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02. August 2014, 17:42 Uhr

Bundesliga

Polizeigewerkschaft fordert 50 Millionen Euro für Fußball-Einsätze

Bremen will für Polizeieinsätze Geld von den Fußballklubs - und bekommt Unterstützung von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Deren Chef Rainer Wendt hat nun eine konkrete Summe genannt.

Hamburg - Im Streit über die Finanzierung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen hat der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, eine Pauschale der Vereine in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro pro Jahr gefordert. Mit dieser Gebühr sollen seiner Ansicht nach die erhöhten Einsatzkosten bei Risikobegegnungen aufgefangen werden, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Allerdings blieb er eine Erklärung schuldig, wie er auf diese Summe kommt und wie diese auf die einzelnen Vereine und Bundesländer umgelegt werden soll.

Wendt unterstützt damit die Forderung des Landes Bremen, den Vereinen erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Rechnung zu stellen. Das kleinste Bundesland hatte angekündigt, künftig Gebühren zu verlangen, wenn statt der üblichen einhundert bis zweihundert Polizisten bei Risikospielen des Vereins Werder Bremen bis zu tausend Beamte eingesetzt würden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte daraufhin Bremen ein geplantes Länderspiel entzogen.

Die Bremer Politiker mussten sich nach ihrem Beschluss heftige Kritik gefallen lassen. "Wir haben eine klare Vereinbarung mit der Innenministerkonferenz, dass wir unsere Präventivmaßnahmen verstärken und im Gegenzug die aus unserer Sicht verfassungswidrige Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen weiterhin nicht thematisiert wird", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Gewerkschaft der Polizei kritisiert Bremer Beschluss

Dem Verein Werder Bremen und der Weserstadion GmbH entsteht durch die Verlegung des Länderspiels nach eigener Aussage ein finanzieller Schaden von rund 600.000 Euro. "Die Zeche zahlen wir", beklagte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung: "Dass das Land Bremen aus der Solidargemeinschaft der Innenministerkonferenz ausschert, ist natürlich traurig." Filbry bezeichnete die DFB-Entscheidung, das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar nach Nürnberg zu verlegen, als "absolut nachvollziehbar".

Sogar aus den Reihen der Polizei gab es Kritik am Bremer Vorstoß. "Die Entscheidung des Bremer Senats, die Deutsche Fußball Liga künftig an den Kosten von Polizeieinsätzen zu beteiligen, schießt am Ziel, die Eindämmung der Gewalt und die Verhinderung von Straftaten, völlig vorbei", sagte Oliver Malchow, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die GdP und die Deutsche Polizeigewerkschaft sind unterschiedliche Interessenvertretungen der Polizisten in Deutschland. In der Frage der Kostenbeteiligung der Vereine an Fußball-Polizeieinsätzen vertreten sie gegensätzliche Ansichten.

Laut GdP steht die in den vergangenen Jahren gewachsene Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verbänden nun auf dem Spiel, "da vor allem kleinere und finanzschwache Vereine möglicherweise durch die Zahlung von Mitteln belastet werden, die sie sinnvoller in die Bekämpfung der Gewalt investieren könnten", sagte Malchow.

ham

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