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26. Februar 2008, 14:04 Uhr

Provokation vor Münchner Derby

Farbanschlag auf Sechziger-Stadion

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Zündstoff vor dem Münchner Derby im DFB-Pokal: Unbekannte haben eine Tribüne in der Ex-Heimspielstätte des TSV 1860 München in den Farben des FC Bayern angestrichen. Das zeigen Bilder, die SPIEGEL ONLINE vorliegen - ähnliche Vorfälle hatte es schon in Hamburg und Dresden gegeben.

München - Die Schmierereien reichen über weite Teile der Westkurve im Stadion an der Grünwalder Straße. Dort hat der TSV 1860 München bis in die neunziger Jahre und zuletzt in der Saison 2004/2005 einen Großteil seine Heimspiele ausgetragen. Der harte Kern der Löwen-Fans feuerte das Team aus dieser Kurve an. Außerdem wurde eine Fläche unter der Anzeigetafel des städtischen Stadions mit dem Kürzel "FC Bayern" beschmiert.

Rot-weiß angestrichene Westkurve im Stadion an der Grünwalder Straße: "Stich ins Herz der 60er"
Reto Zimpel

Rot-weiß angestrichene Westkurve im Stadion an der Grünwalder Straße: "Stich ins Herz der 60er"

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat die Polizei das Stadion abgesperrt und begutachtet nun den Farbanschlag. "Es wird Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet", sagt 1860-Pressesprecher Jörg Krause SPIEGEL ONLINE. Der Club ist nur Mieter des Stadions, das dem städtischen Sportamt unterstellt ist. "Der Sachschaden beträgt rund 10.000 Euro, das kann man wohl als Provokation bezeichnen", sagt Krause verärgert.

"Das ist natürlich ein Stich ins Herz für jeden Löwenfan", sagt Thomas Emmes, Mitarbeiter des Münchner Fanprojektes, das die Anhänger beider Vereine betreut. Er hofft, dass sich diese Aktion nicht negativ auf das morgige DFB-Pokal-Spiel (20.30 Uhr, Liveticker auf SPIEGEL ONLINE) zwischen den beiden Rivalen auswirkt: "Ich hoffe, dass die 1860-Fans besonnen auf diese Provokationen reagieren. Wir durchforsten gerade die Internetforen, um uns ein genaueres Bild zu machen."

Dem Wunsch nach einem friedlichen Derby kann sich der TSV 1860 München nur anschließen: "Unsere Fans sollten sich durch nichts und niemanden provozieren lassen, sondern sich auf ein schönes Derby freuen", sagte 1860-Sportdirektor Stefan Reuter. Im Internet schworen derweilen die ersten Fans Rache, luden für morgen zur "Allianz-Arena-Abbruchparty".

In der Vergangenheit war es vor Stadtderbys mehrfach zu Provokationen durch Sachbeschädigungen gekommen. Vor dem Landesliga-Derby zwischen Dynamo II und Lok Leipzig im Oktober hatten sich die gewaltbereiten Fans beider Lager schon vorher angeheizt. Dresdner Anhänger hatten das Vereinsgraffiti am Leipziger Bruno-Plache-Stadion beschmiert. Die Zahlen 28.10. und ein großes Kreuz sollten keine Zweifel daran lassen, was Leipziger Fans an diesem Tag in Dresden erwarten sollte. Die Leipziger wiederum verewigten sich an den historischen Flutlichtmasten sowie an den Cateringständen im Dresdner Stadion mit Lok-Schriftzügen.

Im April 2007 hatten Unbekannte vor dem Derby zwischen der zweiten Mannschaft des Hamburger SV und des FC St. Pauli den Fuß des Uwe-Seeler-Denkmals braun-weiß - und damit in den Vereinsfarben der St. Paulianer angemalt. Die vier Tonnen schwere Bronzeskulptur war im August 2005 zu Ehren des langjährigen HSV-Stürmers vor der AOL-Arena aufgestellt worden.

Vor dem gleichen Derby hatten im Jahr 2005 Unbekannte das Denkmal des FC St. Pauli verunstaltet. Damals war das tonnenschwere Steinwappen, das hinter der ehemaligen Südkurve des Hamburger Millerntors steht, geteert und gefedert worden.

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