Premier League Tummelplatz der Milliardäre

Die englische Premier League ist weltweit die stärkste Liga. Viele Weltklassespieler kicken auf der Insel. Möglich macht dies ein für Investoren attraktives Sportrecht. "SPONSORS"-Autor Steffen Guthardt stellt einige der Milliardäre vor, die die Liga beherrschen.

Chelsea-Eigentümer Abramowitsch (r.): Ein Fußballclub als Hobby
REUTERS

Chelsea-Eigentümer Abramowitsch (r.): Ein Fußballclub als Hobby


Roman Arkadjewitsch Abramowitsch, geboren am 24. Oktober 1966 im russischen Saratow als Sohn jüdischer Eltern. Der ehemalige Gouverneur der Region Tuschukotka galt bis zum Eintritt der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr als zweitreichster Mann Russlands und zählte laut renommierten Wirtschaftsmagazinen zu den 20 Vermögendsten der Welt.

Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der Oligarch jedoch durch seinen Einstieg als Investor in der englischen Premier League. Am 1. Juli 2003 kaufte Abramowitsch für geschätzte 210 Millionen Euro den Londoner Club FC Chelsea und gilt damit vielen als Wegbereiter für die neue Verbindung zwischen freier Wirtschaft und Fußball.

Doch nicht nur in Englands Fußballoberhaus, sondern auch in Italiens Serie A und in der spanischen Primera División ist das Teilhaber-Modell längst gang und gäbe. Das Extrembeispiel bleibt jedoch die Premier League. Carson Yeung hat erst kürzlich seine von der Grandtop Holdings gehaltenen Anteile bei Birmingham City von 29,9 Prozent auf 94 Prozent aufgestockt. Scheich Mansur bin Zayed al-Nahyan soll seine von der Abu Dhabi United Group gehaltenen Anteile an Manchester City von 90 Prozent auf 100 Prozent aufgestockt haben.

Premier League plant stärkere Kontrolle der Clubs

Doch kaum einer dieser Investoren ist in den Medien so bekannt wie Lebemann Abramowitsch, viele von ihnen halten sich lieber im Hintergrund und scheuen den Presserummel. So beispielsweise Enos Stanley "Stan" Kroenke, ein US-amerikanischer Immobilienunternehmer mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Euro. Der Anteilseigner des Chelsea-Stadtrivalen FC Arsenal, der Medienspekulationen zufolge mittelfristig eine Übernahme des Clubs anstrebt, ist mit der Erbin des Handelskonzerns Wal-Mart verheiratet.

Weitgehend unbekannt ist auch Malcolm Glazer, Besitzer des englischen Rekordmeisters Manchester United. Der US-amerikanische Geschäftsmann begann im März 2003 mit dem Aktieneinkauf bei ManU und stockte seinen Anteil über mehrere Etappen auf 98 Prozent auf. Die restlichen Kleinaktionäre erhielten inzwischen eine Zwangsabfindung. Der Club ist damit Privateigentum von Glazer, dessen Söhne Joel, Avram und Bryan wurden in den Vereinsvorstand berufen.

Mehr Licht in das Geflecht der Investoren will nun Richard Scudamore bringen. Der Geschäftsführer der Premier League plant, die Transparenz in der Liga zu stärken. Er kündigte deshalb unlängst an, dass er die Clubs dazu auffordern wolle, künftig Veränderungen in ihren Besitzverhältnissen regelmäßig offen auf der Vereinshomepage darzulegen. Ein Problem, das sich hierzulande bis zur Abschaffung der 50+1-Regel, die den Einstieg von Investoren im großen Stil verhindert, nicht stellen wird.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.