Premier League Spurs-Fans und Verband streiten um jüdische Sprechchöre

Der englische Fußballverband möchte Fans von Tottenham Hotspur verbieten, in ihren Sprechgesängen das Wort "Yid" zu gebrauchen. Der Club bittet nun mit einem Fragebogen seine in großen Teilen jüdischen Anhängerschaft um deren Meinung.

Tottenham-Spiel gegen Norwich: "Yid"-Gesänge auf den Tribünen
AP/dpa

Tottenham-Spiel gegen Norwich: "Yid"-Gesänge auf den Tribünen


Hamburg - Jetzt erst recht, dachten sich die Fans von Tottenham Hotspur. Mit breiter Brust skandierten sie im Premier-League-Spiel ihres Clubs gegen Norwich einen ihrer bevorzugten Schlachtrufe: "Yid Army", was übersetzt so viel heißt wie "Juden-Armee". Der englische Fußballverband FA hatte nur wenige Tage zuvor den Gebrauch dieses Ausdrucks verboten und Strafen angedroht. Die Antwort der Spurs-Anhänger: "Wir sind Tottenham Hotspur, wir singen, was wir wollen!"

Der Grund für diese Trotzhaltung ist schnell gefunden: Viele der Spurs-Fans sind selbst jüdischer Herkunft, für sie gehört es zu ihrer Fußballtradition, stolz darauf zu verweisen. Auch mit dem veralteten und eigentlich abwertenden Begriff "Yid".

Schon seit einiger Zeit herrscht über diesen Ausdruck Umstimmigkeit, die FA hatte die Spurs-Fans mehrfach darum gebeten, ihn nicht mehr zu gebrauchen. Denn wenngleich es sich bei ihnen selbst um Juden handelt, nutzen andere englische Fußballanhänger das Wort, um gegnerische Mannschaften oder Fans auf antisemitische Weise zu beleidigen.

Da die FA Probleme damit hat, beide Absichten und Fanlager auseinanderzuhalten, stellte sie den Gebrauch von "Yid" und Abwandlungen des Wortes in den Verbandsrichtlinien wegen des Verdachts auf Beleidigung unter Verbot: "Der Gebrauch des Audrucks in der Öffentlichkeit kann als strafbare Handlung angesehen werden und Strafverfolgung sowie die Verbannung aus dem Fußball nach sich ziehen."

Wiederholte Angriffe auf Spurs-Fans

Tottenham Hotspur reagierte prompt. Man wisse um die Empfindlichkeit des Themas, heißt es in einem Vereinsstatement, "unsere Fans haben den historischen Gesang übernommen, um damit dem antisemitischen Missbrauch zuvorzukommen. Sie wollen damit niemanden beleidigen".

Der Verein hat deshalb angekündigt, einen Umfragebogen an seine Anhängerschaft zu schicken, um gemeinsam zu beraten, ob man den Gesang künftig unterlassen oder sogar verbieten solle. "Mit dem Fragebogen möchte der Club herausfinden, ob die Fans glauben, dass man jetzt damit aufhören sollte, sich in dieser Form auf seine eigene Identität zu berufen", sagte Darren Alexander von der Tottenham-Hotspurs-Supporters-Stiftung (THST). Die Stiftung ist der Meinung, dass die FA kein Recht besitze, Fans in ihrer Wahl der Gesänge zu beeinflussen.

Tottenham-Fans sind in der jüngeren Vergangenheit mehrfach Opfer rassistischer Attacken geworden. Unter anderem wurden einige von ihnen von Lazio-Rom-Fans nach dem Europa-League-Spiel im November in der italienischen Hauptstadt brutal angegriffen, Ähnliches wiederholte sich im Februar in Lyon und nach einer Liga-Begegnung mit West Ham.

psk



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