Spieler-Käufe in der Premier League Liga der fetten Schecks

Vor dem Start der neuen Premier-League-Saison haben englische Klubs teils extreme Summen in neue Spieler investiert - und zwar nicht nur Spitzenvereine. Ausgerechnet die Bayern klagen jetzt: "England kauft die Bundesliga leer".

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Tyrone Mings, Abwehrspieler, 22 Jahre alt, wechselte in diesem Sommer für 11,3 Millionen von Ipswich Town zum AFC Bournemouth. Am kommenden Wochenende spielt sein neuer Klub zum Auftakt der Premier-League-Saison gegen Aston Villa. Das Besondere daran?

Bournemouth ist ein Aufsteiger, Ipswich spielt weiter in der zweiten Liga. Es wäre, als würde sich Darmstadt plötzlich für einen zweistelligen Millionenbetrag bei Eintracht Braunschweig bedienen. Der Wechsel beschreibt die Verhältnisse auf dem englischen Transfermarkt.

Mit ihren Ausgaben hat die Premier League im Sommer alle anderen Ligen mal wieder weit hinter sich gelassen." Insgesamt gaben die englischen Erstligisten bereits über 700 Millionen Euro aus, verbuchten zusammen ein Transfer-Minus von über 250 Millionen. Die Bundesliga investierte knapp 300 Millionen Euro und hat damit bisher nur gut 25 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen.

"England kauft unsere Bundesliga leer", erregte sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Sommer. Tatsächlich wechselten acht Spieler aus der Bundesliga nach England. Der prominenteste Transfer war der von Nationalmannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger zu Manchester United. Für Hoffenheims Roberto Firmino zahlte Liverpool mit 41 Millionen Euro eine der höchsten Ablösen der letzten Monate. Aber auch innerhalb der Premier League wurden enorme Summen investiert, allen voran für Raheem Sterling, der vom FC Liverpool zu Manchester City wechselte. Mit 68 Millionen Euro schaffte es dieser Wechsel in die Top Ten der teuersten Transfers der Geschichte.

Vor allem die lukrativen Fernsehrechte machen englische Klubs finanziell stärker als die deutschen. Deshalb beschränken sich Transfers mit astronomischen Ablösesummen eben nicht nur auf die Spitzenklubs. Der FC Liverpool spielt zwar nur in der Europa League, wenn es um die Ausgaben um Sommer geht, steht der Verein allerdings an der Spitze: Über 100 Millionen Euro ließ sich der Traditionsverein neue Spieler kosten - er nahm aber eben auch etwa 70 Millionen ein.

Zweistellige Transfersummen sind in England derzeit absolut üblich. 29 der Zugänge zur Premier League kosteten mindestens zehn Millionen Euro, in Deutschland waren es sechs.

Durch die hohen Transferausgaben stehen die englischen Klubs aber auch in der Pflicht. Zuletzt hatte es kein Verein aus der Premier League ins Halbfinale der Champions League geschafft. Das soll sich diese Saison ändern. Und bei einem Fehlstart am Wochenende? Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet, es darf weiter investiert werden.



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poetnix 07.08.2015
1. Was solls!
Ist doch moderner Sklavenhandel! Alle 4 Jahre werden sie dann zu einer sog. WM auf dem Markt der Sklavenhändler zusammengerufen und müssen zeigen, dass sie ihren Kaufpreis wert sind. Dass sich die Bayern beschweren ist doch verständlich, gehören sie doch zu den Großen dieses Sklavenmarktes.
Bueckstueck 07.08.2015
2. Champions League
Mal sehen ob es diese Saison zu mehr als nur Staffage um die Spitze reicht. Ich glaube es wenn ich es sehe. Denn bei den Trainer Verpflichtungen scheinen die Vereine weder visionär noch risikofreudig sondern eher altbacken zu agieren. Kontiniutät ist ja schön und gut, aber es herrscht dort vor allem Stagnation. Die (zum Teil ehemals) grossen Namen bleiben immer die gleichen und die Schleudersitzkandidaten ebenso. Und wenn dann mal ein neuer Name mit neuen Ideen eine Chance kriegt, wird er im zunächst zu erwartenden Misserfolg schnell abgeschossen und durch einen altbekannten ausgetauscht. So dreht sich der Brummkreisel schön weiter und die grossen Titel gehen in andere Länder - (un)glückliche Zufälle wie Chelski vor einigen Jahren mal ausgeklammert.
bernteone 07.08.2015
3. geld allein macht kein erfolg
die können mit geld rumschmeißen wie sie wollen , das ändert erst mal nichts an der erfolglosigkeit des englischen fußball und herr rummenigge soll sich mal an die eigene nase fassen und nicht rumjammern , denn die andere hälfte kaufen die bayern .
ProDe 07.08.2015
4. Fussball ist nunmal ein Geschäft
Die "Vereine" sind in Wirklichkeit Firmen, tlw. Aktiengesellschaften. Auch in der Bundesliga. Das Ziel ist wirtschaftlicher Erfolg. der Sportliche Erfolg ist genauso wenig Ziel wie der Vereinsgedanke. Das Mittel zum Zweck. Ist halt so. Ich habe da auch kein Problem damit. Mein einziges Problem ist zu verstehen wie es da noch passieren kann, dass es Menschen gibt, die Emotionen für einen CLub entwickeln können bis dahin, dass man sich mit anders denkenden sich prügelt. Man stelle sich vor, dass Menschen mit Aldi T-Shirt auf andere mit Lidl, Netto oder Kaisers T-Shirt losgehen. Ist doch absurd. Bei Automarken oder Smartphones gibt es diese emotionale Bindung sogar teilweise auch - jedoch nicht in dem Maße wie beim Fußball. Auch interessant ist, dass diese Firmen wie andere Industriezweige ebenfalls subventioniert werden und sich Gedanken um die globale Wettbewerbsfähigkeit machen. Sei es bei der Besteuerung der Spielergehälter oder beim Bezahlen von Polizeieinsätzen für deren Veranstaltungen.
yomow 07.08.2015
5. Dann lasst sie da drüben doch machen...
...kann uns doch egal sein. Hauptsache die Bundesliga bleibt so wie Sie ist (ein bisschen weniger Kommerz wäre ganz gut, aber so ist alles noch im Rahmen). Erschwingliche Preise, gute Stimmung, volle Stadien, lebendige Fankultur. Jetzt muss es nur wieder etwas spannender werden. Zumindest an der Spitze. Sollen die Engländer doch die Liga leer kaufen (wird eh nicht passieren), bei der EM/WM fliegen sie sowieso wieder in der Vorrunde raus und wir rocken das.
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