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St. Pauli-Sieg gegen Gladbach: Doppelter Erfolg für Lehmann

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Provozierte Rote Karte St. Paulis ehrlicher Schauspieler Lehmann

Mit seinem theatralischen Auftritt nach dem Zusammenstoß mit Gladbachs Idor de Camargo leitete St. Paulis Matthias Lehmann die Wende im Spiel ein. Seinen erfolgreichen Versuch, eine Rote Karte zu provozieren, gab er später ganz offen zu. Doch das macht die Aktion nicht weniger unsportlich.
Von Jan Reschke

Hamburg - Es war die entscheidende Szene des Spiels: St.-Pauli-Profi Matthias Lehmann foult Gladbachs Torschützen Igor de Camargo in der 21. Minute. Aufgebracht stürmt de Camargo auf ihn zu. Immer näher kommt er Lehmann. Der ahnt, dass sein Gegenspieler den Kontakt suchen wird, um sich bei ihm Auge in Auge über das Foul zu beschweren.

Als de Camargo nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt ist, reckt Lehmann seinen Kopf leicht nach vorne. Als sich die Köpfe berühren, reagiert Lehmann reflexartig - und lässt sich theatralisch zu Boden fallen. Schiedsrichter Wolfgang Stark zögert keine Sekunde und zeigt dem 27-jährigen de Camargo die Rote Karte. Lehmann wird hingegen nur für sein Foul bestraft - Gelbe Karte.

Dass er bei de Camargos Roter Karte nachgeholfen hatte, stellte Lehmann nach dem Spiel noch nicht einmal in Abrede. Überraschend ehrlich kommentierte er nach dem Spiel den Zusammenstoß: "So ein Geschenk nehme ich dankend an. Ich wäre ja dumm, wenn ich das nicht machen würde. Klar hat er mich berührt. Ich bleibe ja nicht stehen, wenn wir 0:1 zurückliegen", sagte der 27-jährige Mittelfeldspieler.

Man kann es clever nennen - oder unsportlich.

Fakt ist: Gladbach lag zu diesem Zeitpunkt in Führung, doch die verbleibenden knapp 60 Minuten nutzten die Hamburger, das Spiel noch 3:1 (1:1) zu ihren Gunsten zu drehen. Das letzte Tor erzielt Lehmann sogar selbst nach einem Konter.

"Das war dumm und hat uns nachhaltig geschadet"

Schiedsrichter Wolfgang Stark sagte nach dem Spiel nur: "Ich werde einen Sonderbericht anfertigen, das ist bei Platzverweisen aber ein ganz normaler Vorgang. Ich habe das Vergehen von Igor de Camargo als rotwürdig angesehen und den Spieler deshalb des Feldes verwiesen." Da Stark die Szene gesehen und bewertet hat, muss Lehmann wohl keine Konsequenzen fürchten. Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung. Der DFB war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Sieg des FC St. Pauli bringt Mönchengladbach in noch größere Abstiegsnöte. Die Borussia hat bereits sieben Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Dennoch wollte Borussia-Trainer Michael Frontzeck Lehmann keinen Vorwurf machen, vielmehr richtete er die Kritik an seinen eigenen Spieler: "De Camargo hat da nichts zu suchen. Das war dumm und hat uns nachhaltig geschadet." Auch Gladbachs Manager Max Eberl sagte: "Igor darf nicht so dahingehen. Wenn er wegbleibt, kassiert Lehmann die Gelbe Karte und damit hat sich die Sache."

Am Sonntag zeigte sich, dass de Camargos Aussetzer noch andere Konsequenzen hatte. Gladbach trennte sich von Frontzeck. Nach der Partie hatte Eberl noch gesagt, man werde das Spiel und die gesamte Situation analysieren, aber nicht in der Öffentlichkeit. Nach anderen Niederlagen hatte sich Eberl bislang stets öffentlich für einen Verbleib Frontzecks ausgesprochen.

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