Portugal - England Figo & Co. schocken England

In der bislang besten Partie der EM haben die Portugiesen die als Geheimfavoriten gehandelten Engländer mit 3:2 geschlagen. Dabei führte das Team von Kevin Keegan nach 18 Minuten schon mit 2:0.


Torschützen unter sich: Portugals Figo erlebte gegenüber Paul Scholes den glücklicheren Abend
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Torschützen unter sich: Portugals Figo erlebte gegenüber Paul Scholes den glücklicheren Abend

Charleroi - Portugals Fußballer haben eine grandiose Aufholjagd gegen England mit dem ersten Sieg seit 14 Jahren gekrönt und den EM-Ambitionen des nächsten deutschen Vorrundengegners einen herben Dämpfer versetzt. Nach einem 0:2-Rückstand feierten die Südeuropäer am Montagabend im bislang besten Spiel der Endrunde einen verdienten 3:2-Sieg und schlüpften dank einer überragenden Vorstellung in die Rolle des Turnier-Mitfavoriten. Vor 33.000 Zuschauern im ausverkauften Philips-Stadion von Eindhoven sah England nach Toren von Paul Scholes (3.) und Steve McManaman (18.) bereits wie der sichere Sieger aus, stand am Ende durch die Gegentore von Luis Figo (22.), Joao Pinto (37.) und Nuno Gomes (58.) jedoch mit leeren Händen da. Am Samstag geht es für das Team von Kevin Keegan in Chaleroi gegen Deutschland schon um Alles oder Nichts.

In einem packenden, abwechslungsreichen und auf höchstem technischen Niveau stehenden Spiel erwischten die in Bestbesetzung angetretenen Engländer einen Traumstart. Nach nur 183 Sekunden verwertete Paul Scholes vom Meister Manchester United per Kopf eine Flanke seines Vereinskollegen David Beckham zur von Team-Manager Kevin Keegan angestrebten frühen Führung. Beflügelt durch das 10. Länderspieltor des 25-jährigen Rotschopfes im 25. Länderspiel dominierten die Insel-Kicker zunächst die Partie und kamen nach 18 Minuten zum 2:0 durch McManaman. Der Mittelfeldspieler vom Champions-League-Sieger Real Madrid schloss eine klasse Kombination über Michael Owen und "Flankengott" Beckham ab.

Schon zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Südeuropäer im Duell der unterschiedlichen Spielkulturen dank ihrer technischen Überlegenheit Feldvorteile und erste Chancen durch Joao Pinto (12.) und Rui Costa (15.) erarbeitet. Angetrieben von ihrem genialen Duo Luis Figo und Rui Costa, die ihre Positionen ständig wechselten und den ihnen gewährten Raum im Mittelfeld weidlich nutzten, starteten die Portugiesen eine atemberaubende Aufholjagd.

Initialzündung war eine feine Einzelleistung von Figo. Der als weltbester Rechtsaußen gerühmte Super-Techniker vom FC Barcelona krönte ein Solo über das halbe Feld mit einem unhaltbaren Schuss aus 25 m in den rechten Torwinkel. Auch beim Ausgleich standen Englands Abwehrspieler zu weit weg. In eine Flanke von Rui Costa tauchte Joao Pinto und überwand den unsicher wirkenden, in dieser Situation allerdings machtlosen David Seaman mit einem spektakulären Flugkopfball an den Innenpfosten.

Auch im zweiten Durchgang bestimmten die Portugiesen, die mit einem Durchschnitt von 28 Jahren zu den ältesten Mannschaften bei der Endrunde gehören, den Rhythmus der Partie. Während Englands Sturm mit Owen, der zur Pause in der Kabine blieb, und Alan Shearer, dessen Spritzenkur vor dem Spiel hohe Wellen auf der Insel geschlagen hatte, ohne Wirkung blieb, wirkten die Offensivbemühungen der Rot-Grünen stets gefährlich. Der für den angeschlagenen Sa Pinto ins Team gerückte Gomes nutzte nach einer knappen Stunde einen Stellungsfehler der englischen Abwehr und überwand Seaman nach schöner Vorarbeit von Rui Costa zum 3:2. Die Engländer antworteten mit wütenden, aber kaum durchdachten Attacken. Lediglich bei einer Doppelchance für Scholes (79.) geriet das von Vitor Baia gehütete Tor der Portugiesen in Gefahr.



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