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Aus für Portugal: Spanien siegt, Costa fliegt

Foto: Oliver Weiken/ dpa

Portugals WM-Aus Schwacher Abgang einer Diva

Cristiano Ronaldo sollte Portugal anführen - doch fußballerisch war der teuerste Spieler der Welt in Südafrika nicht zu gebrauchen. Beim WM-Aus im Achtelfinale gegen Spanien zeigten nur wenige seiner Teamkollegen wahre Größe.

Eduardo Dos Reis Carvalho sank auf den Rasen. Er weinte bitterlich. Der portugiesische Schlussmann, der vor vier Jahren noch zeitweise nur in der zweiten Mannschaft des Provinzvereines SC Braga kickte, ließ sich auch von zwei Betreuern nach dem 0:1 im Achtelfinale gegen Spanien nicht wirklich trösten. Erst als sein spanischer Torwartkollege Iker Casillas stolzen Schrittes zu ihm kam, stand Eduardo auf und ließ sich in den Arm nehmen. Mannhaft.

David Villa

Eduardo, 27, hatte schon während des Spiels wahre Größe gezeigt - und im Grunde konnte er als einer der wenigen portugiesischen Profis an diesem stürmischen Tag in Kapstadt all seine Qualitäten in die Waagschale werfen. Doch das erste und einzige Gegentor - erzielt von nach 63 Minuten - genügte bei diesem Turnier, um die Selecção ausscheiden zu lassen.

Dass der spanische Top-Stürmer bei seinem vierten Turniertreffer - erzielt nach einem feinen Hackentrick von Xavi - hauchdünn im Abseits stand, war gar nicht mal der Grund für Eduardos Traurigkeit. Direkt nach Spielschluss wollte niemand von Portugals Protagonisten dem argentinischen Referee Hector Baldassi und seinem Assistenten einen Vorwurf machen - es war eine jener Millimeter-Entscheidungen, die erst in Super-Zeitlupe am Bildschirm zu sezieren sind.

"Ich hatte das Gefühl, dass es Abseits war. Das ist schade, aber was bedeutet das?", fragte Ricardo Carvalho und der 32-jährige Abwehrrecke vom FC Chelsea schob den entscheidenden Einwand gleich hinterher: "Um so ein Turnier zu gewinnen, reicht es nicht, nur hinten gut zu sein. Man muss auch vorne mehr Chancen kreieren."

Ronaldo war bei diesem Turnier nicht zu gebrauchen

Cristiano Ronaldo, Megastar

Ein sehr sachdienlicher Hinweis, der gleich an jenen Mann weitergereicht werden könnte, der auch im Greenpoint-Stadion überwiegend als großes Ärgernis aufgefallen war: . Aber seinem Führungsanspruch wurde der Kapitän als kickende Pop-Ikone abermals nicht gerecht.

Einer der vermeintlich größten Unterhaltungskünstler entschied sich früh dazu, seine Beiträge fürs große Ganze auf vereinzelte Selbstdarstellungen zu reduzieren. Die männliche Diva "CR 7" mag ja noch die weibliche Kundschaft weltweit verzücken - fußballerisch ist der ehemalige Weltfußballer bei diesem Turnier nicht zu gebrauchen gewesen. Seine ständigen Schauspieleinlagen, seine sinnfreien Finten, sein absurdes Abwehrverhalten - all das kann den Fußballfreund eigentlich nur nerven.

Der noch in der Nacht zu Mittwoch vollzogene Rücktritt von Spielmacher Deco dürfte dagegen ein bisschen Wehmut hinterlassen. "Aus persönlichen Gründen werde ich leider nicht mehr spielen. Portugal wird für immer in meinem Herzen bleiben", sagte der in Brasilien geborene Mittelfeldspieler, der in Südafrika nur im Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste (0:0) für 62 Minuten mitmachen durfte. Der 32-Jährige spürt sein Alter.

Aber Mitspieler Ronaldo? Müsste mit 25 Jahren eigentlich in der Blüte seines Schaffens stehen. Dass der polarisierende Poser jedoch fast schon demonstrativ beim Abgang vor der Kamera ausspuckte; dass er später aus der Mixed Zone kommentarlos flüchtete, passte nur zum traurigen Bild, das er abgab. In seinem Operettendasein müsste dringend ein Regulativ installiert werden. Statt Applaus setzte es am Ende nach einem missglückten Freistoß sogar Pfiffe.

Doch jede Kritik an seiner Nummer sieben und auch die Frage nach der richtigen Auswahl zum Anführer verbat sich indes Nationaltrainer Carlos Queiroz. "Er ist unser Kapitän, unser Leader. Diese Entscheidung steht lange und dafür gib es gute Gründe. Daher stellt sich diese Frage nicht." Der 57-jährige Theoretiker verwunderte ohnehin mit seiner Zusammenfassung: Würdig habe sein Ensemble den portugiesischen Fußball vertreten, behauptete Queiroz, Hingabe und Leidenschaft habe die Mannschaft gezeigt und zeitweise sogar brillant gespielt. "Schade, Spanien war das effizientere Team. Sie behaupten den Ball sehr gut. Keiner kann das besser als sie."

Keine Selbstzweifel, viel Selbstbewusstsein

Immerhin mit letzterer Einschätzung lag der portugiesische Nationalcoach ja richtig, denn bei 61 Prozent Ballbesitz und 19:9 Torschüssen gab es am Ende an der Rechtfertigung des spanischen Sieges nichts zu rütteln. "Uns geht es wunderbar. Wir waren die zweite Halbzeit viel besser, haben das Spiel gut kontrolliert. Jetzt dürfen wir nur keine weiteren Fehler machen, dann wird es ganz schwer, gegen uns zu bestehen", konstatierte Trainer Vicente del Bosque in seiner typisch unaufgeregten Art.

Keine Silbe verlor der 59-Jährige über ein mögliches Halbfinale gegen Deutschland oder Argentinien, weil aller Fokus dem Viertelfinale am Sonntag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Paraguay gelte. In Johannesburg warten zähe südamerikanische Defensivkünstler, "die haben sich toll verkauft, ihnen müssen wir sehr respektvoll begegnen", sagte del Bosque und zupfte an seinem ergrauten Oberlippenbart.

Doch Selbstzweifel verraten solche Gesten nicht. Mit dem dritten Sieg hintereinander hat der Europameister sein Selbstbewusstsein zurückgewonnen. "Wir wollten unseren Stil durchbringen", sagte Taktgeber Xavi aus der Barcelona-Ballzirkulationsschule, "das ist uns gelungen und deshalb hat dieses Spiel Spaß gemacht. Es war das beste, das wir bisher bei dieser WM gezeigt haben."

Den eigentlich irregulären Treffer hat dabei niemand wirklich diskutieren wollen. Auch Villa nicht, der nach der umgangenen Sperre durch den Weltverband nun Glück hatte, dass sein Abseitstor zählte: "Keine Ahnung", sagte der 28-jährige Torschütze, "es war schwer genug, diesen Abwehrriegel zu überwinden. Das Tor zählt, das ist das Wichtigste. Jetzt fühlen wir uns stark genug für Paraguay." Und sicher nicht nur das.

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