Polens Nationaltrainer Nawalka Der Mann, der "Fuck" so lustig ausspricht

Die deutsche Fußballnationalmannschaft tritt heute Abend gegen Polen an. Dessen Nationaltrainer Adam Nawalka hat sein Team an die Spitze der EM-Qualifikationsgruppe geführt. Doch in der Heimat ist der Coach umstritten.

Polens Nationaltrainer Nawalka: Berühmt für seine Flüche
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Polens Nationaltrainer Nawalka: Berühmt für seine Flüche

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Adam Nawalka flucht viel. Vor allem, wenn seine Spieler nicht umsetzen, was er ihnen im Training eingebläut hat, schießen die Flüche aus dem Trainer der polnischen Nationalmannschaft regelrecht heraus. Neben dem in Polen typischen "Jezus Maria" ist auch ein englisches Schimpfwort dabei. Nawalka hat es in den USA aufgeschnappt: "Fuck". Beim polnischen Coach klingt es allerdings eher nach "Faken".

"Adam war schon immer so emotional. Auch schon als Spieler", sagt Andrzej Iwan SPIEGEL ONLINE. Er hat mit Nawalka bei Wisla Krakau und in der polnischen Nationalmannschaft gespielt. "Er hat sich schon während seiner aktiven Zeit für Taktik interessiert, weshalb er gedanklich oft weiter war als der Rest der Mannschaft. Und dies konnte ihn auf die Palme bringen", so der heutige TV-Experte weiter. Nawalka zum Nationaltrainer zu machen, hält Iwan für die beste Entscheidung, die der polnische Verband im Oktober 2013 treffen konnte.

Vor zwei Jahren gehörte Iwan mit dieser Meinung noch zu einer Minderheit. Denn als bekannt wurde, dass Nawalka Nachfolger des erfolglosen Waldemar Fornalik werden soll, hielten viele Experten und Fans den Fußballtrainer für ungeeignet. Einerseits wegen seiner Emotionalität, anderseits wegen seiner bisherigen Trainerlaufbahn. "Wie kann jemand, der noch nie mit einem Klub einen Titel gewonnen hat, die Nationalmannschaft übernehmen", hieß es damals. Viele forderten das Engagement eines ausländischen Trainers.

Doch Verbandspräsident Zbigniew Boniek wollte unbedingt einen Polen: "Seine Arbeit wird allein an der Leistung in der Europameisterschaftsqualifikation gemessen", sagte Boniek, der mit Nawalka bei der WM 1978 für Polen spielte.

Die ersten Spiele der Nationalmannschaft unter der Führung von Nawalka bestätigten die Kritiker. In keiner Partie konnte die "Bialo-Czerwoni", wie das Team in Polen heißt, überzeugen. Auch deshalb, weil Nawalka in den ersten zwölf Monaten fast 70 Spieler testete.

Kritik an Nominierungen

Und Nawalka änderte das Spielsystem. Während in den vergangenen Jahren alle polnischen Nationaltrainer dem 4-2-3-1-System vertrauten, stellte Nawalka wegen des Mangels an offensiven Mittelfeldspielern auf 4-4-2 um. Seit einem Jahr spielt der ehemalige Leverkusener und heutige Profi von Ajax Amsterdam, Arkadiusz Milik, neben Robert Lewandowski im Sturm. "Mit solchen Entscheidungen hat Nawalka bewiesen, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern aus der Rolle des Klubtrainers geschlüpft ist", sagt Andrzej Iwan.

Die Kritiker hat die bisher überraschend erfolgreiche EM-Qualifikation jedoch nicht ganz zum Schweigen gebracht. Verantwortlich dafür sind vor allem die teilweise seltsamen Nominierungen Nawalkas. So berief der Coach für die kommenden zwei Qualifikationsspiele gegen Deutschland und Georgien gleich vier Torhüter: Wojciech Szczesny, Lukasz Fabianski, Artur Boruc und den Neu-Stuttgarter Przemyslaw Tyton.

Und auch die Wahl weiterer Spieler trifft nicht auf Verständnis. "Die sind teilweise nur deshalb in der Nationalmannschaft, weil sie zu den Lieblingen Nawalkas gehören", erklärt Michal Szadkowski, Journalist der "Gazeta Wyborcza", und verweist auf Thiago Cionek, Krzysztof Maczynski und Sebastia Mila.

