EM-Pressestimmen "Als würde eine riesige Krake die Spanier lähmen"

Ausgeschieden - aber stolz: Die heimische Presse lobt die Leistung der portugiesischen Nationalmannschaft. Großes Thema ist das Pech mit Pfosten- und Lattentreffern. In Spanien gehen die Meinungen über die Leistung des Titelverteidigers auseinander. Italien konzentriert sich auf den traurigen Ronaldo.

Spaniens Keeper Casillas: Eine Parade, einmal rettet die Latte
AP

Spaniens Keeper Casillas: Eine Parade, einmal rettet die Latte


Pressestimmen zum Halbfinale Portugal - Spanien 0:0 n.V., 2:4 i.E.

PORTUGAL

Record: "Danke, Portugal! Portugal verlässt die EURO erhobenen Hauptes. Wir haben gegen den amtierenden Welt- und Europameister alles gegeben. In den vergangenen Wochen haben wir gezeigt, dass wir Talent und Können haben, um von Höherem zu träumen."

A Bola: "Elfmeter beendeten Portugals Traum, Zentimeter fehlen zum Finale. Die Nationalmannschaft ist raus aus der EURO, verlässt das Turnier aber durch das große Tor. Cristiano Ronaldo konnte diesmal nicht entscheidend ins Spiel eingreifen."

Jornal Nacional: "Große Emotionen in Donezk. Das Glück war bei dieser EURO niemals auf der Seite der Portugiesen - insgesamt waren es sechs Pfosten- und Lattentreffer."

Diário Nacional: "Der portugiesische Traum stirbt im Elfmeterschießen. Das Gebälk wollte, dass Spanien ins Finale einzieht. Keiner von beiden war besser als der andere, beide kämpften ausreichend genug, um sich den Endspiel-Einzug zu verdienen. Es fehlten Tore in einem emotionalen Spiel."

O Jogo: "Nur Pech verhinderte den Einzug ins Finale. Portugal gehört der Verdienst, dem Welt- und Europameister einen gehörigen Schrecken eingejagt zu haben. Die Roten konnten nie ihr gewohntes Spiel aufziehen. Erst die Elfmeter vernichteten Portugal."

SPANIEN

AS: "Wir haben das Finale! Spanien erhält seine Belohnung nach einer großartigen Verlängerung. Ramos mit seinem Panenka-Elfmeter war der Impuls in einem dramatischen Elfmeterschießen. Während der 90 Minuten spielte Spanien schlecht, hatte aber in der Verlängerung mehr verdient."

Marca: "Unsere Helden! Spanien streichelt an der dreifachen Krone. Auf geht's ins Finale, auf geht's zur Legende. Nur noch ein Schritt bis zum historischen Triple."

El Mundo Deportivo: "0:0, Spanien ab ins Finale. Die Geschichte wiederholt sich, und Cesc Fabregas verwandelt wie 2008 im Viertelfinale den entscheidenden Elfmeter. Spanien war besser als Portugal, schaffte es aber nicht, ein Tor zu schießen."

Sport: "Schon wieder Cesc! Die Elfmeter-Lotterie lächelte dieses Mal zu Gunsten der Spanier. Ein weiterer Schritt der spanischen Nationalmannschaft in Richtung Historie."

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Das langweilige Spiel ist mit dem entscheidenden Elfmeter von Cesc Fabregas zu Ende gegangen. Spanien ist vital, stark, aber auch viel menschlicher geworden. Das Pressing der Portugiesen hat die Spanier daran gehindert, sich frei zu bewegen, als würde eine riesige Krake die Mannschaft lähmen."

Corriere dello Sport: "Spanien siegt mit den Elfmetern, Ronaldo weint. Die 'Rote Furie' erobert das dritte Finale in Folge bei WM und EM. Taktik siegt über das schöne Spiel. Portugal verbraucht viel Energie, um die Spanier arg unter Druck zu setzen."

Tuttosport: "Wie Italien gegen England: Auch im Duell zwischen Spanien und Portugal entscheiden die Elfmeter den Ausgang des Matchs. Spanien kämpft, leidet, bestätigt aber seine Unbesiegbarkeit in den Top-Duellen. Ronaldo erlebt eine weitere Enttäuschung. Ein Fehler von Alves verurteilt die Portugiesen."

Il Messaggero: "Champagner für die Spanier, die wieder einmal ins Finale einziehen. Nach einem legendären Duell entscheidet das Elfmeter-Roulette das Match und verurteilt Portugal. Ronaldo bricht in Tränen aus und klagt, dass es eine Ungerechtigkeit sei. Und sehr wahrscheinlich hat er auch recht."

Corriere della Sera: "Spanien wendet Ronaldos Staatsstreich ab. Wenige Torgelegenheiten und ausgeglichenes Spiel: Doch bei den Elfmetern muss Portugal kapitulieren. Ronaldo leistet zu wenig, um in die Geschichte eingehen zu können."

POLEN

Przeglad Sportowy: "Glückliches Ende für Spanien im Elfmeterschießen - Drama um Ronaldo."

Wyborcz: "Toller Sergio Ramos, katastrophaler Xavi - Spanien ist im Finale, und Ronaldo weint."

