5:0-Demontage in der Premier League Liverpool zeigt Manchester United, was ein Spitzenteam ausmacht

Frustfouls, ein Platzverweis, ein Abseitstor, ein Lattenschuss: Für Manchester United kam gegen Liverpool alles zusammen. Beim Gala-Auftritt von Mohamed Salah trübten nur zwei Verletzungen die Freude der Reds.
Mohamed Salah erzielte drei Tore und legte eines vor

Mohamed Salah erzielte drei Tore und legte eines vor

Foto: Michael Regan / Getty Images

Tiefschlag des Spiels: Der Frust der United-Spieler saß tief nach 45 Minuten, als die Anzeigetafel im Old Trafford noch ein 0:3 auswies. So tief, dass Superstar Cristiano Ronaldo sich dazu hinreißen ließ, dem am Boden liegenden Curtis Jones den Ball an den Unterleib zu schießen, so tief, dass Fred das Bein im Zweikampf mit Naby Keïta fast auf Kopfhöhe riss. Beide Aktionen ahndete Referee Anthony Taylor mit der Gelben Karte. Ausgestanden war die Blamage, der sich die Red Devils so trotzig-rustikal entgegenstellten, aber noch immer nicht: In Folge der Fouls wurde eine Extraminute auf die drei Minuten Nachspielzeit aufgeschlagen – Mohamed Salah nutzte sie zum 4:0. Manchester United taumelte nicht mehr, Manchester United war am Boden.

Das Ergebnis: 45 Minuten später erlöste der Schlusspfiff United. Der FC Liverpool ging als strahlender Sieger vom Platz, nachdem der große Erzrivale in seinem eigenen Wohnzimmer mit 5:0 (4:0) deklassiert wurde.

Erste Hälfte: Der Ballbesitz? Die Anzahl der Abschlüsse? Jeweils beinahe ausgeglichen. Was Jürgen Klopps Mannschaft von United unterschied, war die Qualität der Aktionen. Einmal, weil jeder LFC-Angriff mit Verve, aufeinander abgestimmten Laufwegen und scharfen Pässen vorgetragen wurde, einmal, weil nur United riesige Patzer unterliefen. So musste Luke Shaw vor dem 0:1 als Ein-Mann-Abwehrkette gegen drei Gegenspieler verteidigen, Keïta traf mühelos (8.). Vor Diogo Jotas Treffer (13.) irritierten sich Shaw und Harry Maguire gegenseitig. Einzig Salah wäre, trotz jeweils glücklicher Torentstehung, wohl auch fehlerlos kaum zu verteidigen gewesen (38., 45.+4).

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Generationen-Wechsel: In Livermore, Kalifornien brennt seit 120 Jahren eine schier unkaputtbare Glühbirne. In Liverpool, England heißt ihr Fußball spielendes Äquivalent James Milner. Der Musterprofi ist zwar erst 35, mit einem Premier-League-Debüt im Jahr 2002 (!) aber der Methusalem im Liverpool-Kader. Was an seinem Stammplatz freilich nichts ändert, fünfmal in Folge lief Milner zuletzt von Beginn an auf. Bis zum nächsten Startelfeinsatz könnte es dauern: Milner verletzte sich ohne Gegnereinwirkung, an seine Stelle trat Curtis Jones. Der war bei Milners Ligadebüt ein ganzes Jahr alt.

Der Beste der Welt: Im Jahr zwei nach Curtis Jones' Geburt (2003 nach unserer Zeitrechnung) erzielte letztmalig ein Gäste-Spieler drei Tore im Old Trafford. Bereits zur Pause war Mo Salah drauf und dran, nach 18 Jahren wieder so ein United-Schreck zu werden wie damals »Il Fenomeno«, der brasilianische Ronaldo, bei seinem Gastspiel mit Real Madrid. Es passt, dass man Salahs Leistungen in einem Atemzug mit Spielern wie dem dreifachen Weltfußballer nennen muss, um sie ansatzweise einzuordnen: Zehn Tore und fünf Vorlagen stehen für den Ägypter nach neun Premier-League-Spieltagen zu Buche. Vielleicht ist Salah derzeit der beste Spieler, der über die Rasenplätze dieser Welt läuft.

Zweite Hälfte: Viel mehr als die 15 Minuten Gnadenfrist der Pause ließ der FC Liverpool United nicht: Nach feinem Außenristpass von Jordan Henderson machte Salah seinen Hattrick perfekt (50.). United war um Schadensbegrenzung bemüht, aber einen möglichen Ehrentreffer von Cristiano Ronaldo verhinderte der Video-Assistent (52.) aufgrund einer Abseitsstellung, Edinson Cavanis Großchance vereitelte die Unterkante der Latte (83.). Viele Fans sahen die Gelegenheit des Uruguayers gar nicht mehr, die United-Anhänger verließen Old Trafford bereits nach dem 0:5 in Scharen.

Ein Foul mit Folgen: Dass Liverpool nicht mehr nachlegte, dürfte nicht nur der Schonung zu verdanken, sondern auch ein Friedensangebot gewesen sein. Nach dem Doppel-Gelb vor der Pause holte sich der zur Pause eingewechselte Paul Pogba glatt Rot ab, nachdem der Weltmeister Keïta rüde umgetreten hatte (61.). Der Ex-Leipziger, der neben seinem Treffer auch eine Vorlage beigesteuert hatte und sich erstmals seit seinem Wechsel 2018 in der ersten Mannschaft der Reds festzuspielen schien, musste verletzt vom Feld getragen werden.

Runter mit dir: Paul Pogba ging mit glatt Rot vom Platz

Runter mit dir: Paul Pogba ging mit glatt Rot vom Platz

Foto: PETER POWELL / EPA

Die Summe ihrer Teile: In Manchester werden nach der dritten Premier-League-Niederlage in Folge Fragen gestellt werden. Wo kam der Klassenunterschied her? Die Antwort ist wohl, dass die Reds United gar nicht erst in seine Einzelteile zerlegen musste. United tritt immer als Ansammlung von Einzelteilen an. Das reicht oft zum Sieg. Doch eine Weltklassemannschaft wie die Reds, die als Kollektiv funktioniert, bestraft ein bruchstückhaftes Pressing wie vor dem 1:0. Liverpool presst nach klaren Mustern, sie spielt Kombinationsfußball nicht als Zufallsprodukt individueller Genialität, sondern in eingeübten Spielzügen. Ole Gunnar Solskjærs Mannschaft hingegen hat kein Markenzeichen, mal abgesehen davon, dass jeder Fußballer für sich Talent besitzt. Da es dafür keinen Trainer braucht, ist der Job des Norwegers mehr denn je in Gefahr.