Polizeieinsatz gegen Magdeburg-Fans in Bochum Hauptbahnhof statt Gästeblock

Eine Polizeikontrolle in Bochum hat für Ärger bei Anhängern des Zweitligisten Magdeburg geführt. Die Beamten berichten von Pyrotechnik und Flaschenwürfen. Die Fanhilfe hält den Einsatz für unverhältnismäßig.


Mit einem Sonderzug wollten etwa 700 Fans des Zweitligisten 1. FC Magdeburg zum Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum reisen. Der Verein steckt mitten im Abstiegskampf. Doch als das Spiel um 13 Uhr angepfiffen wurde, waren viele Fans noch am Bochumer Hauptbahnhof - obwohl der Zug bereits um elf Uhr angekommen war.

Der Grund: Die Bundespolizei hatte sich dazu entschlossen, die angereisten Magdeburg-Fans aus dem selbstverwalteten Sonderzug zu kontrollieren. Bei der Einfahrt hatten einige Anhänger des Klubs Pyrofackeln gezündet und aus dem Fenster gehalten. Das bestätigte auch die Fanhilfe Magdeburg, die den Einsatz dennoch kritisierte.

"Die Fans haben mit Unverständnis reagiert. Erst wurde von einigen Fans ein Protest erwogen, dann haben sich aber doch alle kontrollieren lassen. Die Maßnahme dauerte von etwa elf Uhr bis 14 Uhr", teilte die Fanhilfe mit. Die Bundespolizei twitterte um 14 Uhr: "Alle Absperrungen sind aufgehoben."

Flaschenwürfe auf Einsatzkräfte

Die Bundespolizei, die für den Einsatz zuständig war, war für SPIEGEL ONLINE nicht zu erreichen. Dem MDR sagte ein Sprecher, dass durch die Maßnahme verhindert werden sollte, dass weitere Pyrotechnik gezündet werde - insbesondere im Bahnhof selbst. Das bestätigte die Bundespolizei mittlerweile in einer Mitteilung.

Laut Polizeisprecher sollen Fans versucht haben, sich der Kontrolle zu entziehen und seien über die Gleise gelaufen. Der Zugverkehr sei daraufhin gestoppt worden, berichtet der MDR. Züge im ganzen Ruhrgebiet mussten umgeleitet werden. Nach Angaben des Polizeisprechers hätten die Fans sich nur nach und nach kontrollieren lassen, weshalb sich die Maßnahme erheblich in die Länge zog.

Gefunden wurde bei den Kontrollen laut MDR nichts. Bei der Abfahrt des Sonderzugs zurück nach Magdeburg soll es nach Angaben der Bundespolizei erneut zu Pyro-Einsätzen sowie zu Flaschenwürfen auf die Einsatzkräfte gekommen sein.

"Alle hatten sich auf diesen Tag gefreut"

Die Fanhilfe äußerte Kritik: "Wir verurteilen die Aktion und zweifeln an, dass sie verhältnismäßig war." Laut Fanhilfe hätte die Polizei genügend Möglichkeiten gehabt, die Pyro-Zündler herauszufiltern. Der Bochumer Hauptbahnhof sei stark überwacht. "Auch szenekundige Beamte aus Magdeburg waren am Gleis, die kennen ihre Pappenheimer eigentlich."

Der 1. FC Magdeburg, der seine Partie in Bochum 2:4 (0:1) verlor und auf den 17. Platz abrutschte, hat Kenntnis von den Vorfällen, wollte aber noch keine Einschätzung der Situation abgeben. Zuvor wolle man sich mit Fanvertretern und Behörden austauschen, um sich ein Bild zu verschaffen, teilte Pressesprecher Norman Seidler mit.

"Ganz klar bedauerlich ist jedoch, dass die Fans des 1. FC Magdeburg zum Großteil nicht dabei sein konnten, als die Mannschaft um wichtige Zähler in der zweiten Bundesliga kämpfte. Dies wäre von großer Bedeutung gewesen, alle hatten sich auf diesen Tag in Bochum gefreut", sagt Seidler.

bka

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