Streit zwischen Ex-Fußballprofis Shearer und Owen Sturm und Zank

Die ehemaligen englischen Angreifer Michael Owen und Alan Shearer zoffen sich öffentlich über Enthüllungen in Owens Autobiografie. Was steckt dahinter?

Das Jahr 2009 war das Ende einer Freundschaft: Michael Owen und Ex-Teamkollege Alan Shearer
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Das Jahr 2009 war das Ende einer Freundschaft: Michael Owen und Ex-Teamkollege Alan Shearer

Von , Manchester


An diesem Donnerstag erscheint die Autobiografie des einstigen englischen Nationalstürmers Michael Owen. Sie heißt "Reboot - My life, my time" und dürfte sich gut verkaufen, wenn man die aktuelle Aufregung als Maßstab nimmt, die sie schon vor der Veröffentlichung ausgelöst hat.

Wie bei solchen Werken üblich, sind ausgewählte Kapitel bereits vorab erschienen, in den englischen Zeitungen "Mirror" und "Chronicle", beide gehören zu dem Verlag, der das Buch herausbringt. Er hat Abschnitte ausgewählt, die offenbar von großer Sprengkraft für die englische Fußballszene sind.

In diesen Kapiteln beschreibt Owen, wie er 2005, nach einem enttäuschenden Jahr bei Real Madrid, zu Newcastle United gewechselt ist, obwohl er lieber zum FC Liverpool zurückgekehrt wäre. Vier Jahre spielte er für die "Magpies", ohne allerdings die großen Hoffnungen zu erfüllen, die der Klub und der leidenschaftliche Anhang in Newcastle in den Rekordtransfer hatte. Nach dem Abstieg am Ende der Saison 2008/2009 zog Owen weiter, zu Manchester United. Den Newcastle-Fans ist er als überbezahlter Profi, als Söldner, im Gedächtnis geblieben. Auch der Ex-Profi selbst hat keine guten Erinnerungen an die Zeit im St. James' Park.

Bei der EM 2000 war noch alles entspannt: Michael Owen wird von Alan Shearer (hinter ihm) geherzt
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Bei der EM 2000 war noch alles entspannt: Michael Owen wird von Alan Shearer (hinter ihm) geherzt

Owen nennt den Wechsel aus Madrid nach Newcastle in seinem Buch "einen Rückschritt", unterstellt dem Klub aus dem Nordosten Englands Größenwahn und beschimpft die Fans, weil sie ihn ausgebuht hatten, als er in einem Spiel beim FC Watford verletzt vom Platz getragen werden musste. Und auch wenn er im Kern mit seinen Ausführungen einen Punkt hat, lesen sie sich wie das verbitterte Nachtreten eines Gescheiterten.

Große Aufregung in der englischen Öffentlichkeit haben Owens Ausführungen zu seinem angespannten Verhältnis zu Newcastles Stürmerlegende Alan Shearer ausgelöst. Ursprünglich waren sie Freunde, wie Owen schreibt, sie harmonierten auf und neben dem Platz, in der Nationalmannschaft und in Newcastle in der Saison 2005/2006. Es war ihre einzige gemeinsame Spielzeit. Der zehn Jahre ältere Shearer beendete danach seine Karriere.

Wer ist hier der Sündenbock?

Das Verhältnis wurde nachhaltig gestört, als Shearer am Ende der Saison 2008/2009 als Interimstrainer Newcastles Abstieg verhindern sollte. Vor dem entscheidenden Spiel bei Aston Villa teilte Owen dem einstigen Teamkollegen mit, dass er sich nicht fit fühle. Er wurde erst spät eingewechselt, Newcastle verlor 0:1 - und stieg ab.

Laut Owen habe Shearer ihn danach zum Sündenbock machen wollen, um von seiner fehlgeschlagenen Rettungsmission abzulenken. "Er wurde als Retter empfangen, als der Junge von hier. Es hätte eine große Geschichte sein können. Aber er ist gescheitert. Anstatt seine eigenen Fehler zu analysieren, fühlte es sich leichter an, Michael Owen die Schuld zu geben", schreibt Owen. Er benutzt tatsächlich die dritte Person.

