Halbfinale Portugal - Wales Fünf Fakten zum Angeben

Kein Sieg nach 90 Minuten, aber unter den besten vier der EM: Wie schafft Portugal das? Und warum heißen so viele Waliser Williams? Mit diesen Fakten sind Sie heute Abend Halbfinal-Experte.

Wales-Kapitän Ashley Williams
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Wales-Kapitän Ashley Williams

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1) Der Halbfinaleinzug von Wales zeigt den Erfolg der Dreierkette.

Mehmet Scholls Wut über die deutsche Umstellung auf eine Formation mit drei Innenverteidigern hat ein taktisches Thema in die breite Öffentlichkeit gebracht. Der konkrete Vorwurf des ARD-Experten bestand dabei nicht in der Anwendung einer Dreierkette an sich, sondern in der Anpassung der Grundordnung an den Gegner Italien.

Wales wiederum spielt seit dem ersten Gruppenspiel mit drei Innenverteidigern und den zwei Außenbahnspielern Neil Taylor und Chris Gunter. Damit ist das Team von Chris Coleman der einzige EM-Teilnehmer neben Italien, der nicht mit einer Viererkette gespielt hat. Und Italien ist bekanntlich gegen Deutschlands Dreierkette ausgeschieden. Mit anderen Worten: Bisher spricht die Bilanz für dieses System. Portugal jedenfalls wird sicher mit vier Verteidigern auflaufen.

2) Portugal steht im Halbfinale, obwohl die Mannschaft kein Spiel in 90 Minuten gewonnen hat.

Nach drei Unentschieden in der Gruppenphase setzte sich Portugal im Achtelfinale erst kurz vor dem Ende der Verlängerung durch ein Tor von Ricardo Quaresma 1:0 durch. Im Viertelfinale gegen Polen musste die Seleçao ins Elfmeterschießen. Da die beiden K.-o.-Spiele gegen Kroatien und Polen noch dazu sehr defensiv geprägt waren, hat sich der Eindruck gebildet, die Mannschaft von Fernando Santos habe den Halbfinaleinzug nicht verdient.

Das stimmt bei genauerer Betrachtung aber nicht. Denn in allen drei Vorrundenspielen war Portugal jeweils klar die bessere Mannschaft, gemessen an Spielanteilen und Chancen. Einzig gegen Kroatien hatte der Gegner mehr Torschüsse aus dem Strafraum als die Portugiesen selbst.

Von allen 24 EM-Teilnehmern schoss nur England im Schnitt häufiger pro Spiel aufs gegnerische Tor als Portugal. Daraus macht die Mannschaft aber eindeutig zu wenige Treffer. Das einzige Spiel, in dem Portugal weniger Schüsse abgab als der Gegner, war das einzige, das sie ohne Elfmeterschießen gewonnen haben. So gesehen ist es nicht abwegig, eine defensivere Spielweise anzustreben, denn die beherrscht Portugal sehr gut.

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Portugal bei der EM: Nicht schön, aber erfolgreich

3) Unter Fernando Santos hat Portugal noch kein Pflichtspiel verloren.

Nach der blamablen Heimniederlage gegen Albanien in der EM-Qualifikation wurde Paulo Bento im September 2014 als portugiesischer Nationaltrainer entlassen. Fernando Santos übernahm und gewann alle sieben verbliebenen Qualifikationsspiele. Bei der EM ist Portugal ebenfalls noch ungeschlagen.

Zugegeben: Die ganz großen Gegner waren in diesem Zeitraum nicht dabei, Portugal spielte unter Santos gegen Dänemark, Armenien, Serbien, Albanien, Island, Österreich, Ungarn, Kroatien und Polen. Aber Wales ist ja auch kein großer Gegner im klassischen Sinne.

4) Nicht verwandt und nicht verschwägert: Waliser heißen gerne mal Williams.

Vier Spieler im walisischen Kader heißen Williams: Kapitän Ashley, Ersatztorwart Owain Fôn, Mittelfeldspieler Jonathan und Stürmer George. Ist das ein irrwitziger Zufall der Stochastik oder steckt mehr dahinter?

Erst im 19. Jahrhundert setzte sich in Wales das in England gängige System von Familiennamen vollständig durch. Bis dahin hießen Waliser gerade in ländlichen Gegenden oft nach ihrem Vater oder hatten einfach Spitznamen. Heute ist die Auswahl an Nachnamen in Wales deutlich geringer als in den meisten anderen europäischen Ländern. So decken die drei Namen Jones, Williams und Davies zusammen mehr als 13 Prozent der walisischen Bevölkerung ab. Zum Vergleich: Die drei häufigsten deutschen Nachnamen Müller, Schmidt und Schneider bringen es zusammen auf gerade einmal zwei Prozent.

Kein Wunder also, dass sich unter den 23 Spielern des walisischen Kaders vier mit dem gleichen Nachnamen finden. Genauso war es übrigens auch bei vielen Rugby-Weltmeisterschaften, bei denen vier Spieler mit dem Namen Jones im walisischen Aufgebot standen.

5) Alles könnte auf Andy King ankommen. Aber der kennt das schon.

Ein wesentlicher Nachteil für Wales besteht im Halbfinale darin, dass Aaron Ramsey, einer ihrer besten Spieler, gegen Portugal gesperrt ist. Was tun? Hinter Gareth Bale operiert Trainer Chris Coleman gerne mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Joe Ledley von Crystal Palace gibt dabei den defensivsten Part, ihm assistierten bisher Ramsey und Joe Allen.

Ramsey wird jetzt von Andy King vertreten. Das ist die sicherere Variante gegenüber etwa Jonny Williams. King ist im Mai mit Leicester City sensationell Englischer Meister geworden. Allerdings vertraute Leicesters Trainer Claudio Ranieri über die Saison gerne einer eingespielten Mannschaft, zu der King nicht als Stammspieler gehörte. Aber bei 16 Einwechslungen bewies der Engländer, der durch seinen Großvater für Wales spielberechtigt ist, seinen Wert als Joker. Ein gutes Omen?

Und ganz nebenbei gibt es zusätzlich zu diesen Geschichten ja auch noch das Duell der Superstars:

imago


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