Krawall nach Bundesliga Polizei kesselt Hunderte randalierende Fans ein

Es hagelte Steine, Flaschen und Barhocker: In Düsseldorf haben sich Hunderte Fußballfans aus Nürnberg eine regelrechte Straßenschlacht mit der Polizei geliefert, neun Beamte wurden verletzt. Auch in anderen Städten tobte der Mob.

Die Polizisten klingen noch immer verdattert: "Ohne erkennbaren Anlass" hätten am späten Samstagabend etwa 300 volltrunkene sogenannte Problemfans des 1. FC Nürnberg Polizisten attackiert, heißt es in einer Mitteilung. Der "Club" hatte am Nachmittag bei der Fortuna 2:1 gewonnen. In der Düsseldorfer Altstadt flogen demnach Fäuste, Flaschen und Steine. Einer Beamtin wurde ein Barhocker gegen den Kopf geschlagen. In einer ersten Lagemeldung aus der Nacht ist von "massiven Ausschreitungen" die Rede. Die Polizei musste Einsatzwagen aus den umliegenden Städten abkommandieren, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Am Sonntagmorgen hieß es zunächst, es seien sieben Beamte verletzt worden, zwei davon schwer. Doch gegen Mittag teilte das Präsidium dann mit, dass insgesamt neun Polizisten - fünf Männer, vier Frauen - nur leicht verletzt worden seien. Mehr als 280 Störer nahmen die Ordnungshüter dennoch in Gewahrsam. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden die Nürnberger Anhänger im Zentrum eingekesselt und am Sonntagmittag geschlossen aus Stadt und Bundesland eskortiert. Die Polizei will sich nun für Stadionverbote sämtlicher Gewalttäter aussprechen.

Auch in anderen Städten Nordrhein-Westfalens kam es am Samstag zu Ausschreitungen vermeintlicher Fußballfans: In Bochum musste die Bundespolizei Pfefferspray gegen etwa 200 Ultras von Hannover 96 einsetzen, die eine Gaststätte demoliert hatten. In Köln griffen etwa 250 Anhänger von Borussia Mönchengladbach mit Steinen und Feuerwerkskörpern eine kleine Gruppe FC-Fans an. Auch hier schritt die Bundespolizei ein.

"So kann es nicht weitergehen"

Die Welle der Gewalt geht unmittelbar dem nächsten Gipfeltreffen zwischen Fußball und Polizei voraus, das am Mittwoch in Frankfurt stattfinden soll. Dort wollen sich die Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit Vertretern der Deutschen Fußball Liga und des Deutschen Fußball-Bundes besprechen. Die Länder fordern, dass die Vereine sich jährlich mit zehn Millionen Euro an Projekten zur Gewaltprävention und in der Fanarbeit engagieren.

Vor allem NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will die Clubs stärker in die Pflicht nehmen: "Es kann auf Dauer nicht an der Polizei hängenbleiben, Mängel in den Sicherheitskonzepten der Vereine auszugleichen." Allein die NRW-Bereitschaftspolizei verwende 30 Prozent ihrer Einsatzzeiten auf die Sicherung von Fußballspielen. "Das ist den Steuerzahlern nicht mehr zu vermitteln", sagte Jäger SPIEGEL ONLINE. Sein Ziel sei es, weniger Beamte für den Schutz von Sportveranstaltungen abstellen zu müssen.

Nach offiziellen Angaben wurden allein in der vergangenen Saison 8100 Strafverfahren wegen Ausschreitungen bei Fußballspielen eingeleitet. "So kann es nicht weitergehen", sagte Jäger. Seiner Ansicht nach sollen die Vereine von den jährlich 600 Millionen Euro Fernsehgeldern einen größeren Teil in Fanprojekte und die Sicherheit der Arenen stecken. Die Kontrollen an den Drehkreuzen müssten verbessert und Stadionverbote konsequent durchgesetzt werden. Dafür bräuchten die Clubs höher qualifizierte Ordner, die ihre Fans auch auswärts betreuten. Sie "müssen in der Lage sein, Block- und Platzstürme zu verhindern und rivalisierende Fangruppen auseinanderzuhalten", so Innenminister Jäger.