Premier League Red-Sox-Besitzer übernehmen den FC Liverpool

Neuer Besitzer für die hochverschuldeten "Reds": Der FC Liverpool wird an das US-amerikanische Unternehmen New England Sports Ventures verkauft. Dies beschloss der Vorstand des Vereins. Auf dem englischen Traditionsclub lasten Schulden in Höhe von über 300 Milionen Euro.

Fans des FC Liverpool: US-Investor wird neuer Besitzer
REUTERS

Fans des FC Liverpool: US-Investor wird neuer Besitzer


Hamburg - Der englische Rekordmeister FC Liverpool hat einen Käufer gefunden. In der Nacht zum Mittwoch stimmte der Vorstand des Vereins einem Angebot des US-amerikanischen Unternehmens New England Sports Ventures (NESV) zu, dem unter anderem das Baseballteam Boston Red Sox gehört. "Ich bin froh, dass wir den Verkaufsprozess abschließen konnten", sagte Liverpool-Vorsitzender Martin Broughton. "Das Angebot von NESV hat unseren Kriterien am ehesten entsprochen. Sie besitzen eine Siegermentalität, wie sie bei den Red Sox bewiesen haben."

Der Liverpool-Vorstand habe dem Gebot nach ausführlichen Gesprächen in Boston, London und Liverpool zugestimmt, sagte Broughton weiter. "Indem es die Last der Schulden nimmt, erlaubt uns das Gebot, uns auf Investitionen in die Mannschaft zu konzentrieren." Zu den finanziellen Details des Deals sagte Broughton nichts, kritisierte aber das Verhalten der bisherigen Besitzer, der US-Unternehmer Tom Hicks und George Gillett. "Sie haben alles versucht, um das Geschäft zu verhindern."

Die bei den Fans unbeliebten Hicks und Gillett hatten den Verein Anfang 2007 für rund 174 Millionen Pfund (rund 200 Millionen Euro) übernommen, den Kauf aber ausschließlich mit Krediten finanziert, die sie dem Club anschließend wieder aufbürdeten. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 351,4 Millionen Pfund, als Hicks und Gillett den Verein im April diesen Jahres für 600 Millionen Pfund wieder zum Kauf anboten. Den Verkauf an NESV versuchten sie mit der Begründung zu verhindern, das Angebot sei zu niedrig.

Nach britischen Medienberichten zahlt NESV rund 300 Millionen Pfund (346 Millionen Euro) - genug, um die größten Bankschulden von 280 Millionen Pfund (323 Millionen Euro) an die mittlerweile in Staatsbesitz befindliche Royal Bank of Scotland auszulösen, die Ende nächster Woche fällig werden. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der englischen Premier League.

In der englische Liga sind die meisten Spitzenteams im Besitz ausländischer Investoren. Der russische Milliardär Roman Abramowitsch investiert seit Jahren in den FC Chelsea, Manchester United gehört dem US-Tycoons Malcolm Glazer, und Scheich Mansur bin Sajid al-Nahajan ist Besitzer von Manchester City. Dort wurden im Sommer Spieler für 90 Millionen Euro gekauft. Unter den Bietern für Liverpool hatte sich auch die chinesische Regierung befunden.

Sportlich ging es mit Liverpool zuletzt bergab. Die "Reds" erreichten in der abgelaufenen Saison nur Rang sieben, was zur Trennung von Trainer Rafael Benítez führte. Nach einem enttäuschenden Saisonstart unter dem neuen Trainer Roy Hodgson steht Liverpool als Drittletzter aktuell auf einem Abstiegsplatz.

met/dpa/sid



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