Protest der Anhänger Fußballfan-Bündnis will Dialog mit DFB und DFL aufkündigen

Die Fanvertreter sind enttäuscht vom Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball-Liga. Versprechungen seien nicht eingehalten, Fanorganisationen lediglich als Bittsteller behandelt worden. Deswegen überlege man, den Dialog mit den Verbänden abzubrechen.
Fußballfans: "Keine Gesprächspartner auf Augenhöhe"

Fußballfans: "Keine Gesprächspartner auf Augenhöhe"

Foto: ddp

Hamburg - Die Vertreter mehrerer Fanorganisationen haben ihrem Unmut über die Gespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund DFB und der Deutschen Fußball-Liga DFL Luft gemacht. Die Fanvertreter fühlen sich von DFB und DFL nicht ernst genommen und erwägen daher den Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft Fandialog. Das geht aus dem Schreiben eines Bündnisses mehrerer Organisation wie ProFans oder Baff hervor, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Wir vermissen bei den beteiligten Verbänden die Bereitschaft, wirklich etwas im Sinne der Fans verändern zu wollen", begründet Matthias Scheurer von der Fanorganisation "Unsere Kurve" die Überlegung. Statt Anregungen aus der Fanszene aufzunehmen, stelle man eine fortschreitende "pauschale Kriminalisierung aller Fans" fest.

" Verringerung der Kartenkontingente für Gästefans, Sitzplatzzwang, Ausweiszwang, Polizeikessel" - dies seien die Signale, die DFB und Liga in Richtung der Anhänger aussende. So seien die Stadionverbotsrichtlinien im Vorjahr ohne Rücksprache mit den Fanvertretern geändert worden, die Ansetzung der Spieltage sei "zerstückelter und fanunfreundlicher" denn je. Statt die Anhänger wie zugesagt an der Terminierung der Bundesliga-Spieltage teilhaben zu lassen, habe die DFL eine "Hinhalte- und Einlullungstaktik" betrieben.

"Es scheint niemand ernsthaft an einem Dialog interessiert zu sein", beklagt Fanvertreterin Nicole Selmer, und Sandra Schwedler von ProFans spricht davon, man werde "lediglich als Bittsteller, nicht aber als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen". Unter solchen Vorzeichen erscheine eine weitere Teilnahme an der AG Fandialog als wenig sinnvoll. Die DFL wollte sich auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die AG war 2007 im Gefolge des DFB-Fankongresses in Leipzig ins Leben gerufen worden. Der DFB hatte damals zugesichert, die Anliegen der Fans nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Nach drei Jahren ziehen die Fanvertreter allerdings eine ernüchternde Bilanz und erkennen "leere Versprechungen statt Ergebnissen".

aha/mig
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