Bundesliga NRW verringert Polizeipräsenz in Fußballstadien

Bundesligaspiele ganz ohne Polizei: Das könnte in Nordrhein-Westfalen bald Realität werden. Das Landesinnenministerium plant den Rückzug aus den Stadien. Auch sollen Fans nicht mehr vom Bahnhof zum Stadion begleitet werden.
Polizisten beim Revierderby: NRW will Kosten einsparen

Polizisten beim Revierderby: NRW will Kosten einsparen

Foto: Stephan Schütze/ dpa

Hamburg - Der Streit um die Finanzierung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen geht weiter. Nach Bremen hat sich jetzt auch Nordrhein-Westfalen in der Diskussion zu Wort gemeldet, ein von Innenminister Ralf Jäger (SPD) vorgelegtes Konzeptpapier könnte radikale Folgen haben. Das Ministerium für Inneres und Kommunales plant in einem Pilotprojekt, die Polizeipräsenz bei Fußballspielen deutlich zu verringern. So steht es in dem Dokument "Einsatz der Polizei aus Anlass von Fußballveranstaltungen", das SPIEGEL ONLINE vorliegt und über das zuvor die "Bild"-Zeitung berichtet hatte. Selbst Partien komplett ohne Polizeibeamte sind demnach angedacht.

Das Ministerium will "die Zuweisung von Kräften aus Anlass von Fußballspielen" der 1. und 2. Bundesliga sowie der Dritten Liga vom 1. August bis zum 27. September kritisch überprüfen, heißt es in dem Dokument. Die neue Saison der Dritten Liga begann am 27. Juli, vergangenes Wochenende startete die Zweite Liga, die Bundesliga beginnt am 22. August. In dieser Zeit sollen "Spielbegegnungen identifiziert" werden, die gänzlich "ohne den Einsatz von Bereitschaftspolizei bzw. mit einem geringeren Kräfteansatz als in den Vorjahren" auskommen.

"Die Polizei NRW möchte ein Signal setzen"

Auch auf die Begleitung der Zuschauer vom Bahnhof zum Stadion soll verzichtet werden. Die Bereitschaftspolizei werde auch in der Bundesliga nur noch verdeckt und zurückhaltend eingesetzt werden. "Mit Beginn der Spielsaison 2014/15 möchte die Polizei NRW ein Signal setzen und die Eigenverantwortung der fußballbegeisterten Fans und der Vereine stärken", heißt es in dem Dokument.

Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga, sagte in einer Pressemitteilung: "Wir waren im Vorfeld nicht über entsprechende Konzepte informiert. Die Überlegungen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sind aber im Grundsatz durchaus nachvollziehbar. Man wird sehen, zu welchen Ergebnissen der Pilot-Versuch kommt." NRW-Innenminister Jäger habe ihm "im persönlichen Gespräch glaubhaft versichert, dass es nicht darum geht, die Polizei aus dem öffentlichen Raum zurückzuziehen".

Schon im vergangenen Jahr hatte Jäger gedroht, Heimspiele von Schalke 04 nicht mehr im vollen Umfang sichern zu wollen. Grund war damals die heftige Kritik an dem umstrittenen Einsatz der Polizisten in der Schalker Arena im Champions-League-Playoffspiel gegen Paok Saloniki. Nachdem Schalke selbst Fehler einräumte, sicherte die Polizei dann aber doch weiter wie gewohnt.

Nun soll das Projekt laut der "Bild"-Zeitung eine Reaktion auf die gestiegenen Kosten von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen sein, an denen sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) nicht beteiligen will. Bisher hat Bremen als einziges Bundesland die DFL dazu verpflichtet, sich an den Ausgaben für die Polizeieinsätze bei Fußballspielen zu beteiligen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte Bremen daraufhin die Ausrichtung des Länderspiels gegen Gibraltar entzogen.

luk/jdl
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