Einen dieser Hochgeschwindigkeits-Spielzüge stoppte FCB-Kapitän Mark van Bommel rüde, indem er Borowski von hinten in die Beine grätschte (11.). Mit der Gelben Karte von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer war der Niederländer in dieser Szene gut bedient.

Handspiel von Mertesacker

Die Bayern taten in der Folge weiter mehr für die Offensive, setzten Werder stark unter Druck, und Robben war an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Von Ribéry auf der linken Seite freigespielt, passte der 26-Jährige den Ball flach und scharf vors Bremer Tor - doch Ivica Olic und Thomas Müller verpassten in der Mitte haarscharf (24.). Nach Doppelpass mit Müller stand Robben plötzlich frei am Strafraum, sein Schuss ging jedoch knapp über das Werder-Tor.

Bei der Münchner Führung leistete dann Nationalverteidiger Per Mertesacker unfreiwillige Hilfe. Dem Bremer sprang der Ball im Zweikampf mit Olic an die Hand. "Es ging alles so schnell", sagte Mertesacker. Den fälligen Strafstoß verwandelte Robben sicher ins untere rechte Eck. Wiese flog zwar in die richtige Richtung, doch der Schuss war zu scharf und platziert (35.).

Schaaf reagierte auf den Rückstand und brachte zur zweiten Halbzeit Angreifer Hugo Almeida für Hunt ins Spiel. Das hätte sich beinahe schon 24 Sekunden nach Wiederanpfiff ausgezahlt, doch der portugiesische Nationalstürmer vergab nach Doppelpass mit Mesut Özil die Möglichkeit zum Ausgleich. Genau wie zwei Minuten später, als Almeida eine Hereingabe von Borowski knapp neben das Tor setzte.

Olic und Ribéry erhöhen

Die Bayern zeigten sich allerdings nur kurz irritiert - und übernahmen schnell wieder die Kontrolle. Bremen hatte bei einer Aktion von Philipp Bargfrede gegen Robben Glück, dass Kinhöfer nicht erneut auf Elfmeter entschied (50.). Nur eine Minute später durften die Münchner dann aber wieder jubeln. Mertesackers Kopfballabwehr nach einer Robben-Ecke wurde von Daniel van Buyten abgeblockt, der Ball landete vor den Füßen von Olic und der Kroate hatte keine Mühe, aus vier Metern zum 2:0 einzuschieben (51). "Genau zum richtigen Zeitpunkt", analysierte Bayern-Verteidiger Lahm. "Wir haben vieles probiert, hatten auch ein paar Möglichkeiten, aber die Bayern haben uns ständig unter Druck gesetzt", sagte Mertesacker.

Werder versuchte in der Tat noch einmal alles, Schaaf wechselte Marin für Bargfrede ein (54.). Das bot den Bayern Platz für Konter. Einen der ersten nutzte Ribéry zur Vorentscheidung. Nach einem Steilpass von van Bommel lief der Franzose allein auf Wiese zu - und vollendete aus 16 Metern per Flachschuss zum 3:0 (63.). Schweinsteigers Treffer (83.) fiel in Überzahl, Frings hatte nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte gesehen (77.).

Die nächste Bayern-Party in Berlin nach der Meisterfeier vor einer Woche konnte beginnen. Und die nächste Sause soll in Madrid steigen, nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand am kommenden Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ein Sieg dort würde aus dem Double ein historisches Triple machen.

"Wir haben noch was vor", sagte Philipp Lahm.

Werder Bremen - Bayern München 0:4 (0:1)
0:1 Robben (35., Handelfmeter)
0:2 Olic (51.)
0:3 Ribery (63.)
0:4 Schweinsteiger (83.)
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings - Bargfrede (54. Marin), Borowski (70. Jensen) - Özil - Hunt (46. Hugo Almeida), Pizarro
München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Robben (87. Altintop), Ribery - Müller (77. Timoschtschuk), Olic (80. Klose)
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Zuschauer (im Berliner Olympiastadion): 75.420 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Frings wegen wiederholten Foulspiels (77.)
Gelbe Karten: Frings, Fritz, Borowski - van Bommel, Olic

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