  • Thiago Cionek ist ein Brasilianer mit polnischen Wurzeln, der 2008 zu Jagiellonia Bialystok kam und seit 2012 bei unterdurchschnittlichen Vereinen der italienischen Serie B spielt.
  • Maczynski wurde von Nawalka schon zu Gornik Zabrze geholt und erhielt auch dann Berufungen, als er für 500.000 Euro in die chinesische Liga wechselte und dort vorwiegend auf der Bank saß.
  • Sebastian Mila wiederum fiel während seiner Laufbahn immer wieder durch seine unprofessionelle Lebensweise auf. Noch vor zwei Jahren spielte er mit zehn Kilo Übergewicht, wie Mila selbst in einem Interview bekannte.

Gleichzeitig steht Mila für die überraschende Entwicklung, welche die polnische Nationalmannschaft seit der Amtsübernahme Nawalkas übernommen hat. Denn er war es, der beim historischen 2:0 gegen Deutschland im vergangenen Oktober in der 88. Minute das entscheidende Tor erzielte.

Im Video: Der Respekt vor Nawalkas Topstürmer

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insgesamt 8 Beiträge
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slade 04.09.2015
1. Spielt Boateng
macht Lewandoski keinen Stich. Dann muss nur vorne 'was gehen
exHotelmanager 04.09.2015
2.
Warum benutzt der Herr dieses unerträgliche Wort? Ich gehe davon aus, dass die damit beschriebene Aktivität beim Training und Spiel nicht tatsächlich stattfindet. Oder gehört die Nutzung der 4-letter-words beim Fußball zum "guten Ton"?
Alter Freiheitler 04.09.2015
3. Endlich!
Ich habe nicht umsonst gewartet. Das Wort fuck, weltweit mehr und mehr populaer, zieht auch in Deutschland ein. Und es gibt so schoene Steigerungen, fucking shit, z.B.
Herr-B. 04.09.2015
4.
Zitat von exHotelmanagerWarum benutzt der Herr dieses unerträgliche Wort? Ich gehe davon aus, dass die damit beschriebene Aktivität beim Training und Spiel nicht tatsächlich stattfindet. Oder gehört die Nutzung der 4-letter-words beim Fußball zum "guten Ton"?
Vermutlich ist die Schuld hierfür (wie so oft...) auf der anderen Seite des Atlantik bei unsere Freunden aus den US of A zu suchen. Bekanntlich sorgt dort die Verwendung solcher Vokabeln noch immer für den wohligen Schauer der Unanständigkeit beim durchschnittlichen Fernsehzuschauer - ähnlich, wenn auch nicht ganz so geheuchelt, verhält es sich in Großbritannien, während das Wort 'fuck' in Irland mehr oder weniger zum Füllwort verkommen ist. So kann jeder noch so schwachsinnigen TV-Serie durch blumige Sprache der hauch des Rebellischen angehängt werden. Im Zuge des US-amerikanischen Kulturimperialismus, oder besser der Kulturlosigkeit der Europäer, die diesen Schwachsinn dann auch noch zur besten Sendezeit durch den Äther jagen, verbreitet sich diese sogenannten "swear words" eben bei uns, mithin auch auf dem europäischen Fußballplatz. Ich persönlich finde dieses Wort keineswes unerträglich. Stammt es (in seiner deutschen Entsprechung 'ficken') doch von so unschuldigen Bedeutungen ab wie 'in die Tasche stecken', 'hin- und herbewegen' oder 'reiben'. Im Schwäbischen soll es das 'Fickeisen' (Bügeleisen) geben, der 'Fick' war mal eine (Hosen-)Tasche. Und alle, die heuten den schönen Nachnamen Schwertfeger besitzen, sollten sich glücklich schätzen, dass sie nicht Schwertficker heißen... Unertäglich hingegen sind Worte wie "c*nt", oder etwa das deutsche "N*ger", das erst durch seinen herablassenden Kontext seine wahre Widerlichkeit erhält...
exHotelmanager 04.09.2015
5.
Man kann also davon ausgehen, dass dieser SPON-Beitrag so irrelevant ist, dass er ohne Einsatz dieses für bestimmte Kreise attraktiven Reizwortes nicht gelesen würden.
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