Portugals Figo "Die EM ist unsere letzte Chance"

Er ist erst 27, sieht aber aus wie mindestens Mitte 30: Luis Figo, Superstar bei Deutschlands Gruppengegner Portugal. Bei der EM 2000 will der Rechtsaußen des FC Barcelona endgültig aus dem Schatten des legendären Eusebio treten.


Portugals Rechtsaußen Luis Figo
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Portugals Rechtsaußen Luis Figo

Eindhoven - Nach Meinung vieler Experten kann Luis Figo zum Superstar der Titelkämpfe werden. "Er ist ein wundervoller Spieler und gemeinsam mit David Beckham der beste Rechtaußen der Welt", sagt etwa Englands Teammanager Kevin Keegan.

Doch um auf einer Stufe mit dem legendären Eusebio zu stehen, der die Portugiesen 1966 bei der WM in England auf den dritten Rang führte, muss Figo endlich auch mit der Nationalmannschaft Erfolg bei einem großen Turnier haben. Und viel Zeit gibt er sich nicht mehr: "Es ist unsere letzte Chance", glaubt der Stürmer.

Ins internationale Rampenlicht hat sich Figo vor allem beim FC Barcelona gedribbelt. Dort holte er den Europacup der Pokalsieger 1997 sowie je zweimal die Meisterschaft und den nationalen Pokal. "Die Titel, die wir gewonnen haben, haben mir geholfen, mein Ansehen zu steigern. Daher bin ich sehr glücklich, dass der Klub mich geholt hat", sagt Figo artig.

Kaum einer kannte den Jung-Nationalspieler, als er 1995 von Sporting Lissabon in die katalanische Metropole wechselte. Zuvor hatte Figo bereits zwei Verträge bei Juventus Turin und beim AC Parma unterschrieben: Der Weltverband Fifa entschied daraufhin, dass der Umworbene zu keinem der beiden Klubs gehen durfte. So bekam "Barca" für gerade einmal 4,3 Millionen Mark den Zuschlag. Ein lohnenswertes Geschäft für den 16-fachen spanischen Meister: Inzwischen wird Figos Marktwert mit rund 100 Millionen Mark angegeben. Der scheidende Präsident Luis Nunez erklärte den Publikums-Liebling, der noch Vertrag bis 2005 hat, allerdings für unverkäuflich.

Die Fans liegen Figo in der Stadt am Mittelmeer zu Füßen - er seinen Mitspielern aber auch: Laut Statistik war der Angreifer der effektivste und zugleich der am häufigsten gefoulte Akteur in der Champions League. 2Er kann alles am Ball und ist einer der besten Spieler der Welt", urteilt sein letzter Coach Louis van Gaal. Der Meinung schlossen sich auch die Trainer der spanischen Primera Division an und wählten ihn zum besten Ausländer der Liga. In Portugal wurde er in den letzten fünf Jahren als Fußballer des Jahres ausgezeichnet und selbst der kleine Sohn von Welt-Fußballer Rivaldo (Brasilien) hat Luis Figo gegenüber dem Vater den Vorzug gegeben und zu seinem Lieblingsspieler gekürt.

Dem persönlichen Höhenflug steht aber der Misserfolg mit der Nationalelf gegenüber. Zwar gewann Figo zusammen mit dem Großteil des aktuellen Kaders im Juniorenbereich 1989 die "U 18"-EM und 1991 im eigenen Land die "U 20"-WM. "Die Struktur des Teams hat sich in den vergangenen Jahren kaum geändert. Ich glaube, dass wir immer technisch guten Fußball gespielt haben", sagt Figo. Doch meist starben die Portugiesen in Schönheit: Bei der EM 1996 (0:1 im Viertelfinale gegen Tschechien) und in der folgenden Qualifikation zur WM 1998 (gegen Deutschland) scheiterten sie an ihrer gravierenden Abschluss-Schwäche. Trotzdem ist Figo für die Euro 2000 zuversichtlich: "Wir hatten immer Probleme, die Tore zu machen. Aber im Moment funktioniert es. In der Qualifikation gehörten wir zu den Teams mit den meisten Treffern."



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