Liverpools Sieg gegen Chelsea Thiago macht Thiago-Dinge

Der eine Ex-Bundesligastar musste zur Pause runter, der andere kam zur zweiten Hälfte drauf, es wurde gepatzt, gerungen und verschossen. Beim Spitzenspiel war viel geboten, auch und gerade von Thiago.
45 Minuten gespielt, einen Strafstoß verschuldet, drei Punkte geholt: Thiago

45 Minuten gespielt, einen Strafstoß verschuldet, drei Punkte geholt: Thiago

Foto: MICHAEL REGAN / AFP

Die Szene des Spiels: Kurz vor der Pause machte Liverpools Torhüter Alisson das Spiel schnell. Er gab den Ball zu Jordan Henderson weiter, der den startenden Sadio Mané sah und mit einem langen Schlag bediente. Der Angreifer entwischte Chelsea-Verteidiger Andreas Christensen, der sich nur mit einem Klammergriff gegen den enteilenden Angreifer zu helfen wusste. Schiedsrichter Paul Tierney zeigte erst Gelb, korrigierte sich nach Ansicht der Videobilder allerdings: Rot für den Dänen. Der ehemalige Gladbacher hatte mit seiner Ringereinlage die Arithmetik des Spiels verändert. Zum entscheidenden Nachteil seines Teams.

Das Ergebnis: Der FC Liverpool hat am zweiten Spieltag der Premier League 2:0 (0:0) beim FC Chelsea gewonnen. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Chelsea war bemüht, den Meister vom eigenen Tor fernzuhalten, Liverpools Ansinnen war die Verhinderung von Bällen auf den schnellen Timo Werner hinter die eigene Viererkette. Da beides sehr gut gelang, war die Partie zwar intensiv, aber auch chancenarm. Es bedurfte schon eines Irrlaufs von Chelsea-Torhüter Kepa, um Mohamed Salah eine Gelegenheit zu eröffnen, Christensen klärte nach knapp einer Viertelstunde kurz vor der Torlinie. In der 32. Minute setzte Werner einen Ball knapp rechts am Tor der Reds vorbei.

Havertz auf der Suche: Bein Saisonauftakt in Brighton hatte der Ex-Leverkusener Kai Havertz eine bestenfalls unauffällige Leistung gezeigt. Die erste Hälfte gegen Liverpool war besser, allerdings gelang dem als zentralen Offensivmann aufgebotenen 21-Jährige gegen Virgil van Dijk keine entscheidende Aktion. Da sein Coach Frank Lampard Nebenmann Mason Mount wohl das bessere Pressingspiel zutraute, musste Havertz nach dem Platzverweis zur Halbzeitpause in der Kabine bleiben. Für ihn kam Fikayo Tomori.

Thiago erst einmal nix, dann viel: Ablenkungskünstler Jürgen Klopp zeigte sich bei Fragen nach einem Startelfeinsatz des neu verpflichteten Thiago belustigt. Das komme gar nicht infrage, gerade einmal ein, zwei Trainingseinheiten habe dieser bei seinem neuen Klub hinter sich. Das klang nach Warten, nach Aufbau, nach ferner Zukunft - eine Dreiviertelstunde später startete Thiago in der zweiten Hälfte für Henderson. Und in dieser brachte er 75 Pässe zum Mitspieler - mehr als jeder Chelsea-Profi in 90 Minuten. Typisch Thiago eben.

Timo Werner war auffälligster Offensivakteur der Blues

Timo Werner war auffälligster Offensivakteur der Blues

Foto: NEIL HALL / AFP

Die zweite Hälfte: Wie lange würde Chelsea in Unterzahl das 0:0 halten können? Nun, keine fünf Minuten. Roberto Firmino spielte am rechten Strafraumrand einen formidablen Doppelpass mit Salah und flankte dann präzise in die Mitte, wo Mané den Kopfball schön ins linke Eck setzte (50. Minute). Vier Minuten später erhöhte Mané auf 2:0 - Kepa im Chelsea-Tor hatte ihm dabei den Ball unbedrängt in den Fuß gespielt. Die Chance auf den Anschlusstreffer vergab der sonst so sichere Elfmeterschütze Jorginho. Er scheiterte in der 75. Minute mit einem Strafstoß an Alisson. Zuvor hatte Thiago mit einer leichten Berührung Werner zu Fall gebracht. Bereits im ersten Saisonspiel hatte der deutsche Nationalstürmer einen Elfer herausgeholt.

Patzer zum Abschied: Den Rucksack des teuersten Torhüters der Welt wurde der Spanier Kepa bei Chelsea nie los. Sein Fehler beim 0:2 dürfte das Urteil der Verantwortlichen bestätigen, dass man für höhere Ambitionen eine neue Nummer eins benötigt. Diese scheint bereits gefunden: Édouard Mendy von Stade Rennes soll den 80-Millionen-Mann Kepa ablösen.

Werner weicht aus: Chelsea-Trainer hat in der Offensive zahlreiche Variationsmöglichkeiten. Nicht nur personell, auch positionsbezogen. So rückte Werner gegen Liverpool aus der Angriffsmitte auf den linken Flügel. Während seine Sturmpartner blass blieben, liefen alle gefährlichen Offensivaktionen der Blues über den 31-maligen Nationalspieler, der in der zweiten Hälfte in einem Zweiersturm neben Mount agierte. Im Gegensatz zu Havertz scheint der 24-Jährige bereits in London angekommen.

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