Polizeikosten im Fußball Soli für Werder Bremen? 32 Klubs sagen Nein

Der deutsche Profifußball hat die von Werder Bremen beantragte Beteiligung an den Kosten für Risikospiele abgelehnt. Es wäre "ein völlig falsches Zeichen gewesen", sagt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Jörg Sarbach/DPA

Fußball-Bundesligist Werder Bremen muss die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen alleine tragen. Die anderen deutschen Profiklubs lehnten bei ihrer Mitgliederversammlung eine solidarische Beteiligung an den Auslagen fast einstimmig ab: Von den 34 anwesenden Vereinen - die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten in Neu-Isenburg - votierten 32 gegen den Bremer Antrag. RB Leipzig enthielt sich der Stimme.

"Wir konnten nicht solidarisch sein. Das wäre das völlig falsche Zeichen gewesen", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem zweistündigen Treffen: "Ein Fonds wäre die offene Tür für alle, die die Bundesliga zur Kasse bitten wollen." Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte: "Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet."

Bremen appellierte an die Solidargemeinschaft

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Rechnung stellen dürfen. Die DFL hatte im September Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Werder-Partien in Höhe von 1,17 Millionen Euro zwar beglichen, die Hälfte der Summe aber direkt dem Verein in Rechnung gestellt. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, war bisher ungeklärt.

Werder hatte daraufhin bei der DFL einen Antrag auf eine "angemessene Teilung" der Kosten unter den 36 Erst- und Zweitligaklubs eingereicht. Die Bremer forderten die anderen Klubs auf, gegen die Umlegung aller Auslagen auf Werder zu stimmen. Dies würde die "Solidargemeinschaft erschüttern", hieß es. Das Bremer Modell sah vor, dass sich Werder, die DFL und der jeweilige Gastverein die Kosten teilen.

Andere Bundesländer könnten Bremens Beispiel folgen

Wie erwartet scheiterte der Klub mit diesem Ansinnen. "Wir haben heute gegenüber Werder Bremen von dem Solidarprinzip, das viele Klubs in den letzten Monaten immer wieder gepredigt haben, nicht viel gesehen", sagte Klubchef Hubertus Hess-Grunewald: "Wir sind nicht damit durchgedrungen, dass sich das alles gegen die DFL insgesamt richtet. Am Ende steht Werder isoliert da - auch um ein politisches Signal zu senden."

Der Verein prüfe nun rechtliche Schritte. Das wiederum veranlasste Rummenigge dazu, dem Nordrivalen seinerseits fehlende Solidarität vorzuwerfen: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass der SV Werder Bremen die Deutsche Fußball-Liga jetzt sogar verklagen will. Der Solidargedanke war immer eine Stärke aller Mitglieder der DFL, die Werder Bremen auch in dieser Angelegenheit nicht in Frage stellen sollte", sagte Rummenigge.

Seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht, gegen die die DFL vor das Bundesverfassungsgericht ziehen wird, denken auch andere Bundesländer darüber nach, dem Beispiel Bremens zu folgen. Ab Mittwoch treffen sich die Innenminister in Lübeck. Dort wird sich zeigen, ob neben Rheinland-Pfalz noch weitere Länder auf den Bremer Kurs einschwenken.

sak/sid/dpa



insgesamt 82 Beiträge
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peho65 03.12.2019
1. Risikoveranstaltung
Wenn eine Veranstaltung so ein hohes Risikopotenzial trägt, hätte die Stadt oder auch das Land die Möglichkeit, diese Veranstaltung zu verbieten. Aber dieses Rückgrat fehlt ja in der Politik. Da könnte ja eine Wählerstimme verloren gehen. Dann also lieber weiterhin diese horrenden Kosten auf die Allgemeinheit umlegen.
lausbube61 03.12.2019
2. Alles Bestens
Wenn Spieler / Trainer/ Manger / Millionen Gehalt verdienen kann es doch sein das man sich an den Kosten des Spektakels beteiligen! Alles andere ist Unfair gegenüber der Mehrzahl der Bürger der Bundesrepublik Deutschland die nicht zu den Hochrisikospiele gehen oder auch keine Karten dafür erhalten aber über die Allgemeinheit an den Kosten beteiligt werden sollen.
naklar261 03.12.2019
3. Nichts anderes erwartet
Ich denke niemanden hat das überrascht. Vielleicht die Enthaltung von RB noch am meisten. Showbusiness halt.
ambulans 03.12.2019
4. ich kenne
das hier zugrunde liegende urteil natürlich nicht richtig, aber - wurde hier evtl. eine gesamtschuldnerische haftung aller in diesen profi-ligen organisierten fussball-clubs festgestellt? wäre das der fall, dann könnte ja jeder - der aus diesem urteil berechtigte forderungen ableiten darf - sich "den gläubiger seiner wahl" aussuchen. das wäre dann, nun ja, wohl der größte absehbare unfall (GAU) für rummenigge (nur echt mit solchen doppelungen) & co. ...
Redigel 03.12.2019
5. @1
Diese horrenden Kosten werden durch die weit aus horrenden Steuereinnahmen voll eingespielt. Wenn das so weiter geht, möchte ich auch dass das Oktoberfest und jeder Weihnachtsmarkt die Polizei bezahlt... kann man dann auf Kirmes usw. alles noch ausdehnen. Wenn ich Steuern für die Polizei zahle, dann sicherlich nicht noch ein 2. mal weil die Polizei in mein Stadtteil öfter muss als in andere. Conprende?
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