Es ist eine Abrechnung, und auf die Anschuldigungen folgte nun ein Streit auf Twitter, wie zwischen beleidigten Schuljungen. Shearer teilte einen Ausschnitt aus einem Interview, das Owen vor einem Jahr dem Bezahlsender BT Sports gab. Darin sagt er, dass er in den letzten Jahren seiner Karriere den Ruhestand herbeigesehnt habe. "Genau das haben wir auch gedacht, während du 120.000 Pfund die Woche verdient hast", lautete nun die Antwort von Shearer.

Owen antwortete mit der Andeutung, dass Newcastles Rekordtorschütze gar nicht so loyal gewesen sei, wie alle denken würden, und am liebsten nach Liverpool gewechselt wäre. Es ist ein albernes Schauspiel, das die englische Tradition fortsetzt, wonach sich die besten Fußballer des Landes nicht besonders gut verstehen.

David Beckham, Wayne Rooney und Michael Owen bei einem Testspiel im Jahr 2005
Paul Marriott/ imago images

David Beckham, Wayne Rooney und Michael Owen bei einem Testspiel im Jahr 2005

Zu erklären ist der Streit so: Shearer hat das Gefühl, dass Owen ihn und seinen Verein im entscheidenden Moment im Stich gelassen hat. Owen dagegen will das Sündenbock-Image loswerden und geht deshalb in die Offensive. Die Öffentlichkeit dürfte eher zu Shearer halten. Der Ex-Nationalspieler wird als seriöser TV-Fachmann geschätzt. Die Premier League hat ihn in dieser Saison sogar mit einer besonders heiklen Aufgabe betraut: Er soll dem Publikum den Videobeweis erklären. Owen dagegen gilt als einstiges Wunderkind, das die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte, auch wegen ständiger Verletzungen.

Es ist nicht davon auszugehen, dass es so schnell ruhig wird um seine Biografie. In einem weiteren Kapitel, das an diesem Mittwoch erschienen ist, greift er die nächste Ikone an. David Beckham habe die Nationalmannschaft mit seiner Roten Karte beim WM-Aus 1998 gegen Argentinien "hängen gelassen", schreibt Owen: "Das ärgert mich heute noch ein bisschen." Ob Beckham so gereizt reagiert wie Shearer? Das dürfte zumindest die Verkaufszahlen des Buchs in die Höhe treiben.



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der_rookie 05.09.2019
1. Hm
Shearer, Owen, Beckham: Alle drei hatten unglaublich erfolgreiche Karrieren. Insbesondere Owen und Beckham waren auch noch extrem jung als sie bereits international gehypt wurden inklusive Nationalmannschaft, Champions League, etc. Ihre Sponsoren haben zum Zwecke des Merchandising den global Hype weiter gepusht. Vermutlich waren sie schon als Kinder immer weit bessere Spieler als alle Altersgenossen mit denen sie zusammenspielten. Spätestens als Jugendliche wurden sie dann professionell betreut (sprich behandelt wie ein König). Und das in der Phase in der sich der menschliche Charakter stark bildet. Ich kenne diese Herren nicht persönlich. Ich wünsche ihnen, dass sie sich (inzwischen) zu normalen, selbstkritik-fähigen Persönlichkeiten entwickelt haben. Wie SPON die Tage erst berichtete gelingt das leider nicht allen Ex-Fussballstars (Marcelinho oder Maradona). Wer daran Schuld war, dass das damalige entscheidende Fussballspiel mit 0:1 verloren ging kann man eh nie beweisen: Owen weil er sich nicht gesund gehalten hatte / vorne nichts gebracht hat? Shearer weil er Owen nicht gesund gehalten hatte / die Mannschaft falsch aufgestellt hat? Die Mitspieler, die das Gegentor nicht verhindert haben? Die Katze, die vor dem Stadionbus von links nach rechts über die Straße gelaufen war? Zufall? Von allem ein bisschen?
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