Sport: "Elfmeterschießen macht den Weg für die Spanier nach Kiew frei. Cristiano Ronaldo hat schon überlegt, wie er den Lauf des großen Rivalen stoppen kann - und dann durfte er nicht mehr schießen."

Onet: "Die Meister haben ihr drittes großes Finale in Folge erreicht, und Portugal versinkt in Tränen."

Zusammengestellt vom sid



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
bratworst 28.06.2012
1. Der Krake!
Demnach MUSS die Überschrift so heißen: Als würde ein riesiger Krake die Spanier lähmen Solche Patzer sollten gerade hier nicht passieren!
ghibli 28.06.2012
2. Muss sie nicht
Zitat von bratworstDemnach MUSS die Überschrift so heißen: Als würde ein riesiger Krake die Spanier lähmen Solche Patzer sollten gerade hier nicht passieren!
Laut Duden kann das Wort "Krake" sowohl maskulin als auch feminin sein.
Dette 28.06.2012
3. optional
Dann eben 'das' Krake.
emden09 28.06.2012
4. Nix mehr "tikki-Takka" - Spaniens Taktik entzaubert
Zitat von sysopAPAusgeschieden - aber stolz: Die heimische Presse lobt die Leistung der portugiesischen Nationalmannschaft. Großes Thema ist das Pech mit Pfosten- und Lattentreffern. In Spanien gehen die Meinungen über die Leistung des Titelverteidigers auseinander. Italien konzentriert sich auf den traurigen Ronaldo. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841464,00.html
Die entscheidende Szene wurde nach dem entscheidenden Elfmeter gezeigt: Spaniens Trainer, der nicht jubelt, sondern sich entnervt abwendet. Entnervt? Warum? Eben deshalb weil Portugal gezeigt hat mit welch einfachem taktischen Mittel man den Spanischen "Zauberfußball" in den Griff kriegt. 120 Minuten lang wurde jeder Spanier in Ballbesitz sofort von mindestens einem Portugiesischen Spieler angelaufen, während die anderen gegen die Anspielstationen forecheckten. Ich konnte es nicht glauben, als ich sah, wie einfach das ging. Zugegeben mit unglaublich hohem läuferischem Aufwand. Aber das hätte selbst die Holzschuhmannschaft von Völler seinerzeit hinbekommen: Kondition gegen Fußballkunst! Del Bosque jedenfalls dürfte dieses Spiel in Zukunft noch teuer zu stehen kommen. Entweder findet er ein komplett neues taktisches Konzept, oder sein Erfolgsrezept samt "Tikki-Takka" ist Geschichte. Deshalb – so denke ich hatte er an dem schlußendlichen Sieg gegen Portugal keine Freude. Dazu kommt: Mit einem einzigen abschlußsicheren Stürmer hätte Portugal Spaniens Schweizer-Käse-Abwehr dazu noch in der regulären Spielzeit abgeschossen. Der Grund für Portugals Niederlage ist m.E. entsprechend Ronaldo und sein übergroßes Ego, das dieses Mal eben nur Luftlöcher statt Tore schoss.
cipo 28.06.2012
5.
Zitat von emden09Die entscheidende Szene wurde nach dem entscheidenden Elfmeter gezeigt: Spaniens Trainer, der nicht jubelt, sondern sich entnervt abwendet. Entnervt? Warum? Eben deshalb weil Portugal gezeigt hat mit welch einfachem taktischen Mittel man den Spanischen "Zauberfußball" in den Griff kriegt. 120 Minuten lang wurde jeder Spanier in Ballbesitz sofort von mindestens einem Portugiesischen Spieler angelaufen, während die anderen gegen die Anspielstationen forecheckten. Ich konnte es nicht glauben, als ich sah, wie einfach das ging. Zugegeben mit unglaublich hohem läuferischem Aufwand. Aber das hätte selbst die Holzschuhmannschaft von Völler seinerzeit hinbekommen: Kondition gegen Fußballkunst! Del Bosque jedenfalls dürfte dieses Spiel in Zukunft noch teuer zu stehen kommen. Entweder findet er ein komplett neues taktisches Konzept, oder sein Erfolgsrezept samt "Tikki-Takka" ist Geschichte. Deshalb – so denke ich hatte er an dem schlußendlichen Sieg gegen Portugal keine Freude. Dazu kommt: Mit einem einzigen abschlußsicheren Stürmer hätte Portugal Spaniens Schweizer-Käse-Abwehr dazu noch in der regulären Spielzeit abgeschossen. Der Grund für Portugals Niederlage ist m.E. entsprechend Ronaldo und sein übergroßes Ego, das dieses Mal eben nur Luftlöcher statt Tore schoss.
Quatsch. Portugal hatte einfach einen sehr guten Tag und die Spanier nicht. Beim nächsten Aufeinandertreffen kann es wieder ganz anders laufen. Ich denke, die Portugiesen haben da eine seltene Chance versiebt. Für den etwas zaghaften und konservativen del Bosque wird es Zeit, das Feld für einen frischen Nachfolger zu räumen, der das spanische System neu justiert.
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