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07. Dezember 2013, 15:09 Uhr

Pressestimmen zur WM-Auslosung

"Welcome to the jungle"

"Eine tückische Gruppe": So sieht die Presse in den USA die Auslosung zur Endrunde in Brasilien. Eine Zeitung schreibt sogar schon von einer Niederlage vor Turnierbeginn. In Portugal dagegen herrscht Respekt vor der DFB-Auswahl - aber auch Zuversicht.

Hamburg - Nicht jede Fußballnation sah der Auslosung der WM-Vorrundengruppen mit jener Gelassenheit entgegen, die Bundestrainer Joachim Löw und die Delegation des DFB vor der Ziehung der Kugeln im brasilianischen Küstenort Costa do Sauípe ausstrahlten.

Da waren zum Beispiel die Franzosen. Das Team hatte beim Turnier vor drei Jahren in Südafrika enttäuscht, scheiterte in der Vorrunde am Gastgeber, Uruguay und Mexiko. Für die WM in Brasilien im kommenden Jahr qualifizierte sich Frankreich erst in den Playoffs, nach einer Niederlage im Hinspiel gegen die Ukraine (0:2) gab es im Rückspiel einen 3:0-Erfolg. "Das Schlimmste? Das Beste?" - die französische Sportzeitung "L'Équipe" brachte Befürchtungen und Hoffnungen vor der WM-Auslosung auf den Punkt und orakelte über mögliche Kombinationen.

Am Ende der Zeremonie dann allgemeines Aufatmen. Frankreich trifft in Gruppe E auf die Schweiz, Ecuador und Honduras. Einmal mehr hatten "Les Bleus" Glück gehabt. "Das ist die denkbar einfachste Kombination", urteilten die Fachjournalisten bei BFM-TV, "auch wenn die Schweiz sich als kniffliger Gegner erweisen könnte."

"L'Equipe" druckte ein Weihnachtspäckchen auf die Titelseite und schrieb: "Ein Geschenk für die Blauen". Das Magazin "Le Nouvel Observateur" formulierte analytischer: "Eine (vorerst) Ideale Auslosung". "Le Parisien" schrieb treffend: "Schwein gehabt".

Entsetzen über die Auslosung herrscht in England. Das Team von Trainer Roy Hodgson bekommt es mit Italien, Uruguay und Costa Rica zu tun. "Herr, hilf uns!", titelt die "Sun" auf ihrer Internetseite und zeigt dazu die Jesus-Statue von Rio de Janeiro. "The Times" titelt: "Schweiß und Furcht vor der Reise ins Unbekannte. Greg Dykes 'Kehle durch'-Geste unterstreicht beängstigende Gruppe mit Uruguay, Italien und Costa Rica."

Der "Independent" gab sich demütig: "Eine ernüchternde Auslosung. England hat nichts zu verlieren. Wenn die Mannschaft die Gruppenphase übersteht, hat sie schon etwas erreicht."

Griechenland, der Europameister von 2004, freut sich in der Gruppe C mit Kolumbien, der Elfenbeinküste und Japan auf starke Gegner. "Schwierig - genau so mögen wir es", schrieb die Sport-Tageszeitung "Goalnews". "Die griechische Seele gegen die Giganten", formulierte das konservative Blatt "Eleftheros Typos". Die Sportzeitung "Sportday" richtete ihre Schlagzeile an die Moderatorin der Zeremonie: "Die Auslosung ist weniger süß als Du, Fernanda Lima."

In Spanien ist die Neuauflage des Endspiels von 2010 gegen die Niederlande Thema in der Presse. Das Team trifft neben der Mannschaft von Luis van Gaal in der Gruppe B auf Chile und Australien. "Marca" schreibt: "Wir beginnen mit einem Finale. Die WM 2010 endete mit Spanien gegen Holland und 2014 beginnt für "La Roja" auch wieder gegen Oranje. Das Schicksal hat es so gewollt." Und "AS" ergänzt: "Karacho, was ein Start! Spanien steht in der Pflicht, Erster in der Gruppe zu werden, um im Achtelfinale Brasilien aus dem Weg zu gehen." Auch "El Mundo Deportivo" schreibt über das ungewöhnliche Los: "Spanien beginnt mit dem Finale von Südafrika. Nie vorher in der Geschichte hat man so etwas gesehen."

In den Niederlanden bemüht sich die Presse um eine Einordnung der Gruppengegner. "Volkskrant" schreibt von einer Auslosung, die "für die Niederlande nicht ungünstig zu sein scheint. Die Niederlande müssen darauf achten, Gruppenerster zu werden, weil sonst im Achtelfinale vielleicht Brasilien wartet". Das "NRC Handelsblad" spricht dagegen von "einer relativ schlechten Auslosung. Nur Gruppe A und Gruppe D scheinen schwerer zu sein. Günstig ist, dass die Niederlande nicht im Amazonas-Regenwald spielen müssen". "De Telegraaf" sieht es dagegen nüchtern: "Jeder kennt es wohl, das Klischee: Wer Weltmeister werden will, muss alle Spiele gewinnen. Stimmt nicht. Spanien wurde vor vier Jahren auf Kosten der Niederlande die beste Mannschaft der Welt, aber verlor bei der WM in Südafrika das erste Spiel gegen die Schweiz."

Beim deutschen Gruppengegner USA sind vor allem die weiten Entfernung Thema. "Sports Illustrated": "Welcome to the jungle! Eine tückische Gruppe. Was alles noch schlimmer macht: Die USA haben die heftigsten Reiseentfernungen zugelost bekommen. Sage und schreibe 14270 Kilometer muss das Team zwischen Natal, Manaus und Recife zurücklegen. Wahrscheinlich die härteste WM-Auslosung der USA aller Zeiten." Auch "USA Today" wertet das Los als schwierig. "In den vergangenen 20 Jahren gab es keine schwierigere Todesgruppe. Um es zusammenzufassen: Die USA spielen gegen das Team, das sie bei den letzten beiden Weltmeisterschaften ausgeschaltet hat, gegen einen der besten Spieler der Welt und einen dreimaligen Titelträger."

Die "New York Times" schreibt schon vor dem Turnierbeginn von einer empfindlichen Pleite. "Es wurden an diesem Freitag keine Tore geschossen. Keine Spieler eingewechselt, keine Spiele gewonnen und keine Punkte gezählt. Und trotzdem fühlte sich dieser Tag an, als hätte das US-Team eine Niederlage kassiert."

Beim deutschen Gruppengegner Portugal herrscht Respekt, aber auch Zuversicht. "Record" schreibt von "einem Giganten, den wir schon in die Knie gezwungen haben." "A Bola": "Deutschland, USA und Ghana: Die Gruppe ist gefährlich, aber erlaubt zu träumen."

buc/joe/sid

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