Präzedenzfall Streit um Wacks Videobeweis

Franz-Xaver Wack hat im Bundesligaspiel zwischen Leverkusen und Stuttgart für Diskussionsstoff gesorgt. Angeblich revidierte der Unparteiische eine Fehlentscheidung, weil er auf der Stadionleinwand die Wiederholung der Spielszene sah. Schiedsrichter-Obmann Hellmut Krug bestreitet den Einsatz des noch unerlaubten Videobeweises.


Umstrittene Entscheidungen: Wack beim Abgang in Leverkusen
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Umstrittene Entscheidungen: Wack beim Abgang in Leverkusen

Leverkusen - Der 27. Februar 2005 könnte als historisches Datum in die deutsche Fußball-Geschichte eingehen: Schiedsrichter Wack, Zahnarzt aus dem bayerischen Biberbach, soll in der 41. Minute beim 1:1 (0:0) zwischen Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart kurzerhand den Videobeweis im deutschen Profifußball eingeführt haben, nachdem er seine ursprüngliche Entscheidung Abstoß nach Studium der Bilder im Stadion-TV auf Eckball revidiert hatte. Doch ob der Referee wirklich die Leinwand zu Hilfe genommen hat, ist fraglich.

Schiedsrichter-Abteilungsleiter Krug stellte sich vor seinen Schützling. "Er hat mir gesagt, dass er nicht anhand der Videobilder im Stadion entschieden hat, sondern nach Intervention des Assistenten", sagte Krug. Dieser habe den Signalknopf an der Fahne gedrückt, um Wack auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Deshalb basiere die Entscheidung nicht auf einem Videobeweis. "Das wäre auch nicht erlaubt", sagte Krug.

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Präzedenzfall: Streit um Wacks Videobeweis

Schiedsrichterbeobachter Peter Gabor zeigte sich erzürnt, dass der Unparteiische auf Grund der Bilder im Stadion überhaupt in Verlegenheit gebracht wurde: "Es geht nicht, dass solche strittigen Szenen gezeigt werden." Heute ließ der DFB ausrichten, dass das Zeigen strittiger Spielszenen auf der Videoleinwand nicht gestattet sei.

Laut der von der DFL den Vereinen im Juni 2004 schriftlich zugesandten "Richtlinien über individuelle Verwertung und Vermarktung medialer Rechte" dürfen strittige Szenen nicht im Stadion-TV gezeigt werden. In Paragraph 5 ist festgelegt, dass die Vereine nur berechtigt sind, die Wiederholungen von Toren auf der Leinwand zu zeigen, und dies nur direkt im Anschluss an ein Tor in einer Länge von maximal zehn Sekunden. "Bayer Leverkusen hat klar gegen die Richtlinien verstoßen. Inwiefern dies zu Konsquenzen führen wird, müssen wir noch klären", sagte DFL-Sprecher Tom Bender.

In der Anfangsphase der Partie in der Bay-Arena schon hatte Wack ein klares Foul von Markus Babbel an Dimitar Berbatow (14.) zunächst nicht gesehen, nach Beendigung der nächsten Spielsituation seinen Assistenten an der Linie kontaktiert und nachträglich auf Freistoß für Bayer sowie Verwarnung für Babbel entschieden. "Es geht darum, langsam und richtig zu entscheiden, anstatt schnell und falsch", verteidigte Wack sein Vorgehen in diesem Fall. Die meisten Experten allerdings hätten eine Rote Karte für den VfB-Verteidiger für angemessen gehalten.



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